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Berlinale-Blogger 2019
Talking About Trees – Film belebt die Geschichte des sudanesischen Kinos wieder

Talking about trees von Suhaib Gasmelbari
© Agat Films & Cie

Dieser Film gab mir das Gefühl, einen ganz besonderen Moment zu erleben. Ich möchte hier versuchen zu erklären, was diesen Film so außerordentlich bemerkenswert macht und hoffe, dass diese wenigen Zeilen dafür ausreichen werden, dem sudanesischen Regisseur Suhaib Gasmelbari und seinen Hauptdarstellern gerecht zu werden.

Von Noha Abdelrassoul

Dieser Film gab mir das Gefühl, einen ganz besonderen Moment zu erleben. Ich möchte hier versuchen zu erklären, was diesen Film so außerordentlich bemerkenswert macht und hoffe, dass diese wenigen Zeilen dafür ausreichen werden, dem sudanesischen Regisseur Suhaib Gasmelbari und seinen Hauptdarstellern gerecht zu werden.

Der Dokumentarfilm „Talking About Trees“ handelt von den vier sudanesischen Regisseuren Altayeb Mahdi, Manar Al Hilo, Ibrahim Shadad und Suleiman Mohamed Ibrahim, welche eine 45-jährige Freundschaft miteinander verbindet. In den 60er und 70er Jahren studierten Sie an Filmschulen in Ägypten, Deutschland und Russland bevor sie in den Sudan zurückkehrten. Sie träumten davon, die Kultur des Filmeschauens und Filmeschaffens in Ihrer Heimat zu verbreiten und gründeten im Jahr 1989 den Sudanesischen Filmclub. 30 Jahre später, nach Jahren der Trennung, des Exils, Filmverboten und der Schließung von Kinosälen, treffen sich die vier Regisseure wieder. Sie wünschen sich, in ihrer von Rebellionen zerstörten Heimat ihren Traum von damals zu verwirklichen, und planen die Wiedereröffnung eines verlassenen Kinos. Die Schwierigkeiten, die es zu meistern gilt, nehmen sie mit Humor. So klettert in einer Szene einer der Regisseure auf eine riesige Leiter, um die Leinwand für die Vorführung zu putzen, während seine Freunde scherzend die „moderne Technologie“ kommentieren. Wie würde man in dieser Situation in Deutschland verfahren? Man hätte wohl einen automatischen Kran zur Verfügung, der einen in Sekundenschnelle zur oberen Kante der Leinwand befördern würde.

Drei Demokratien, drei Diktaturen und unerfüllte Träume

Auf ihrer Suche nach einem geeigneten Vorführungsort betreten die vier viele geschlossene Kinosäle und inspizieren altes Equipment. Dabei sprechen sie recht humorvoll über die Vergangenheit. Sie holen ihr altes Material hervor, Vorlesungsunterlagen aus Studententagen, Fotos der Abschiedsfeier in Moskau und sie sprechen über ihre Träume, welche unerfüllt geblieben sind. Wir erfahren mehr über die Biografien der Freunde, mal durch alte Briefe, die sie wiederfinden und sich einander vorlesen, mal durch alte Filmclips, die in Deutschland aufgehoben und restauriert wurden, und die in diesem Jahr auf der Berlinale zu sehen waren.

Die Dialoge der Regisseure sind außerordentlich unterhaltsam, viele Momente sind von Humor geprägt, zeugen aber auch von der Intimität ihrer Freundschaft. So fragt der eine: „Wie können wir einen Film in einem Open-Air Kino zeigen, welches von sechs Moscheelautsprechern umgeben ist, aus denen immer wieder der Gebetsruf erschallt? Wie haben wir eigentlich früher Filme geschaut?“ Die Antwort der anderen lautet: „Früher gab es nicht so viele Moscheen. Und die, die es gab, hatten keine Lautsprecher.“

Derweil sind die Regisseure schockiert von der Unnachgiebigkeit der Behörden, auf deren Einverständnis sie warten, um mit den Filmvorführungen beginnen zu können. Einer von ihnen zitiert in diesem Kontext Bertold Brecht: „Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist. Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

Die Leinwand flatterte wie ein Segel im Wind

Suhaib Gasmelbari erzählt, wie er die Idee zu dem Film hatte: „Der Sudanesische Filmclub organisierte Vorführungen im Dorf, und während des ersten Films, den ich mir ansah, kam ein Sandsturm auf. Ich sah zu, wie sie versuchten, die Leinwand mit ihren Händen festzuhalten, mit all ihrer Kraft! Und ich sah zu, wie die Zuschauer ruhig auf ihren Plätzen sitzen blieben um den Film zu Ende zu schauen, obwohl die Leinwand wild flatterte wie ein Segel im Wind, sodass die Projektion zwischendurch nicht mehr auf der Leinwand, sondern daneben war. In jenem Moment wusste ich, dass ich diesen Film produzieren wollte.“
 
 
Der Film „Talking About Trees“ lief in der Sektion Panorama der Berlinale und wurde mit dem Glashütte Original – Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet.

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