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Berlinale-Blogger 2019
Impressionen vom ersten Tag

Friedrichstadt-Palast
Friedrichstadt-Palast | © Foto-Boulevard

„Ich liebe Filme“, sagt der Fahrer des Taxis, er ist vielleicht so zwischen fünfzig und sechzig. „Werden Sie sich ein paar der Berlinale-Filme anschauen?“, frage ich. Er fragt, wann die Berlinale eigentlich losgeht. „Heute“, sage ich. „Heute? Echt?“

Von Noha Abdelrassoul

Die Begeisterung der Stars für den roten Teppich der Berlinale hält sich ebenfalls in Grenzen. Abendkleid im Februar, das ist nicht jedermanns Sache, dafür zeigt man auch auf der Website des Festivals augenzwinkernd Verständnis. Umso größer ist die Resonanz jedoch beim Publikum. Fast eine halbe Million strömte letztes Jahr in die Kinos. Für Tom Tykwer, den letztjährigen Jury-Präsidenten, ist es genau dieser außerordentliche Andrang, der die Einzigartigkeit der Berlinale unter allen internationalen Filmfestspielen ausmacht.

Vor dem Berlinale Palast. © Foto-Boulevard Und tatsächlich. Schon allein die Atmosphäre rund um die Eröffnungsfeier ist einzigartig. Der rote Teppich, gleich am Potsdamer Platz, scheint eine magische Anziehungskraft auf Schaulustige zu haben, die gerne miterleben wollen, wie die Stars eintrudeln, oder die einen Blick hinter die gläserne Fassade der Audi Lounge wagen möchten.

Da kommt er ja schon, Tom Tykwer, um die Wartenden zu begrüßen. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Regisseure, der unter anderem beim Hollywood-Film „The International“ mit Clive Owen und Naomi Watts Regie führte. Gerne erinnere ich mich auch an die Premiere seines später so erfolgreichen Films „Lola rennt“. Eine Sequenz daraus ist sogar in dem ägyptischen Film „Malek wa Ketaba“ zu sehen, wo sich in einer Szene alle versammeln, um gemeinsam „Lola rennt“ anzuschauen – die rennende rothaarige Lola, begleitet von hämmernden Techno-Beats, mal als Zeichentrickfigur wie in einem Computerspiel, mal als leibhaftige Lola, gespielt von der einzigartigen Franka Potente, die auch in den Hollywood-Streifen „Die Bourne Identität“ und „Die Bourne Verschwörung“ positiv auffiel.

Während wir auf die restlichen Stars warten, plaudere ich mit einer Kollegin. Ich erzähle ihr, dass ich gerne die diesjährige Jury-Präsidentin, Juliette Binoche, treffen würde. Eine Festivalmitarbeiterin beteiligt sich am Gespräch und sagt „Oh!“ als Paula Beer eintrifft, es aber keiner so richtig mitkriegt. Das scheint öfter vorzukommen. Oder die Leute sind total auf einen bestimmten Star fixiert und nehmen alle anderen überhaupt nicht wahr. Plötzlich richten sich alle Augen auf eine Frau in einem prächtigen Kleid und ich höre die Leute „Juliette! Juliette!“ rufen. Ich selbst erkenne sie gar nicht sofort. Sie sieht ganz anders aus als auf den Bildern. Viel lebendiger. Als sei sie wieder Tereza in „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ oder Hana in „Der englische Patient“.

Dann kommt Billy Nighy, der in „The Kindness of Strangers“ mitspielt, einem der Filme, die dieses Jahr um den Goldenen Bären konkurrieren. Sofort hat der Schauspieler durch seine lockere Art die Wartenden für sich eingenommen, lange bleibt er bei den Fans stehen, ein brillanter Schauspieler, der bisher in allen Rollen überzeugen konnte, zum Beispiel als alternder Rockstar in „Tatsächlich … Liebe“. Da wo ich stehe, kommen die Gäste der Feier zu Fuß an, anstatt sich mit dem Wagen vorfahren zu lassen. Kurz bevor sie vor die Leute ins Rampenlicht treten, kann man hier manch lustige Szene erleben. Eine der Frauen richtet sich noch schnell die Frisur. Eine andere raunt ihrer Freundin noch schnell ein „Shit“ zu… Fatih Akin taucht auf, der berühmte Regisseur, zusammen mit Jonas Dassler, dem Hauptdarsteller in Fatih Akins neuestem Film „Der goldene Handschuh“, einer der diesjährigen Favoriten im Rennen um den Goldenen Bären. Doch aus irgendwelchen organisatorischen Gründen, die keiner der Wartenden so recht begreifen mag, soll der Zutritt zum roten Teppich von dieser Seite aus plötzlich nicht mehr möglich sein. Es gibt einen Wortwechsel mit Leuten vom Organisations- und Ordnungsteam. Dann eine weibliche Stimme: „Aus dem Weg! Das ist Fatih Akin!“
Fatih Akin, Jonas Dassler Der Regisseur mit seinem Hauptdarsteller aus der Literaturverfilmung. | © Foto-Boulevard

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