Neue deutsche Filme
im Rahmen des PÖFF
2016

Neue deutsche Filme 2016

Neue deutsche Filme 2016

Programm

Das Jahr der Frauen

Das deutsche Kinojahr ist noch nicht vorbei, doch Kinopublikationen ziehen ihr Fazit: Es gehört den Frauen.

Eine wichtige Bestandsaufnahme, wurde doch in den letzten Jahren sehr intensiv um die finanzielle Teilhabe von Regisseurinnen in Deutschland gestritten. Aktuell fließen laut Zahlen der Zeitschrift „EPD Film“ immer noch nur 15 Prozent der Produktionsmittel in Deutschland Filmemacherinnen zu, vor allem beim Fernsehen und bei großen Budgets muss man weiterhin von Männerdomänen sprechen. Insofern kann man die Erfolge nicht hoch genug einschätzen, die gerade in Reihe gefeiert werden. Ein bisschen hat TONI ERDMANN, Maren Ades Cannes-Sensation, viele davon überdeckt. Der Film läuft auch in Estland bereits im Kino und ist ein Riesenerfolg an der deutschen Kinokasse, der dank seiner Oscar-Ambitionen gerade in ganz Europa auf Leinwänden zu sehen ist. Beispielsweise ist aber Maria Schraders VOR DER MORGENRÖTE über den Schriftsteller Stefan Zweig nicht weniger herausragend (und übrigens für Österreich in das Oscar-Rennen gegangen).

In der Reihe der vom Goethe-Institut präsentierten Filme besetzen die Regisseurinnen 50 Prozent der Plätze – und es hätten sogar noch mehr sein können. Aber diese Prozentzahlen bringen einen auch nicht allzu weit: Es geht nicht primär um ein politisches Statement, sondern schlicht um das Panorama der interessantesten deutschen Werke im Hier und Jetzt. So sieht es aus.

Es scheint, dass das deutsche Kino immer noch lebendiger wird in widersprüchlicher Vielfalt, dass die Figuren vor echtem Verlangen beben, dass in all diesen Werken Begegnung zwischen Menschen versucht wird, mal gelingend, mal brachial scheiternd. Eine überfällige Verschiebung von „plot-driven“ zu „character-driven“ im deutschen Kino ist nicht zu übersehen. Der Wettbewerbsbeitrag DIE HABENICHTSE steht ohne Zweifel dafür: Selten werden Menschen, die sich dem Weltgeschehen ausgeliefert fühlen, so genau beobachtet. Julia Jentsch brilliert hier – genauso wie in 24 WOCHEN und AUF EINMAL. Es ist ganz sicher auch das Jahr dieser Ausnahmeschauspielerin.
 
Christoph Gröner
Kurator des deutschen Filmprogramms im Rahmen des PÖFF.
Programmer „Neues Deutsches Kino“ im Rahmen des Filmfests München.