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Cairo Short Stories 2019
junge Talente auf der Suche nach sich selbst und der optimalen Kurzgeschichte

Cairo Short Stories 2019
Foto: © Ali zaraay

Warum schreibt man? Was kann man tun, wenn einem die Ideen ausgehen? Wie kann man eine Schreibblockade in den Griff kriegen? Jeder, der Kurzgeschichten schreibt, kennt solche Fragen. Seit vier Jahren gibt deshalb das Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit der KfW Stiftung jungen Talenten aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika die Gelegenheit, bei einer Schreibwerkstatt nach Antworten zu suchen. Unter der Bezeichnung Cairo Short Stories 2019 fand die Schreibwerkstatt dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge in Kairo statt.

Von Mona Abd Al-Nasser

Der Workshop in der ägyptischen Hauptstadt, sagt Organisatorin Lobna Diab vom dortigen Goethe-Institut, richtet sich an begabte Autorinnen und Autoren im Alter zwischen 20 und 40, die in Ägypten leben und in ihrer Muttersprache Arabisch schreiben. Angeleitet durch den ägyptischen Autor Wagdy El Komy, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden im April und Mai nicht nur ihre Kurzgeschichten ausarbeiten und gemeinsam besprechen, sondern auch ihre Fertigkeiten in den Bereichen Textredaktion, Übersetzung und Publizistik ausbauen.

Aus den 12 Kurzgeschichten, die in der Schreibwerkstatt entstanden sind, sucht anschließend eine Jury die besten aus. Diese Gewinner-Stories sollen dann zunächst im Original und später auch auf Englisch und Deutsch veröffentlicht werden, so Lobna Diab weiter.

An dem Workshop können nicht nur erfahrene Autorinnen und Autoren teilnehmen, die teilweise sogar schon Texte veröffentlicht haben, sondern auch Neulinge, die womöglich erst vor Kurzem ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt haben. Das verleiht der Schreibwerkstatt eine ganz besondere Atmosphäre, zumal die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ganz verschiedenen Alters- und Berufsgruppen angehören.

„Schreiben war für mich bisher immer nur etwas Vorübergehendes“, erzählt der 24jährige Ahmed Essam am Ende des Workshops, „doch jetzt, nachdem ich gelernt habe, wie ich mich beim Schreiben auf das Wesentliche beschränke, hat sich meine Einstellung zum Schreiben geändert.“ Obwohl der junge Pharmazeut derzeit in einem Pharmaunternehmen angestellt ist, würde er keinen Augenblick zögern, sein heiß geliebtes Hobby zum Beruf zu machen, damit sein lang gehegter ًWunsch in Erfüllung gehen und das Lesepublikum etwas aus seiner Feder in den Händen halten kann.

Ahmed ist nicht der einzige, dessen Einstellung zu den eigenen Texten während des Workshops einen Wandel durchlaufen hat. Die 22jährige Hanaa Atteya aus der Provinz al-Mansoura im Nildelta ist Übersetzerin und leidenschaftliche Hobbyautorin. Über Twitter hatte sie vor einem Jahr durch eine Freundin vom Cairo Short Stories-Projekt erfahren und seitdem regelrecht auf die Ankündigung des diesjährigen Workshops gelauert. Zusammen mit befreundeten Autorinnen aus der Deltaprovinz bewarb sie sich mit einer von ihr verfassten Kurzgeschichte und hatte das Glück, als einzige aus diesem Kreis teilnehmen zu dürfen.

Hanaa ist froh darüber, dass die Schreibwerkstatt von einem Autor geleitet wird, der ihre persönlichen Probleme beim Schreiben und die damit verbundenen Fragen aus eigener Erfahrung kennt. „Vor dem Workshop wäre ich nie auf die Idee gekommen, etwas von mir zu veröffentlichen“, erzählt die junge Frau, „doch jetzt will ich mich umgehend dahinterklemmen, dass etwas von mir in einer Zeitschrift oder auf einer Webseite im Netz erscheint. Wenn das klappt, würde ich mich anschließend ernsthaft auf die Suche nach einem Verleger machen, der Texte von mir druckt.“

Auch die 33jährige Basma Nagy aus Oberägypten hat festgestellt, dass sie jetzt völlig anders über das Schreiben und Besprechen von Texten denkt als vor dem Workshop. Auch sie hatte ursprünglich keinen Gedanken ans Veröffentlichen verschwendet, sondern nur aus Spaß an der Freude geschrieben. Spaß war auch ihr Motiv gewesen, die Arbeit als Apothekerin aufzugeben und stattdessen Literaturübersetzerin zu werden. Jetzt will sie intensiv nach Möglichkeiten suchen, die von ihr geschriebenen Kurzgeschichten zu veröffentlichen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bezeichnen den Workshop als große Bereicherung, weil der Workshopleiter, der gleich alt wie sie ist und sogar jünger als manche von ihnen, all ihre Probleme selbst kennt und deshalb gut nachvollziehen kann. Und obwohl sich diesbezügliche Fragen der einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ähneln, so hatte doch jeder andere Lösungsansätze und Antworten. Genau deswegen seien die Diskussionen auch immer sehr inspirierend, bestätigt Wagdy El Komy und sagt, auch er habe von dieser Vielfalt profitiert – schließlich ist das Schreiben ja ebenso vielfältig wie das Leben selbst.

Nach Wagdy El Komys Ansicht hätten viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gute Ideen und kreative Lösungsvorschläge bei Schreibblockaden beigesteuert. Er hofft, dass sie alle weiterhin schreiben und auch dranbleiben, um vielleicht eines Tages etwas zu veröffentlichen. Denn der Wunsch, das Publikum zu erreichen, sollte der Hauptantrieb eines jeden Schriftstellers sein.

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