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Frauen- und Genderprojekte
Für mehr Mut

Geschlechterdiskriminierung und Intoleranz offen anzusprechen, kann Frauen das Selbstvertrauen geben, den Status quo in Ägypten infrage zu stellen.
Goethe-Institut Kairo / Roger Anis

Geschlechterdiskriminierung ist ein weitverbreitetes Problem in Ägypten. Doch Workshops stellen mit neuen Ansätzen überkommene Rollenbilder infrage.

Hoda Kandils Entscheidung, ihr Pharmaziestudium in Mansoura im Nildelta aufzugeben, um eine Karriere als Psychologin in Kairo zu verfolgen, wurde von ihrer Familie nicht gut aufgenommen. Eine allzu übliche Geschichte in einem Land, in dem von Frauen immer noch oft erwartet wird, dass sie ihre Prioritäten auf den Haushalt und das Kinderkriegen legen. Kandil hat drei Jahre gebraucht, um ihre Familie davon zu überzeugen, sie wegziehen und finanziell unabhängig leben zu lassen.

In der ägyptischen Hauptstadt begann sie, im Bereich Rehabilitation von Gewaltopfern zu arbeiten. Im Fokus ihrer Arbeit standen Frauen mit begrenztem Zugang zu Rechtshilfe und psychologischer Beratung. Sie nahm auch an einem Workshop des Goethe-Instituts über Bildungsarbeit teil. Sofort sah sie darin eine neue Chance, ihre Arbeit zu Gender-Themen mit den Techniken des Workshops fortzuführen. "Die Schulung war ganz anders als alles, was ich vorher gemacht hatte. Anstatt uns bloß Informationen zu liefern, haben sich die Ausbilderinnen und Ausbilder auf Techniken konzentriert", sagt sie. "Dabei entdeckt man nach und nach, wie wichtig der Prozess ist."

Die Bewerberinnen und Bewerber werden danach ausgesucht, ob sie bereits in ihren Gemeinschaften aktiv sind, damit die Workshop-Absolventinnen und -Absolventen selbst eigene Trainingsprogramme durchführen können, entweder über das Goethe-Institut oder eigenständig.
 
Kandil arbeitet nun als selbstständige Trainerin und leitet Workshops zu Gender-Identität in Oberägypten – eine der traditionellsten und konservativsten Regionen in einem Land, in dem Mädchen nach der Grundschule oft aus der Schule genommen werden und zu Hause bleiben müssen. Einen Beruf zu ergreifen ist für sie schwer – laut einer Studie des US-Forschungszentrums "Population Council" aus dem Jahr 2016 ist es für Frauen in ländlichen Regionen 17 Mal unwahrscheinlicher, einen Job zu bekommen, als für Männer. Kandil konzipiert ihre Workshops so, dass die Teilnehmenden aufgefordert werden, den Einfluss, den Gender-Vorstellungen auf das Alltagsleben haben, zu reflektieren und sich diesen zu stellen. "Zunächst wirken diese Ideen vielleicht befremdlich", sagt Kandil, "aber sobald die Teilnehmenden begreifen, dass Gender alles betrifft, wie wir essen und trinken, wie wir uns kleiden, dann spielt es für ihr Leben plötzlich eine wichtigere Rolle."

Die Soziologiestudentin Romaissa Saadany von der Al-Minya-Universität hat diese Herausforderungen am eigenen Leib erlebt. "Eine Frau wird in Oberägypten als Last gesehen – ein Gast im Hause ihres Vaters. Und es wird davon ausgegangen, dass sie früher oder später zu ihrem Mann zieht", erzählt Romaissa. "In Oberägypten sehen die Menschen ein Mädchen eben nur als das. Dieser Enge entkommt man nicht. Und ich habe gelernt, dass diese einschränkende Betrachtung an und für sich eine Form von Gewalt ist."

Romaissa sagt, dass der Gender-Workshop, an dem sie im Oktober 2016 mit Kandil teilnahm, sich anfühlte, als ob sie "einen Faden in eine Nadel einfädeln" würde. Er hat ihr die Kraft gegeben, die Ordnung in ihrem Leben von Grund auf zu verändern. Romaissa bewarb sich auf eine Stelle als Vertreterin im ägyptischen "Nationalen Frauenrat" – mit Erfolg. "Ich hätte nie den Mut gehabt, diesen Schritt zu gehen, wenn ich nicht an dem Workshop teilgenommen hätte", sagt sie.

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