Quasi alternativlos
E-Book-Plattform „Kotobi“

E-book vs. book
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Mit „Kotobi“ gab Vodafone 2014 sein Debüt auf dem arabischen E-Book-Markt und löste damit allgemeinen Optimismus aus, dass das führende Telekommunikationsunternehmen auch in diesem Marktsegment den Durchbruch in der arabischen Welt schaffen würde. „Kotobi“ gewann in der Kategorie „Wissenschaft“ als beste ägyptische App im ALECSO-Wettbewerb für arabische Smartphone-Apps. Der Wettbewerb wird von der „Arab League Educational Cultural and Scientific Organization” (ALESCO) durchgeführt.

​Das Magazin Deutschland und Ägypten sprach mit Herrn Alaa Zaher, Leiter der Abteilung Strategie und Entwicklung bei Vodafone Ägypten.

Alaa Zaher, Leiter der Abteilung Strategie und Entwicklung bei Vodafone Ägypten © Alaa zaher / Vodafone Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des ALESCO-Preises für arabische Smartphone-Apps in der Kategorie „Wissenschaft“, was bedeutet dieser Gewinn für Sie?

„Wir haben uns sehr über diesen Gewinn gefreut, der das Ergebnis zwei Jahre langer Anstrengungen unseres Teams ist. Nur mit kontinuierlicher Arbeit und Durchhaltevermögen konnten wir diesen Beitrag für die Welt des Wissens und der Kultur leisten. Der Preis ist eine Anerkennung der Arbeit des Teams aber da er von der Arabischen Liga verliehen wurde, spiegelt er auch die Bedeutung unserer Arbeit für die arabische Welt wieder.“

Kehren wir zurück zu den Anfängen. Weshalb hat Vodafone, ein Telekommunikationsunternehmen, überhaupt begonnen in den Wissenssektor zu investieren? 

Die Entwicklungsabteilung bei Vodafone ist darauf spezialisiert digitale Lösungen für lokale Probleme zu finden, diese müssen nicht notwendigerweise dem Bereich der Telekommunikation entstammen. Mit unseren Innovationen sehen wir uns als Technologie-, nicht als Telekommunikationsunternehmen.

Als wir uns den arabischen Buchmarkt näher anschauten, bemerkten wir ein großes Vakuum das mit Hilfe von Technologie gefüllt werden kann. Wir haben uns sehr gewundert, als wir herausfanden, dass es zwar bereits seit 2007 einen Markt für digitale Bücher gibt, nur nicht in der arabischen Welt. Daraufhin beschlossen wir uns dieser Aufgabe anzunehmen.“

Welche Hürden musste „Kotobi“ zur Markteinführung überwinden und welche Herausforderungen gilt es jetzt noch zu meistern?

„Es gab technische Probleme bei der Anpassung diverser Standards digitaler Bücher in lateinischer Schrift, denn die arabischen Schriftzeichen wurden bei diesen Standards nicht mitgedacht. Die Abstimmung fürs Arabische war mitunter schwierig.

Außerdem mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten den Herausgebern klar zu machen, dass wir ernsthaft versuchen einen Markt für E-Books zu schaffen. Doch die größte Herausforderung für uns ist nach wie vor unser angestrebtes Wachstumsziel für den E-Book-Markt. Dies werden wir allerdings erst erreichen, wenn die Preise für E-Books so weit fallen, dass sie für die Leser attraktiv sind.“

In welcher Größenordnung bewegt sich Ihrer Meinung nach die Verbreitung arabischer Inhalte weltweit? Oder wollen Sie sich nur auf den ägyptischen Markt konzentrieren?

„Unser Ziel ist es, die ganze Welt zu bedienen und tatsächlich haben wir sehr viele Kunden außerhalb Ägyptens. Allerdings geht dieser Kundenkreis über unsere aktuelle Initiative hinaus. Wegen der schwachen externen Distribution gibt es aber quasi keine Alternative, im März dieses Jahres hatten wir weltweit über 520.000 Nutzer.“  

Aus welchen arabischen und nicht arabischen Ländern werden auf Ihrer Webseite die meisten Bücher bestellt?

„Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait. Unter den nicht arabischen Ländern belegen die USA den ersten Platz.“

Welche Literaturgenres werden bei Ihnen am meisten nachgefragt?

„Hauptsächlich verkaufen wir Romane, insbesondere weil wir stets die Neuerscheinungen dieses Genres anbieten. Die Herausgeber haben mittlerweile ein hohes Interesse daran bei „Kotobi“ vertreten sein, dies ist einer unserer größten Erfolge.“

Denken Sie, dass es möglich ist, dass wir eines Tages aufwachen und den amerikanischen Riesen Amazon als Konkurrent auf dem arabischen Markt vorfinden? Haben Sie für dieses Szenario Vorkehrungen getroffen?

„Konkurrenz ist etwas ganz natürliches, Google hat bereits vor einigen Monaten den Markt betreten und vielleicht wird auch Amazon folgen. Doch darüber mache ich mir keine Sorgen, Wettbewerb ist gesund und ich glaube, dass wir durch unsere Beziehungen zu den Herausgebern einen Wettbewerbsvorteil haben. Außerdem können unsere Kunden über die Telefonverbindung bezahlen. Dies ist gerade in Ägypten ein großer Vorteil, wo die Zahlung per Kreditkarte nicht sehr verbreitet ist.“

Herr Alaa, spüren Sie den Wettbewerb auf dem arabischen E-Book-Markt oder sind sie allein auf weiter Flur?

„Ich denke, dass wir den ersten ernsthaften Schritt auf dem arabischen E-Book-Markt unternommen haben. Wir wussten, dass vor uns andere probiert haben E-Book-Plattformen zu etablieren und damit gescheitert sind. Daher schlug uns seitens der Herausgeber viel Pessimismus entgegen als wir beschlossen den Versuch zu wagen.

Ich denke, dass unser Erfolg andere motivieren wird ähnliche Projekte zu starten. Wir begrüßen diese Entwicklung denn Wettbewerb ist immer gut, er belebt den Markt.“

Herr Alaa, in Ihrer Statusleiste bei Whats App ist zu lesen: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“ Welche Veränderung wünschen Sie sich für den elektronischen Buchmarkt?

„Wir wünschen uns von den Herausgebern mehr Mut bei der Preispolitik für E-Books, unserer Meinung nach ist dies die einzige Möglichkeit E-Piraterie einzudämmen.“ 

Das letzte Buch, das Sie gelesen haben, war dies ein gedrucktes oder ein elektronisches Buch?

„Das war definitiv ein E-Book. Ich glaube, ich habe schon vor langer Zeit aufgehört gedruckte Bücher zu lesen, seitdem ich Erfindung des E-Books entdeckt habe.“

Logo e-book © Alaa zaher / Vodafone