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Ein Interview mit Adolf El Assal
Ungeplanter Stopp in Luxemburg

 „Sawah“
© Sawah

Dein Film handelt von Samir, einem ägyptischen DJ, der auf dem Weg zu einer riesigen Party in Brüssel ist. Allerdings landet er ungeplant in Luxemburg, von dem er nie zuvor etwas gehört hat. Hier verliert er seine Papiere und gerät von einer komischen Situation in die nächste. Währenddessen bricht auch noch die Revolution in Ägypten aus.  Hier schlägt der Film die Brücke zum Thema Flüchtlinge, denn in Luxemburg denkt man nun, Samir sei als Flüchtling ins Land gekommen. 

Von Noha Abdelrassoul

Noha Abdelrassoul führte mit dem Reggiseur das Interview während der Berlinale.

Wie kam dir die Idee zu dieser Geschichte?

Ich habe im Filme viele persönliche Erlebnisse verarbeitet. Vielleicht klingen sie komisch, aber sie sind wirklich passiert. Wir lebten früher mit meinem Vater und meiner Mutter in den Emiraten. Dann vor 30 Jahren unternahmen wir eine Reise nach Europa. Doch statt in Brüssel, in Belgien, anzukommen, verirrten wir uns nach Luxemburg, über das ich nichts wusste. Meine Mutter verliebte sich in die Weinberge und Natur dort. An der Grenze von Luxemburg nach Deutschland überredete sie meinen Vater, dort zu bleiben und ein neues Leben zu beginnen. Die beiden ließen alles zurück, sogar ihre Jobs als Ärztin und Apotheker. Wir fingen also wieder bei null an. Der Protagonist meines Films ist DJ, wie ich damals mit 17, bevor ich zum Film ging. Mein Vater konnte mein Interesse für die Kunst erst überhaupt nicht verstehen – aber jetzt spielt er eine Rolle in meinem Film! Wir sind zusammen nach Kairo gereist und filmten dort die Apotheken-Szene in genau derselben Apotheke in Neu-Kairo, in der er damals vor seiner Auswanderung aus Ägypten gearbeitet hatte. Mein Vater hat auch eine Rolle in einem weiteren Film bekommen. Das heißt, er ist jetzt mit 68 Jahren Schauspieler.
 


 Wie lief die Wahl der Schauspieler ab, besonders der ägyptischen?
 
Wir reisten nach Ägypten, haben lange gesucht und schauten uns mehr als nur einen Schauspieler samt seiner Erfahrungen an. Unsere Bedingung war, dass derjenige Englischkenntnisse mitbringt. Außerdem suchte ich einen Schauspieler, der in Ägypten bekannt war, aber auch bei einem europäischen Publikum gut ankommen würde. Karim Kassem war für die Rolle passend und durch ihn lernten wir Mahmoud Ellisy und Khaled Mansour kennen. Sarrah Abdelrahman spielt die Rolle der Freundin von Samir, die in Ägypten auf ihn wartet.
 
Wie kam es zur Koproduktion mit Belgien?
 
Ich wollte bekannte Schauspieler aus Belgien miteinbeziehen, wie Mourade Zeguendi, ein Belgier mit marokkanischen Wurzeln, und Jean-Luc Couchard. Ich hatte sie mir in den Rollen schon während ich das Drehbuch schrieb vorgestellt. Am Anfang wollten sie nicht mit mir arbeiten, weil sie mich nicht kannten. Dann rief ich sie nach einigen Jahren noch einmal an, sie lasen das Drehbuch und wollten unbedingt beim Film mitmachen. Auch mein Name, „Adolf El Assal“, hinterlässt bei den meisten Menschen einen merkwürdigen Eindruck…
 
Welche Geschichte steckt denn eigentlich hinter deinem Namen? Wie bist du zu dem Namen „Adolf“ gekommen, der ja in Europa mittlerweile fast ausgestorben ist?
 
Das ist auch eine komische Geschichte… Bei meiner Geburt rettete mir ein italienischer Arzt, der in Ägypten arbeitete, das Leben und der hieß Adolf. Also haben meine Eltern beschlossen, mir diesen Namen zu geben. Damals war die Geschichte des Namens in Ägypten nicht bekannt. Als ich die luxemburgische Staatsbürgerschaft erhielt, hatte ich die Möglichkeit ihn zu ändern, aber ich sagte zu dem Beamten: Ich werde für diesen Namen eine neue Geschichte schreiben, an die sich die Menschen erinnern werden.
 
Du wurdest in Alexandria geboren, hast aber nie in Ägypten gelebt. Was verbindet dich bis heute mit Ägypten?
 
Ich sehe dort in Ägypten junge Menschen, die die Energie für Veränderung und Aufbau haben, und das gefällt mir. In meinem Film wollte ich einen Charakter zeigen, der anders als die arabischen Figuren ist, die man für gewöhnlich in westlichen Filmen sieht, aber gleichzeitig auch wirklich und real; ein Charakter, der den vielen gebildeten und erfolgreichen jungen Menschen, mit denen ich in Ägypten arbeite, ähnlich ist. Genauso wollte ich auch ein anderes Bild von Luxemburg und seinen Einwohnern vermitteln, welches über die Klischees von Geld, Banken und Reichtum hinausgeht.
 
Der Film wird im Rahmen des European Film Market der Berlinale gezeigt. Der offizielle Kinostart ist im März in Luxemburg und kurz darauf in Ägypten.

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