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Berlinale Blogger 2018 Fotbal infinit – Fußball als Allegorie

 Infinite Football
© Corneliu Porumboiu

Nichts lieben die Ägypter so sehr, nichts beschäftigt sie so sehr, nichts beeinflusst ihre Tages-, Wochen- und Monatsplanung so sehr wie … Fußball! Das Thema Politik mag vielleicht nach Ausbruch der Revolution vom 25. Januar 2011 eine Weile lang dominiert haben. 

Von Ahmed Shawki

Aber die ständigen Umstürze hingen den meisten Ägyptern recht schnell zum Halse heraus, und man wandte sich lieber wieder den sportlichen Rivalitäten auf dem Fußballrasen zu, spätestens nachdem es der ägyptischen Nationalelf zum ersten Mal nach 28 Jahren gelungen war, sich wieder für eine WM zu qualifizieren.

Umso befremdlicher, dass der Fußball im ägyptischen Film, abgesehen von ein paar Komödien, überhaupt nicht zu existieren scheint. Regisseure wollen die Massen erreichen – und ignorieren ein kulturelles Massenphänomen. Corneliu Porumboiu, der seit seinem Kultfilm 12:08 East of Bucharest zu den Mitbegründern des auf ganz Osteuropa ausstrahlenden Neuen Rumänischen Kinos zählt, zeigt mit Fotbal infinit, wie man es besser machen kann.

In seinem neuen Dokumentarfilm, der momentan auf der Berlinale in der Sektion Forum zu sehen ist, beweist der rumänische Regisseur, dass er erkannt hat, welche zentrale Rolle der Fußball im Leben der Rumänen spielt. Oberflächlich gesehen greift er dabei eine Fußballstory aus dem Freundeskreis auf. Doch dahinter steckt viel mehr.

Infinite Football © Corneliu Porumboiu

Der Traum vom Wandel

Laurențiu Ginghină, ein alter Freund von Porumboiu, musste verletzungsbedingt mit dem Fußball aufhören. In Gedanken beschäftigt ihn das Thema freilich nach wie vor. Wie könnte man das Spiel noch schneller und noch attraktiver machen? Wie wäre es, anstatt auf einem rechteckigen auf einem achteckigen Feld zu spielen, und zwar mit zwei Mannschaften, die aus je zwei Mannschaftsteilen bestehen, die ihre jeweilige Spielfeldhälfte nicht verlassen dürften? Allerhand verrückte oder zumindest hochgradig innovative Einfälle.

Ginghină plant, verwirft, plant neu. Und mit jedem neuen Entwurf, mit jeder neuen Idee erhält der Film eine neue Qualität, bis es irgendwann gar nicht mehr nur um Fußball geht, sondern vor allem um Wandel. Es ist die Philosophie des Wandels, die der Mann bei seinen Projekten – und in seinem Leben ganz allgemein – so trefflich zu vermitteln vermag: Nicht umsonst haben die alten Überlieferungen der Heiligen Schriften die Idee des Wandels verdammt, sollten sie doch die Idee der Stagnation auf ewig zementieren.

Kino, das ankommt

Der Wandel, ob zum Besseren oder nicht, sei also an sich schon positiv, so die Botschaft des Films. Man mag von dieser Botschaft halten, was man will – unstrittig dürfte sein, dass die Idee genial ist, sich des kulturellen Massenphänomens Fußball und einer Persönlichkeit aus dem Fußballmilieu zu bedienen, um dem Kinopublikum interessante Denkweisen näherzubringen.

Regisseure aus dem arabischsprachigen Raum sollten sich überlegen, ob sie den Fußball tatsächlich weiterhin ignorieren wollen, anstatt ihn als thematischen Hintergrund zu nutzen, um das Publikum besser erreichen zu können. Denn genau das mag vielen ernsten arabischen Filmen nicht so recht gelingen.

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