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Berlinale Blogger 2018 „Jahilya“ von Hisham Lasri – der Regisseur als bildender Künstler

Jahylia
© La Prod, Jahylia

Der marokkanische Regisseur Hisham Lasri ist ein Phänomen in der arabischen Filmszene, das eine nähere Betrachtung verdient. Erstens ist kein anderer arabischer Regisseur so aktiv wie er. Seit 2011 hat er bei sechs längeren Spielfilmen und einem Kurzfilm Regie geführt. Das kann wohl kein anderer Regisseur weltweit von sich behaupten. 

Von Ahmed Shawky

Seit 2015 war er jedes Jahr mit einem neuen Film auf der Berlinale vertreten. Außerdem zeigte er vor zwei Monaten auf dem Internationalen Filmfestival in Dubai seinen neuen Kurzfilm. Das bedeutet drei internationale Premieren innerhalb eines Jahres.

Zweitens scheint sich Hisham Lasri nicht groß darum zu kümmern, was Publikum und Kritiker von seinen Filmen halten. Auf den großen Festivals trifft man ihn nur selten, auf der diesjährigen Berlinale gar nicht. Dass ein Regisseur bei der internationalen Premiere seines Films, noch dazu auf der Berlinale, fehlt, kommt auch nicht alle Tage vor. Hisham Lasris Markenzeichen ist seine enorme Produktivität. Sobald ein Film fertig ist, beginnt er mit dem nächsten.

Die dritte Besonderheit an Hisham Lasri sind seine Filme selbst. Sie zeichnen sich durch politische und kulturelle Anspielungen aus, aber auch durch die gelungene Verknüpfung von Erzählung und Bild. Als Inspirationsquelle dient Hisham Lasri dabei das Marokko von gestern und von heute, doch fließt dieser an sich monumentale Stoff, wie bei allen großartigen Filmen, nahezu unbemerkt in die Handlung mit ein.

Für wen macht Hisham Lasri seine Filme?

Jeder Künstler hat natürlich das Recht auf einen eigenen Arbeitsstil und einen eigenen Rhythmus, solange sich das irgendwie finanzieren lässt. Doch wenn ich den Werdegang von Hisham Lasri anschaue, stellt sich mir immer wieder die Frage, für wen dieser begabte junge Mann eigentlich seine Filme macht? In der Regel bringt ein Regisseur durch seine Filme seine Meinung in den öffentlichen Diskurs ein. Die entsprechenden Reaktionen beeinflussen ihn dann bei seiner weiteren Arbeit.

Hicham Lasri © Hicham Lasri
Nicht so bei Hisham Lasri. Wie schon gesagt: Er macht sich auf Festivals rar und diskutiert auch nicht über seine Filme. Anstatt sich Gedanken über das soeben beendete Projekt zu machen, stürzt er sich in das nächste. Das erinnert an einen Maler, der, von einer Idee getrieben, ein Bild nach dem anderen malt, bis schließlich eine Unmenge an Kunstwerken existiert, die man dann als Sequenz oder als Phase im Leben des Künstlers betrachten kann.

Die „Hundephase“

Somit könnte man über das Phänomen Hisham Lasri sagen, er mache gerade eine dieser Phasen durch – nennen wir sie die „Hundephase“, in Anlehnung an die Bezeichnung „Hundetrilogie“, die der Regisseur seinen drei Filmen They Are the Dogs, Starve Your Dog und Jahilya selbst gab.

Jahylia © La Prod, Jahylia Ich würde sogar sagen, dass auch die beiden Filme The Sea is Behind und Headbang Lullaby der „Hundephase“ zugeordnet werden können, weil alle fünf Filme vom Verhältnis zwischen Obrigkeit und Bürger in Marokko handeln und weil alle fünf Filme surrealistische Züge aufweisen, wenn auch in unterschiedlichem Maße.

Kurz und gut: Hicham Lasri ist ein Phänomen, das wir wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt begreifen werden, wenn der junge talentierte Regisseur mit Abschluss dieser Phase sich und uns eine kleine Pause zum Analysieren gönnt.

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