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Berlinale-Blogger 2019
ein libanesischer Film über Rosa Luxemburg

Une rose ouverte / Warda
© Ghassan Salhab

„Auf, auf zum Kampf, zum Kampf! […] Dem Karl Liebknecht haben wir‘s geschworen, der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand! […] Es steht ein Mann, ein Mann, so fest wie eine Eiche. Er hat gewiß, gewiß schon manchen Sturm erlebt. Vielleicht ist er schon morgen eine Leiche, wie es so vielen unsrer Brüder ging. [...]“

Von Noha Abdelrassoul

Diese Zeilen aus einem Lied, das Bertolt Brecht 1919 im Andenken an die ermordeten Sozialistenführer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg geschrieben hatte, tauchen nun auf der diesjährigen Berlinale wieder auf – als trauriger Gesang in einem libanesischen Film über Rosa Luxemburg.

Wie eine Rose ...

Ein Fluss. Schneefall. Scheinbar endlose Stille. Schnitt. Spuren im Schnee. Kameraschwenk. Immer noch Stille. Ein Non-Fiction-Film, und dann so ein schleppender Rhythmus? Nicht jedermanns Sache. Ich hoffe, dass im Laufe des Films ein roter Faden erkennbar wird. Und ich werde nicht enttäuscht. Immer wieder tauchen versatzstückhafte Anspielungen auf, man will wissen, wie es weiter geht, und erhält dennoch ausreichend Zeit zur Kontemplation. Das scheint letzten Endes zumindest einige, wenn auch nicht alle Zuschauer zu überzeugen.

Eine Gedenktafel taucht im Bild auf. Unter dem nach Rosa Luxemburg benannten Steg über den Landwehrkanal in Berlin angebracht, erinnert die Tafel daran, dass die Aktivistin nach ihrer Ermordung etwa hier ins Wasser geworfen wurde. Die Kamera sucht offenbar nach Spuren Rosa Luxemburgs in Berlin oder zumindest nach Motiven, die zu Passagen aus Rosa Luxemburgs Briefen passen, die wiederum von einer Stimme aus dem Off vorgelesen werden. Briefe, die von der Natur handeln und von der Sehnsucht nach Freiheit. Der Zuschauer sieht den Film wie ein Beobachter am Fenster. Die Perspektive könnte sinnbildlich für Rosa Luxemburgs Gefühle im Gefängnis stehen, wo die Briefe unverkennbar entstanden sind. Und während die Leinwand schwarz wird, ist aus dem Off eine Beschreibung von Himmel und Wolken zu hören.

Rosa Luxemburg im Libanon

In einer Szene des Films werden die Briefpassagen auf Deutsch und auf Arabisch vorgelesen, mitunter sogar zeitgleich, während Hintergrundgeräusche aus einem arabischen Land zu hören sind. Ghassan Salhab, der libanesische Regisseur des Films, sagt, er wollte Rosa Luxemburg in sein Land holen, deshalb habe er diese Szene in Beirut gedreht und Teile der Briefe ins Arabische übersetzen lassen. Ob er den Geist Rosa Luxemburgs in der arabischen Welt verbreiten wollte? Ob der Film eine politische Botschaft habe? Das Wort „Botschaft“ lehnt Ghassan Salhab ab, er räumt jedoch ein, dass es im Film ums Kämpfen gehe, was ja thematisch durchaus zu den aktuellen Ereignissen in der Region passt. Folglich dürfen auch Anspielungen auf den palästinensischen Widerstand nicht fehlen. So ist beispielsweise in einer Szene ein palästinensisches Kampflied zu hören. „Das ist ein Teil meiner persönlichen Geschichte“, sagt der Regisseur.

Vielschichtige Bild- und Klangsprache

Mit diversen stilistischen Kunstgriffen hat Ghassan Salhab versucht, die Vielschichtigkeit des Kämpfens und die Vielschichtigkeit von Rosa Luxemburgs Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Mit der Methode, Briefe gleichzeitig vorlesen zu lassen, teilweise sogar in zwei verschiedenen Sprachen, plus Übersetzung in eine dritte, schießt er jedoch, meiner Ansicht nach, übers Ziel hinaus. Obwohl ich alle drei Sprachen beherrsche, fiel es mir in diesem Teil des Films schwer, mich auf den Inhalt der Briefe zu konzentrieren. Die bildliche Umsetzung der Vielschichtigkeit gelingt da schon wesentlich besser. Archivaufnahmen verschmelzen mit anderen Sequenzen, durch Überblendtechnik entstehen teilweise sehr gelungene Bildcollagen, abgerundet wird alles durch die entsprechende Hintergrundmusik.

So steigert sich der Rhythmus des Films Schritt für Schritt und gipfelt mit Einspielungen von lärmenden Klängen der libanesischen Formation Kinematik – auch das eine äußerst treffliche Wahl.

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