Zauberkunst im Deutschunterricht

Tobias Campoverde
© Goethe-Institut Tallinn/Gretlin Prukk

Am. 9. Oktober 2016 war es soweit. Mein Zauberkoffer war gepackt mit Karten, bunten Bällen, Hasen aus Kunststoff, deutschen Vokabeln und Vorfreude. Ich war bereit und gespannt auf zwei Wochen Zauberei in Estland, Lettland und Litauen für das Goethe-Institut.

Von München aus ging es mit dem Flugzeug nach Tallinn. Die Hauptstadt Estlands wird auch oft das „Silicon Valley“ von Europa genannt. Skype ist zum Beispiel die bekanntest IT-Anwendung, die in Estland entwickelt wurde. In Nordeuropa an der Ostsee gelegen, ist Estland kaum größer als Dänemark oder die Schweiz. Mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern jedoch gehört Estland zu den kleinsten Ländern der Welt. Neben der Hansestadt Tallinn gibt es viel Meer, schöne Inseln, die traditionelle Universitätsstadt Tartu, ein Wintersportgebiet, gepflegte Dörfer und Kleinstädte, viel Natur wie Wald, und vor allem gastfreundliche, patriotische und weltoffene Menschen.

Die vier Auftritte in Estland waren vom Goethe-Institut in Tallinn und vom Deutschen Kulturinstitut in Tartu sehr gut organisiert. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht für die Kinder zu zaubern. Die Kinder waren sehr nett, lebhaft und motiviert.  Ich habe schnell gemerkt, dass Zauberei keine Sprache braucht und konnte den Kindern daher spielerisch eine Sprache vermitteln. Ich habe versucht während meinen Zaubershows deutlich und langsam zu sprechen und habe besondere Wörter auf große Karten gedruckt. Die verschiedenen Wörter habe ich mit den Kindern auch während meiner Vorführung wiederholt. Deutscher Wortschatz zu den Themen Begrüßung, Farben, Zahlen, Körper, Kleidung und Tiere standen bei meiner Show im Mittelpunkt und ich habe durch visuelle und interaktive Zauberei alle Kinder mit einbeziehen können.

Tobias Campoverde in Riga Tobias Campoverde in Riga | © Tobias Campoverde Mit dem Bus ging es dann von Tallinn nach Riga, der Hauptstadt von Lettland. In Lettland leben ca. 2,3 Millionen Menschen und es ist ein Land voller Wälder, Seen und einsamer Stränden. Die ethnische Herkunft ist in Lettland wie in allen baltischen Staaten ein heikles Thema. Grund dafür ist, dass die Sowjetunion Einwanderer aus Russland und anderen Sowjetrepubliken gezielt ins Land geholt hat, um die Struktur der Bevölkerung zu verändern. Insgesamt hatte ich in Lettland sechs Auftritte: in Riga, Rezekne und Daugavpils. Besonders die Auftritte in der Nähe der russischen Grenze waren für mich sehr interessant und aufregend. Tolle Begegnungen, fröhliche Gesichter und interessante Gespräche über Lettland, Russland, das Schulsystem und das Leben werde ich in Erinnerung behalten. Außerdem wird in den baltischen Ländern erst ab der 9. Klasse in weiterführende Schulen und Ausbildungen getrennt. Der Unterricht findet meist bis in den Nachmittag statt und es gibt warmes Mittagessen für alle Schüler.

Tobias Campoverde in Vilnius Tobias Campoverde in Vilnius | © Tobias Campoverde Mit dem Mietwagen ging es dann von Vilnius aus durch ganz Litauen. Nach der sowjetischen Okkupationszeit ab 1940 erlangte Litauen 1990 wieder staatliche Souveränität. Am 23. August 1989 bildeten zwei Millionen Menschen die „Baltische Kette“, eine Menschenkette über eine Länge von 600 Kilometern von Tallinn über Riga nach Vilnius, um für die Unabhängigkeit der baltischen Staaten zu demonstrieren. In Litauen leben heute ca. 2,9 Millionen Menschen. Während der Shows, nach meinem Motto „Staunen, Lachen, Nachdenken“, habe ich immer versucht, alle Kinder direkt durch verschieden Übungen mit den Händen anzusprechen. Im Vordergrund stand der Spaß. Rote Bälle sind verschwunden und in den Händen der Kinder wiederaufgetaucht, mein Zauberkoffer schwebte in der Luft und die Kinder haben mit mir Farben in einem Malbuch erscheinen lassen. Es war schön den Alltag der Schüler/innen und Lehrer/innen durch Zauberei zu bereichern.

Nach meinen Auftritten haben die Kinder oft viele Fragen gestellten und sich mit einem „Danke“ und „auf Wiedersehen“ verabschiedet.  Am Ende waren es 18 Auftritte in zwei Wochen und über 2000 glückliche Kinder. Aus deutscher Sicht sind die baltischen Länder geschichtlich und kulturell sehr interessant. Die Hauptstädte Tallinn, Riga und Vilnius sind wirklich sehr unterschiedlich und immer eine Reise wert.

Zum Schluss möchte ich mich bei dem Goethe-Institut Estland, Lettland und Litauen sowie bei den Lehrern/innen und Schülern/innen für die tollen Shows, Erfahrungen und vielen lustigen Momente bedanken.  Das Leben ist überall anders, aber immer faszinierend schön.