Lesung Martin Becker u.a.: Roman als Filter der Erinnerungen

Martin Becker © Marina Kinski

Sa, 11.05.2019

Výstaviště Praha Holešovice

Výstaviště 67
170 90 Prag 7

Gespräch und Lesung dreier zeitgenössischer Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

„Gedächtnis und Erinnerung“ lautet das Motto der diesjährigen Prager Buchmesse Svět knihy. Erinnerung, damit setzen sich auch drei Romane zeitgenössischer deutschsprachiger Autoren auseinander. Unter dem Titel „Roman als Filter der Erinnerungen“ werden Martin Becker, Laura Freudenthaler und Martina Clavadetscher gemeinsam diskutieren – und selbstverständlich aus ihren Werken lesen.

Die Veranstaltung wird moderiert von Jitka Nešporová. Nach der Lesung findet eine Signierstunde am Stand des Goethe-Instituts statt. Die Lesung findet im Rahmen des Literaturprogramms Das Buch auf der Prager Buchmesse Svět knihy statt.

Martin Becker (*1982, Attendorn/Deutschland) studierte Prosa und Dramatik am prestigeträchtigen Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Nach weiteren Stationen in Berlin und auch in Prag lebt Becker heute in Köln. Becker macht Radio und schreibt Prosa – immer wieder auch über Tschechien. In der Vergangenheit arbeitete er des Öfteren mit dem tschechischen Schriftsteller Jaroslav Rudiš zusammen. 2019 erscheint der Roman Warten auf Kafka.

Am 21.12.2018 schloss in Bottrop die letzte Zeche Deutschlands. Mit Marschmusik (2017) thematisiert Becker, der selbst aus dem Ruhrgebiet stammt, das Ende des Kohlebergbaus in Deutschland und die damit einhergehenden Veränderungen für die Menschen in der Region. Ein erwachsener Sohn will Licht ins Dunkel der eigenen Familiengeschichte bringen. Wie hat die Familie gelebt inmitten von Zechentürmen, Taubenschlägen und Schrebergärten? Und was ist eigentlich noch übrig vom bescheidenen Reihenhaus, das dem erwachsenen Sohn doch früher vorkam wie ein Palast? Wie lange wird seine Mutter noch rauchend im Sessel sitzen und sich an den verstorbenen Vater erinnern? Und was bleibt, wenn es das alles wirklich bald nicht mehr gibt?

Laura Freudenthaler (*1984, Salzburg/Österreich) hat Germanistik, Philosophie und Gender Studies studiert und lebt zurzeit in Wien. Im Jahre 2019 ist ihr zweiter Roman Geistergeschichten (Droschl) erschienen.

Im Roman Die Königin schweigt beobachten wir mit Hilfe von Erinnerungsfragmenten das Werden der Hauptheldin Fanny zu einer unnahbaren und stolzen Frau: Fanny, die »Königin«, ist eine vom Schicksal immer wieder hart getroffene Frau, die ihren Lebensabend alleine verbringt und über alles Vergangene schweigt. Doch in Tagträumen und schlaflosen Nächten kann sie sich den Erinnerungen nicht erwehren.

Martina Clavadetscher (*1979, Zug/Schweiz) studierte Germanistik, Linguistik und Philosophie. Seit 2009 arbeitet sie als Autorin, Dramatikerin und Radio-Kolumnistin. Für Knochenlieder erhielt sie 2016 den Preis der Marianne und Curt Dienemann-Stiftung und wurde 2017 für den Schweizer Buchpreis nominiert.

Der Roman Knochenlieder erzählt die Geschichten der Familien Grün und Blau über rund sechs Jahrzehnte, beginnend um 2020. Sie leben abgeschottet in ihrer Siedlung, sie befolgen die Regeln. Wenn im ersten Teil das Leben in der Siedlung im Mittelpunkt steht, spielt der Roman im zweiten und dritten Teil gut zwanzig Jahre später in einer überwachten Stadt, die nur noch den Ausnahmezustand kennt.

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