„Shubbak El Fann“ Ort der Partizipation

Shubbak El Fann Bühne
Shubbak El Fann Bühne | Foto: © Hassan Emad

Der Publikumsandrang war groß. Gäste aller Altersgruppen wohnten den drei Aufführungen junger ägyptischer Künstlerinnen und Künstler im Goethe-Institut bei, die den Auftakt der ersten Edition von „Shubbak El Fann“ bildeten.

„Die Aufführungen umfassen verschiedene Kunstformen wie Musik, Theater, zeitgenössischen Tanz, Filme und literarische Lesungen“, erklärt Ashraf Qanawi, Berater der „Aga Khan Music Initiative“ und Jurymitglied im Projekt „Shubbak El Fann“. Dabei weist er darauf hin, dass es das Ziel des Projekts sei, mit dem Veranstaltungssaal des Goethe-Instituts Kairo jungen Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunstkollektiven einen neuen Ort zu bieten, um ihre Arbeit einem breiten Publikum zu präsentieren

Partizipation

„Shubbak El Fann“, eine Initiative des Goethe-Instituts Kairo, basiert auf dem Grundsatz der Partizipation. Die Künstlerinnen und Künstler gestalten mit ihren Performances einen Teil des Kulturprogramms des Goethe-Instituts, im Gegenzug stellt dieses seinen Veranstaltungssaal zu Verfügung, unterstützt die ausgewählten Projekte und bewirbt die Veranstaltungen. Eine unabhängige Jury, deren Mitglieder alle sechs Monate wechseln, sichtet die Bewerbungen und stellt das künstlerische Programm zusammen.
 
Drei Wochen lang arbeiteten die Jurymitglieder der ersten Edition von „Shubbak El Fann“, Karima Mansour, Choreografin und Lehrerin für zeitgenössischen Tanz, Ashraf Qanawi von der „Aga Khan Music Initiative“ und der Autor Hossam Hilali, an der Auswahl der teilnehmenden Projekte. „Wir haben 84 Bewerbungen von Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunstkollektiven erhalten, die an dem Projekt teilnehmen wollten“, so Karima Mansour. Sie erklärt weiterhin, dass die Auswahl auf gewissen Kriterien beruhe: die Idee muss hervorstechen, aber auch zu den Gegebenheiten des Veranstaltungssaals des Goethe-Instituts passen.
 

Musik

Den Auftakt bildete ein Konzert der Band „Qarar Ezala“, während dessen sie einige ihrer bekanntesten Hits spielten und die Veröffentlichung ihres ersten Studioalbums „Door Mal’oub“ bekanntgaben. Die Band aus Alexandria spielt „Oriental Progressive Rock“ - eine Mischung aus Rockmusik und orientalischen Melodien.

„Qarar Ezala“, das sind  Yassen Mahgob (Gesang), Mohamed Allam (Schlagzeug), Ahmed Hamdi und Omar Adel (Gitarre) sowie Mina Awny (Keyboard). Mit ihren Liedern möchten die Fünf falschen gesellschaftlichen Haltungen und Vorstellungen, wie Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber den Freiheiten des Anderen, entgegenwirken.

Shubbak El Fann_Launch Shubbak El Fann_Launch | Foto: © Roger Anis Mohammed Nofal, Manager der Band, erzählt: „Als ich die Ausschreibung für „Shubbak El Fann“ gesehen habe, dachte ich sofort, dass dies eine großartige Chance ist, uns einem größeren Publikum in Kairo vorzustellen.“ Er fügt hinzu, dass es immer weniger Orte in Alexandria und Kairo gibt, an denen solche Aufführungen noch möglich sind. „Wenn man innerhalb einer Reihe verschiedener Performances auftritt, hat man ein breiter gefächertes Publikum. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, unser neues Album im Rahmen von „Shubbak El Fann“ zu veröffentlichen“, berichtet Yassen Mahgob, der Sänger der Band.
 

Tanz und Film

Es gibt viele Filme über künstlerische Performances, doch mit „Schschsch“, über den Umgang mit dem Körper, schuf die Regisseurin und Choreografin für zeitgenössischen Tanz, Shaimaa Shokri, ein ganz neues Filmerlebnis.

„Ich liebe es, Bild und Bewegung miteinander zu vermischen. Die Kamera und der Körper, und die Betrachtung der Interaktion der beiden im Raum zwischen ihnen“, erklärt Shaimaa Shokri und fügt hinzu, dass ihr Film eines von insgesamt drei Videos ist, die im Rahmen einer künstlerischen Zusammenarbeit mit der Gruppe von „Dance Works Rotterdam“ entstanden sind.

In ihrer Arbeit setzt Shaimaa darauf, den Tänzer/-innen Raum zu geben, ihre Emotionen im Rahmen der leitenden Idee, die im Zentrum der Arbeit steht, frei auszudrücken.

Und sie fügt hinzu: „Die Kernidee des Videos dreht sich um die Bedeutung von „Obszönität“. Als Frau aus einem arabischen Land ist dieses Wort in meinen Vorstellungen und meinen Traditionen mit dem Körper und mit Sex verbunden. Aber die wahre Bedeutung des Wortes hat, meiner Meinung nach, mit Gewalt zu tun. Ob verbal oder physisch, die Gewalt ist die abscheulichste Form der „Obszönität“.“
 

Literarische Lesung

Ein Auszug aus dem Roman „Misk Al-Tal“ der Autorin Sahar al-Mougy: „Die Sonne war bereits untergegangen, als Catherine aus ihrer Besprechung kam und nach Hause ging. Sie fühlte sich verloren. Als wäre sie ein Stern, der von seiner Laufbahn abgekommen ist und in Richtung Erde fällt. Ein Stern, der keine Kontrolle über seinen Sturz hat, und nicht weiß, wo er aufprallen wird.“
 
  • Shubbak El Fann_Launch Foto: © Roger Anis
    Shubbak El Fann_Launch
  • Shubbak El Fann_Launch Foto: © Roger Anis
    Shubbak El Fann_Launch
  • Shubbak El Fann_Launch Foto: © Roger Anis
    Shubbak El Fann_Launch
  • Shubbak El Fann_Launch Foto:© Roger Anis
    Shubbak El Fann_Launch
  • Shubbak El Fann_Launch Foto: © Roger Anis
    Shubbak El Fann_Launch
Rania Zahra, Rasha Nashaat, Samar Ali, Afaf Al-Sayyid und Omar Sameh, allesamt Mitglieder der Gruppe „Doum Lil-Heki“, präsentierten im Rahmen einer Lesung fünf ausgewählte Passagen des Romans „Misk Al-Tal“.

Der Roman handelt von einigen Frauen, die unterschiedlichen Zeiten entstammen. Sie sind die Helden anderer literarischer Werke: Amina, aus der Trilogie von Naguib Mahfouz und Catherine, die Heldin des Romans „Sturmhöhe“ von Emily Brontë. In ihrem Roman kreiert Sahar Al-Mougiz alternative Schicksale für die Heldinnen. Die Mitglieder von „Doum Lil-Heki“ verweisen darauf, dass literarische Lesungen in Europa und Amerika etablierte Veranstaltungen sind, in Ägypten und der arabischen Welt diese Kunstform jedoch neu sei. Die Idee basiert darauf, dass Passagen aus literarischen Werken auf einer Bühne, in einer Bibliothek oder im öffentlichen Raum vorgetragen werden.

Vor vier Jahren nahm die Gruppe „Doum Lil-Heki“ ihre literarischen Aktivitäten auf. Unter der Leitung der Autorin Sahar Al-Mougiz bieten sie Erzählungen und Lesungen dar. Omar Sameh, Mitglied der Gruppe, merkt an: „Was „Shubbak El Fann“ insbesondere auszeichnet, ist die Diversität. Dass es Raum gibt für verschiedene künstlerische Performances. So lernt das Literaturpublikum neue Bands kennen, und das Musikpublikum bekommt Zugang zu anderen Kunstsparten. Und Schritt für Schritt entsteht eine breite kulturelle Bewegung.“
 

Networking und Zusammenarbeit

Zusätzlich zu den Kunstperformances verlost „Shubbak El Fann“ unter allen (zuvor kostenfrei verteilten) Tickets zwei Mitgliedschaften im „Room Art Space“. In den Räumlichkeiten des „Room Art Space“ in Garden City finden verschiedene Kunst- und Kulturveranstaltungen und Workshops statt.

Die Zusammenarbeit zwischen „Shubbak El Fann“ und dem „Room Art Space“ zielt darauf ab, unabhängige Räume für Kunst und künstlerische Initiativen stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, und sie dadurch zu unterstützen. Die Besucher von „Shubbak El Fann“ sollen dazu ermutigt werden, auch andere neue Orte der Kunst und Kultur in Kairo zu entdecken.
 
Weitere Veranstaltungen im Rahmen von „Shubbak El Fann“ werden am 17./18. November sowie am 1./2. Dezember 2017 stattfinden. Bewerbungen für die zweite Episode von „Shubbak El Fann werden ab Januar 2018 möglich sein.