Dezember 2017 Buchempfehlungen von Sophie Weigand

Sophie Weigand empfiehlt aktuelle Bücher
© Buchumschläge von li. nach rechts: Kein & Aber, Diogenes, Dumont, Kiwi

Im Dezember 2017 war Buchbloggerin Sophie Weigand zu Gast im Goethe-Institut Dänemark und stellte ihre Favoriten der aktuellen Buchsaison vor. Hier gibt es nun Ihre Empfehlungen zum Nachlesen.

Alle vorgestellten Bücher können in der Bibliothek des Goethe-Instituts entliehen werden, die meisten sind zudem als eBooks in der Onleihe zugängich. Um Vormerkungen über unseren Online-Katalog vornehmen zu können, benötigen Sie eine Bibliotheksmitgliedschaft sowie eine kostenlose Registrierung auf Mein Goethe.de. Mehr dazu hier. Um eBooks in unserer digitalen Bibliothek Onleihe zu entleihen, können Sie sich hier registrieren. Viel (Lese)vergnügnen!

Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann

Marianna Leky: Was man von hier aus sehen kann © Dumont Immer, wenn die alte Selma von einem Okapi träumt, folgt in den nächsten Stunden ein Todesfall. Das okapibedingt herannahende Lebensende unbekannter Art veranlasst viele Bewohner einer Kleinstadt, sich einander gut gehütete Geheimnisse zu offenbaren. Jeden könnte es treffen. Und bevor es soweit ist, gehören ein paar Dinge eben doch noch ausgesprochen. Zum Beispiel, dass der Optiker Selma liebt oder dass Väter doch nicht Väter sind. Was Mariana Lekys Roman ausmacht, ist nicht seine rasante Dynamik, sondern sein unvergleichlicher Sprachwitz. Getragen von einem witzig-lakonischen Tonfall ist der Roman eine Melange aus Komik und Tragik, aus Wahrhaftigkeit und Karikatur. Ein Buch über Liebe, Freundschaft, Absurdität und das Ende aller Dinge – klug, leicht und zauberhaft.
Dumont Buchverlag, 320 Seiten, 20 €

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Klaus Cäsar Zehrer – Das Genie

Klaus Zehrer: Das Genie © Diogenes William James Sidis ist ein Genie und Wunderkind. Seinen IQ schätzt man auf 250 – 300. Mit 18 Monaten kann er bereits lesen, er beherrscht 40 Sprachen, mit 11 hält er in Harvard eine Vorlesung über höhere Mathematik und die vierte Dimension. Sein Vater Boris kommt 1887 als ukrainischer Einwanderer in die USA. Er studiert selbst in Harvard, ist hochintelligent und beschäftigt sich als Psychologe vor allem mit Suggestion und dem, was er das „Subwaking Self“ nennt. Daraus entwickelt er schließlich seine Sidis-Erziehungsmethode, die dazu dienen soll, Genies zu erziehen. An seinem Sohn William will er seine Theorie beweisen. Klaus Cäsar Zehrer erzählt in leichtem, empathischen Ton die wahre Geschichte eines Mannes, dessen Leben trotz seines überragenden Intellekts ein tragisch fremdbestimmtes ist.
Diogenes Verlag, 656 Seiten, 25 €

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Joachim Meyerhoff – Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Doppelgänger © Kiepenheuer & Witsch Nach der Beendigung seiner Schauspielausbildung in München und dem schmerzlichen Tod der exaltierten Großeltern hat es Joachim Meyerhoff an ein Bielefelder Theater verschlagen. Dort spielt er lustlos seine Rollen, er zweifelt. Soll das alles gewesen sein? In diesem Ensemble? An dieser Bühne? Er ist Anfang zwanzig und träumt von Flucht und Ausbruch, ist dafür aber am Ende zu pflichtbewusst. Im vierten Teil seiner autobiographischen Reihe Alle Toten fliegen hoch erzählt Joachim Meyerhoff gewohnt selbstironisch und liebenswürdig von seinen ersten Lieben – Hanna, der ungestümen Intellektuellen und Franka, der unkomplizierten Tänzerin -, einer schwierigen Dreiecksbeziehung und der Bäckerin Ilse. Meyerhoff kann erzählen, beobachten und porträtieren, man lässt sich gern von ihm mitnehmen.
Kiepenheuer & Witsch, 416 Seiten, 24 €

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Svealena Kutschke – Stadt aus Rauch

Svealena Kutschke: Stadt aus Rauch © Eichborn Lübeck hat Erfahrung mit dem tragischen Niedergang von Familien. Deshalb ist es wohl folgerichtig, den Ursprung eines epochenübergreifenden Familienfluches in der pittoresken Hansestadt zu verorten. Der über 600 Seiten starke Roman ist ein wilder Ritt u.a. durch die Geschichte des 20.Jahrhunderts. Von der Meuterei der Matrosen 1918 über die goldenen Zwanziger, die Inflation und Wirtschaftskrise der Weimarer Republik bis zum Erstarken der Nationalsozialisten und deren Machtübernahme, endend in den 90er Jahren und ihren ausländerfeindlichen Ausschreitungen; immer wieder laufen die Fäden in Lübeck zusammen. Kutschke verbindet folkloristische Elemente wie den Roggenbuk mit historischen Rückblicken auf die Anfänge Lübecks als slawisches Luibice etwa 700 n.Chr. Ein schaurig schöner, ungezügelter Roman!
Eichborn Verlag, 672 Seiten, 24 €

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Marc-Uwe Kling – QualityLand

Marc-Uwe Kling: QualityLand © Ullstein Im Mittelpunkt dieses Zukunftsromans steht Peter Arbeitsloser (benannt nach dem „Beruf“ des Vaters), ein Maschinenverschrotter ohne große Ambitionen. In QualityLand, dessen Ursprung irgendein westliches Industrieland ist, regiert der Superlativ. In den Schulen wird die glorreiche Zukunft gelehrt und verschiedene Level zeigen je nach Höhe die Nützlichkeit eines Menschen an. Drohnen beliefern die Menschen mit Dingen, von denen sie noch nicht wussten, dass sie sie brauchen. Alles wird durch unfehlbare Algorithmen gesteuert. In die effiziente Maschinenwelt bricht jedoch der menschliche Makel: Peter Arbeitsloser bekommt einen pinkfarbenen Delfinvibrator zugestellt. Dieser Umstand ist der Beginn eines Widerstands gegen die Unfehlbarkeit der künstlichen Intelligenz. Klug und extrem komisch!
Ullstein, 384 Seiten, 18 €

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Andrea Gerk – Lob der schlechten Laune

Andrea Gerk: Lob der schlechten Laune © Kein & Aber Schlechte Laune gilt in diesen Tagen als ein Umstand, den man so schnell wie möglich beseitigen muss. Das Leben ist zu kurz, um mies drauf zu sein. Was schlechte Laune ist, variiert je nach Definition. Eine kleine Verstimmung ohne akuten Auslöser, ein Leiden an der Verfasstheit der Welt, die so viel besser sein könnte als sie ist. Weltschmerz, Ärger, Wut, Enttäuschung. Andrea Gerk präsentiert einen launigen Querschnitt durch die Niederungen seelischen Missbehagens. Gerk nähert sich kurzweilig dem Phänomen der schlechten Laune (und seinem geographischen Epizentrum: Österreich), fragt Experten, die mal aus der Philosophie und mal aus dem Hotelgewerbe kommen; alles in einem lockeren, gewinnenden Ton. Selbst wenn man wollte: Es ist unmöglich, angesichts dieses Buches schlecht gelaunt zu sein.
Kein & Aber, 304 Seiten, 24 €

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