Berlinale-Blogger 2017 „Wir müssen Realisten sein ohne dabei das Träumen aufzugeben“

Mahmoud Sabbagh
Mahmoud Sabbagh | Foto: Ahmed Shawky

Während der 66. Berlinale war der Film „Barakah Meets Barakah" der erste saudi-arabische Film überhaupt, der auf der Berlinale gezeigt wurde. Ein Jahr später sitzt der Regisseur des Filmes, Mahmoud Sabbagh, in der Jury für den besten Erstlingsfilm auf der 67. Berlinale.  Eine schnelle Erfolgsgeschichte, über die er uns im Interview berichtete.

Vor einem Jahr waren Sie außerhalb der arabischen Kinokreise unbekannt. Jetzt sind Sie Jury-Mitglied auf dem größten Festival und Ihr Film wird überall gezeigt. Wie Sehen Sie diesen schnellen Erfolg?

Sie machen mir ein großes Kompliment, ich war vor einem Jahr nicht mal in Kinokreisen bekannt. Ich habe versucht, mich selbst weiter zu entwickeln und mich präzise für meinen ersten Film vorzubereiten. Ich habe außerhalb der bekannten arabischen Filmkreise gearbeitet, zumal Saudi-Arabien ein mehr als junges Land im Filmbereich ist. Initiativen gehen bei uns alle von Einzelpersonen aus, es gibt keine staatliche, private oder gesellschaftliche Institution, die sich dem Filmschaffen widmet. Daher was es meine Wahl und gleichzeitig mein Schicksal, alleine zu arbeiten.

Mit Barakah Meets Barakah wollte ich einen Film machen, der von meiner Generation erzählt. Er beinhaltet viel Eigenes, wenn es um die Darstellung der Realität der Generation geht. Ich habe versucht, ihn mit frischen Elementen auszustatten und habe ihn  mit der Berlinale vor Augen vollendet. Ich habe den Film eingereicht und die Annahme erreichte mich, ohne dass ich auch nur irgendjemanden innerhalb des Festivals kannte. Ja, ich kannte noch nicht einmal die Spielregeln der Festivals. Ich sagte mir, dass eine gute Arbeit auf ihren Urheber zurückfällt. Ob Sie es glauben oder nicht, das ist wirklich passiert. Ich hatte keine Medienmaschinerie oder ein besonderes Budget für Marketing.

Die Story des Films und die Tatsache, dass er der erste auf der Berlinale gezeigte saudi-arabische Film war, haben ein Momentum erzeugt. Das ist der Vorzug der großen Festivals. Sie bieten Dir ein Podium um mit einem Film in Bezug auf Distribution und Medien zu starten und für den Start einer professionellen Karriere als Regisseur.

Wie sieht es mit Ihrer Beziehung zur Berlinale aus?

Ich hatte von Anfang an geplant, den Film bei der Berlinale einzureichen, weil es das angesagteste und erfolgreichste Festival ist. Es hat eine progressive Leitung, ein offenes Ohr für neue Stimmen und Offenheit gegenüber internationalen Filmen sowie gegenüber politischen und alternativen Filmen.

Der fortdauernde Kontakt zur Berlinale nachdem der Film gezeigt wurde hat mich sehr gefreut. Die Berlinale war auf dem Morelia Film Festival in Mexiko vertreten, unter zwölf Filmen wurde der Film dort gezeigt. Danach bot mir Dieter Kosslick, der Festivaldirektor, die Mitarbeit am Wettbewerb für den besten Erstlingsfilm an und ich willigte sofort ein. Denn was gibt es schöneres als Mitglied der Berlinale-Familie zu werden. Dass ich jetzt Jury-Mitglied in Berlin bin ist sehr anregend. Ich mache neue Erfahrungen, die mir bei der Gestaltung meines nächsten Filmes helfen.

Wird er auch in Saudi-Arabien spielen?

Ich denke, dass in diesem Geheimnis meine Stärke liegt und dass ich an diesem Punkt empfindlich bin. Die saudi-arabische Gesellschaft hat das Unglück keine Filmkunst zu besitzen, über die sie sich ausdrücken kann. Das ist unsere Rolle und unsere Aufgabe als Filmschaffende, von diesem Ort aus alternative Erzählungen an die Welt zu schicken.

Morgen sprechen Sie mit den Teilnehmern am Programm Berlinale Talents, was werden Sie all den jungen Filmschaffenden aus Ihrer Erfahrung heraus mitteilen?

Du musst einen Traum haben, dann suchst du nach den notwendigen Mitteln, ihn umzusetzen. In unserem Leben ganz allgemein müssen wir Realisten sein ohne dabei das Träumen aufzugeben.