„anders als sonst” Kreative Wege zur Wiederverwendung von Abfällen

Projekt
Projekt "Anders als sonst" / Goethe-Institut Kairo | Foto: © Hassan Emad

Was wissen wir über Abfall? Wie schadet er der Umwelt? Wie können wir ihn recyclen? All diese Fragen wurden „anders als sonst“ bei einem dreitägigen Workshop besprochen, den das gleichnamige Projekt (Anders als sonst – Out of the Ordinary) in Zusammenarbeit mit den „Makouk“-Spielexperten auf die Beine gestellt hatte.


Projekt Projekt "Anders als sonst" | Foto: © Hassan Emad Die 18 Teilnehmer, die in unterschiedlichen ägyptischen Provinzen in den Bereichen Bildung und Umwelt tätig sind, lernten dabei unter Anleitung der beiden Spieledesigner Ali Azmi und Yousof Elkadi, wie man Spiele mit Spaß- und Lerneffekt entwerfen kann, die auf kreative und unkonventionelle Weise das Umweltbewusstsein fördern.


Spaß und Umweltbewusstsein


Yousof Elkadi Spieledesigner Yousof Elkadi Spieledesigner | Foto: © Hassan Emad „Spiele lösen zwar nicht direkt Probleme, aber während des Spielens betreten die Spieler geistiges und emotionales Neuland. Durch diese praktische Erfahrung erwerben sie auf indirektem Weg neue Fertigkeiten und Kenntnisse“, sagt Yousof Elkadi, während er den Workshopteilnehmern über die Schulter schaut, die gerade mit rauchenden Köpfen am Entwurf ihres Spiels sitzen.

Kaum eine andere Tätigkeit stimuliert, laut Yousof Elkadi,  die Sinne so sehr wie das Spielen – vorausgesetzt, man hat Spaß dabei. Deshalb halten sich bei einem guten Spiel Lern- und Spaßeffekt die Waage: „Wir haben versucht, während des dreitägigen Workshops immer wieder die richtige Mischung zwischen didaktischem Nutzen und Unterhaltung im Auge zu behalten. Am ersten Tag wurde zunächst versucht, zu klären, was die Begriffe ,Spiel‘ und ,Spaß‘ überhaupt bedeuten, wobei wir uns gefragt haben, wie sich beides mit dem Thema ,Umwelt‘ unter einen Hut bringen lässt. Am zweiten Tag haben wir dann begonnen, zu spielen und Spielkonzepte zu entwickeln. Am dritten Tag haben die Teilnehmer schließlich selbst in mehreren Teams ein Umwelt-Spiel entworfen.“ 

Projekt Projekt "Anders als sonst" | Foto: © Hassan Emad Bei Spielen unterscheide man ganz allgemein, je nach Ausführung, zwischen den elektronischen Spielen und den klassischen Brett- bzw. Kartenspielen, erklärt Yousof Elkadi. Beim Workshop mussten sich die Teilnehmer ein Spiel mit Materialien ausdenken, die in unserer Umwelt vorkommen. Programm- und Lernspieldesigner Ali Azmi ergänzt, dass beim Entwerfen eines Spiels Ehrgeiz, Konzentration und Ausdauer eine elementare Rolle spielen, damit sich die Spieler später nicht langweilen.

Gruppenarbeit

Mustafa Khafagy, Workshopteilnehmer und Absolvent des Programms für zivilgesellschaftliche Bildung des Goethe-Instituts, arbeitete während des Workshops in einem Team, dessen Spielentwurf auf dem Recyclinggedanken aufbaut. Es gebe dabei, so Mustafa, verschiedene Levels. Auf jedem Level sammeln die Spieler Punkte, indem sie Recyclingprodukte kreieren. Wer als Erster hundert Punkte gesammelt hat ist Sieger.

Projekt Projekt "Anders als sonst" | Foto: © Hassan Emad Das Spiel ist nicht sehr aufwendig gestaltet. Es besteht lediglich aus Spielkarten, Farbstiften, einer kleinen Platte sowie ein paar Abfällen, die man in der Umwelt finden kann. Mustafa erklärt, dass die Spieler lernen sollen, wie man nützliche Dinge aus Abfall herstellen kann, zum Beispiel Stoffbeutel und Papiertüten, um auf Plastiktüten verzichten zu können, oder einen Tisch aus leeren Kunststoffflaschen.

Um gewinnen zu können, muss man allerdings mit den Mitspielern kooperieren und sich mit ihnen vernetzen. Auf diese Weise lernt man, wie wichtig diese beiden Fähigkeiten seien. Mustafa erzählt, dass er durch seine Teilnahme am Workshop die verschiedensten Leute, Initiativen und Projekte aus dem Umweltbereich kennengelernt habe. Es sei auch zu einer Vernetzung der diversen Initiativen gekommen.

Die Elefanteninsel

Omar Ahmad und Fatima Refaat - Projekt Omar Ahmad und Fatima Refaat - Projekt "Anders als sonst" | Foto: © Hassan Emad Der Medizinstudent Omar Ahmad aus Ismailia und seine Teamkollegin Fatima Refaat, die in Kairo mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, haben sich mit anderen Workshopteilnehmern das Spiel „Die Elefanteninsel“ ausgedacht. Trotz des völlig verschiedenen Berufs- und Ausbildungshintergrundes war bei beiden, neben ihrem Interesse für die Umwelt und den Erhalt natürlicher Ressourcen, ihre Leidenschaft für die ehrenamtliche Arbeit der Anlass, beim „Anders als sonst“-Projekt mitzumachen.

Fatima Refaat - Projekt Fatima Refaat - Projekt "Anders als sonst" | Foto: © Hassan Emad Bei ihrer Arbeit mit Kindern seien Spiele und andere kreative Methoden der Wissensvermittlung unverzichtbar, erklärt Fatima: „Das Thema Umwelt ist immens wichtig, aber meistens wird es in Form kompakter, komplizierter Informationen und Statistiken abgehandelt. Mit einem relativ einfachen Spiel, das sowohl Kinder als auch Erwachsene spielen können, lassen sich diese Informationen leichter erschließen. Umweltbewusstsein im Alltag wird dadurch irgendwann etwas ganz Selbstverständliches. Das Spiel kann man nämlich überall hin mitnehmen – nach Hause, in die Schule und in die Ferien.“

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Marina Adel, „Anders als sonst“-Projektkoordinatorin, erzählt, dass das Projekt seit 2016 existiere und auf dem „Future Perfect“-Projekt aufbaue. Ziel sei es, die Leute noch stärker dafür zu sensibilisieren, welche Recyclingmöglichkeiten es für welche Materialien tatsächlich gibt.

Marina Adel, „Anders als sonst“-Projektkoordinatorin Marina Adel, „Anders als sonst“-Projektkoordinatorin | Foto: © Hassan Emad Auch die Frage, wie das Projekt eigentlich zu seinem Namen kam, kann Marina Adel beantworten: „Wir versuchen kreative und unkonventionelle Ideen für die Nutzung von Abfällen als Rohstoffe vorzustellen. Außerdem wollen wir neue Wege beschreiten, damit das Umweltbewusstsein fester Bestandteil des täglichen Lebens wird. Deshalb wollen wir auch am Ende des Spiele-Workshops sechs Teilnehmer auswählen. Sie sollen dann ein Spiel zum Thema Umwelt professionell entwerfen und gestalten, das man käuflich erwerben kann.“