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Die 68. Berlinale- Eine Zeit des Wandels

Berlinale 2010
Berlinale 2010 | © Jan Windszus

Die Eröffnung der 68. Berlinale rückt näher und zusammen mit tausenden anderen Festivalliebhabern warte ich auf den Beginn der Festspiele. Was werden die Rufe nach Wandel bringen, die schon seit Monaten immer lauter wurden? Insbesondere, nachdem 79 der wichtigsten deutschen Filmproduzenten in einer gemeinsamen Erklärung einen Neuanfang forderten, durch den Berlin auf Augenhöhe mit Cannes und Venedig geführt werden soll, den zwei wichtigsten europäischen Festivals, welche die bedeutendsten Regisseure der Welt anziehen.

Von Ahmed Shawqi

Insbesondere, nachdem 79 der wichtigsten deutschen Filmproduzenten in einer gemeinsamen Erklärung einen Neuanfang forderten, durch den Berlin auf Augenhöhe mit Cannes und Venedig geführt werden soll, den zwei wichtigsten europäischen Festivals, welche die bedeutendsten Regisseure der Welt anziehen.

Prominente wie Fatih Akin, Volker Schlöndorff, Maren Ade und Christian Petzold äußerten ihren Unmut über die Ausrichtung der Berlinale durch deren Leiter Dieter Kosslick. Dieser kündigte daraufhin an, seine Amtszeit, die nach der Berlinale 2019 endet, nicht zu verlängern. 18 Festivals werden dann unter seiner Leitung in der Zeit von 2002-2019 stattgefunden haben, die 70. Berlinale wird unter neuer Leitung und mit neuer Philosophie stattfinden.

Die Kehrseite der Medaille

Die Unterzeichner der Erklärung genießen natürlich Meinungsfreiheit, und es stimmt, dass die Anzahl hochkarätiger Regisseure in Berlin geringer ist als in Cannes oder Venedig. Doch dafür, so meine Meinung, war Kosslicks Festivalausrichtung sehr einflussreich für Filmemacher, Journalisten und Studenten aus benachteiligten Ländern: der Dritten Welt, dem Nahen Osten und Afrika, und sie ist nach wie vor von großer Bedeutung.
 
Im Verlauf des 21. Jahrhunderts entwickelte sich die Berlinale zu einem Treffpunkt für junge Professionelle und neue Talente. Für Regisseure, für deren Filme jeden Genres und jeder Länge das Festival einen Platz in seinem vielfältigen Programm hatte, für Journalisten, welche in der Berichterstattung über die Arbeiten ihrer jeweiligen Länder der Bedeutung des Festivals nachkamen, und auch für Studenten, welche die Tage des Festivals in Berlin verbrachten um Filme anzuschauen und an den Aktivitäten teilzunehmen.

Berlinale Talents 2017 Talente in Aktion/ World Building Workshop, Berlinale Talents 2017 | © David Ausserhofer Tausende junger Talente haben an den „Berlinale Talents“ teilgenommen und einige Filme erblickten das Licht der Welt dank eines Stipendiums der Robert Bosch Stiftung, welches am Rande des Festival vergeben wurde. Kurz: Für vielversprechende Talente aus der Dritten Welt hatte sich die Berlinale zum wichtigsten Filmfestival entwickelt.

Wie geht es weiter?

Selbstverständlich ist es kaum vorstellbar, dass sich die Berlinale gänzlich von ihrer Verpflichtung den Filmen aus weniger entwickelten Ländern gegenüber abwendet. Dennoch gibt es Stimmen, die von einem spürbaren Wandel in der Filmauswahl des Festivals sprechen: Zum ersten Mal treten vier Filme deutscher Regisseure im Wettbewerb an (ob dies zufriedenstellend ist?), und die Zahl der neuen arabischen Filme, die es ins Programm geschafft haben, ist auf zwölf gesunken. Dabei waren es seit dem Arabischen Frühling stets um die zwanzig.
 
Es ist noch zu früh, um über die Veränderungen zu spekulieren, die da kommen werden. Nur eines ist sicher: Die Berlinale steht an einem wichtigen Wendepunkt ihrer Geschichte.