Mini-Cairo 2018 Film-Stadt der Kinder

Mini Kairo 2018
Foto: © Hassan Emad

Unter dem Motto „Mini-Cairo – Filmstadt der Kinder“ hat sich das Studio Nassibian Theater der El-Nahda Association for Scientific and Cultural Renaissance Jesuit Cairo in eine Miniaturfilmstadt für Kinder verwandelt, mit zahlreichen Studios und Schauspiel-, Kamera-, Maskenbildner-, Zeichentrick-, Kostümbildner- und anderen Workshops.

Von Eslam Anwar

Vorbild für das bereits zum zweiten Mal in Kairo durchgeführte Projekt ist die Spielstadt „Mini-München“, die alle zwei Jahre in der bayerischen Landeshauptstadt für Kinder und Jugendliche organisiert wird.

Die Heranwachsenden können dort auf entspannt-spielerische Art lernen, wie Verwaltung und Kommunalpolitik funktionieren, und sich Anregungen für ihr gesellschaftliches Engagement holen. Auf diese  Weise soll ein Gefühl für Werte wie Freiheit, friedliches Zusammenleben und kulturelle Vielfalt entstehen.

​VON MÜNCHEN NACH KAIRO

Mariam Abd Al-Rahman, Leiterin des „Mini-Cairo“-Projekts, erklärt, dass die Idee von der Spielstadt, in der Kinder sich um alles kümmern, 1979 in München entstanden und später in vielen Städten auf der ganzen Welt aufgegriffen worden sei. Vor drei Jahren, so Mariam Abd Al-Rahman weiter, waren ​Animationskünstler, die ihre Ausbildung an der Animation School in Kairo absolviert hatten, nach München eingeladen worden und hatten dort unter anderem die Spielstadt „Mini-München“ besucht. Nach diesem Besuch sei der Vorschlag gemacht worden, eine Spielstadt auch in Kairo, und zwar in Form einer Miniatur-Filmstadt aufzuziehen, in der Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren nicht nur ihre künstlerischen und sozialen Fähigkeiten ausbauen, sondern auch sämtliche Spezialgebiete der Filmbranche kennenlernen können. Die Organisatoren des Münchner Projekts haben auf diesen Vorschlag begeistert reagiert und sofort ihre Unterstützung bei der Umsetzung angeboten.

Mariam Abd Al-Rahman, Leiterin des „Mini-Cairo“-Projekts Mariam Abd Al-Rahman, Leiterin des „Mini-Cairo“-Projekts | Foto: © Hassan Emad Mariam Abd Al-Rahman trägt ein Namensschild mit der geheimnisvollen Aufschrift „Rätselschlüssel“. Lachend erzählt sie die Entstehungsgeschichte: „Wir versuchen den Kindern dauernd zu vermitteln, dass die Stadt ihnen gehört und die Rolle der Erwachsenen sich darauf beschränkt, die Kinder bei Bedarf zu unterstützen. Nun tragen diese Erwachsenen – Künstler, Workshopleiter, ehrenamtliche Helfer – alle Namensschilder. Ich wollte irgendwie nicht, dass bei mir etwas wie ,Leiterin‘ oder so draufsteht. Deshalb haben wir nach einem originellen Namen gesucht, der mich zu einem Teil der Kinderwelt werden lässt. Und dabei kam dann ‚Rätselschlüssel‘ heraus.“

Entscheidungsfreiheit 

Am Projekt „Mini-Cairo“ fällt vor allem auf, dass die Kinder sehr viel Freiraum erhalten, um neue Welten zu entdecken, die sie selbst gestalten können. In ihrer Stadt können sie sich völlig frei bewegen. Sie wählen die Workshops so, wie es ihnen passt erscheint, ohne dass ihnen jemand Vorschriften dabei macht. Indirekt lernen sie dabei Demokratie als Methode kennen, ihr Leben und ihre Aktivitäten in der Spielstadt zu organisieren, indem sie sich morgens mit den Workshopleiterinnen und -leitern zusammensetzen, um Vorschläge zu diskutieren und die Aktivitäten vom Vortag zu bewerten.
 
  • „Mini-Cairo“-Projekt Foto: © Hassan Emad
  • „Mini-Cairo“-Projekt Foto: © Hassan Emad
  • „Mini-Cairo“-Projekt Foto: © Hassan Emad
  • „Mini-Cairo“-Projekt Foto: © Hassan Emad
  • „Mini-Cairo“-Projekt Foto: © Hassan Emad
  • „Mini-Cairo“-Projekt Foto: © Hassan Emad
  • „Mini-Cairo“-Projekt Foto: © Hassan Emad
Außerdem haben die Kinder die Möglichkeit, auf dem Radiosender der Stadt ihre Meinung kundzutun, Musikwünsche zu äußern und das Programm mitzugestalten. Auch die Tageszeitung „Mini-Cairo“ wird von den Kindern selbst verfasst, illustriert, gedruckt und veröffentlicht. Für ihre Teilnahme an den Workshops erhalten die Kinder ein Honorar in einer eigenen Spielstadt-Währung. Damit können sie im Restaurant der Spielstadt Essen und Trinken kaufen.

Am dritten Tag kam es in der Spielstadt wegen einer Preiserhöhung zu einer Protestkundgebung. Der zwölfjährige Steven, einer der Anführer, hat im Presseworkshop einen Artikel über das Problem verfasst. Es folgten Gespräche mit den Leitern. Und schließlich wurden die Preise wieder gesenkt. Für den Artikel hat Steven eine Sonderprämie erhalten.

Kultureller Austausch

Zoë Schmederer,  Hansi Posterei, Katharina Grüneisl, Michael Wlaschitz und andere Künstler aus Österreich und Deutschland haben dieses Jahr am „Mini-Kairo“-Projekt mitgewirkt.

Hansi Posterei, der den Kulissen-Workshop geleitet hat, erzählt: „Die Kinder in Kairo haben mich miteinbezogen, indem sie mich ein paar Entwürfe machen ließen. Das war in München anders, da war ich nur der Leiter. Wir arbeiten hier auch mit für mich ungewohnten Materialien. Das spornt mich an, nach neuen Wegen und Lösungen zu suchen.“

Über die Sprachbarriere und die Kommunikation mit den Kindern sagt Zoë Schmederer, Leiterin des Filmemacher-Workshops: „Ich habe immer versucht, eine meiner Arbeiten heranzuziehen, um den Kindern zu erklären, was ich mir vorstelle. Die Kinder sind extrem schlau. ‚Mini-Cairo‘ hat mir gezeigt, wie ich mich besser nonverbal ausdrücken kann. Sich nicht nur durch Worte, sondern auch durch Körpersprache und andere visuelle Mittel zu artikulieren, ist ja für Künstler enorm wichtig.“

„Phantasie“, so Zoë Schmederer weiter, „ist fürs Filmemachen unabdingbar. Kinder haben nicht nur verblüffend viel Phantasie, sie können diese Phantasie auch teilweise ganz real einsetzen. Von den Kindern habe ich übrigens auch ein paar Brocken Arabisch gelernt.“