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Frauen- und Genderprojekte
Im Theaterspiel Rollenmuster aufbrechen

Lehrgang: Im Theaterspiel Rollenmuster aufbrechen
Goethe-Institut Kairo / Roger Anis

Sondos Shabayek und Shady Abdalla sind 2016 und 2017 quer durch Ägypten gereist, um mit ihren Workshops Schülerinnen und Schüler für Gender-Themen und Stereotypen zu sensibilisieren. Mithilfe eines theaterpädagogischen Ansatzes wollte das ägyptische Trainerteam dabei Vorurteile abbauen und Klischees hinterfragen.

Das Konzept erfreut sich nicht nur bei Schülerinnen und Schülern, sondern auch bei Lehr- und Erziehungskräften wachsender Beliebtheit. Inzwischen sind so viele Workshops geplant, dass Sondos Shabayek und Shady Abdalla, die teilweise bis zu zwei Termine täglich zu bestreiten hatten, es nicht mehr alleine schaffen. Um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden, haben die Verantwortlichen des Genderprogramms beschlossen, Workshopleiterinnen und Workshopleiter als Multiplikatoren für dieses Konzept auszubilden, so Shady Abdalla.

Sondos Shabayek und Shady Abdalla Goethe-Institut Kairo / Roger Anis Am 4. Mai 2017 war es dann so weit: Das Trainerteam Sondos Shabayek und Shady Abdalla kam ins Goethe-Institut Kairo, um elf Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen ägyptischen Provinzen während eines viertägigen Lehrgangs beizubringen, wie sie Kinder und Jugendliche im Rahmen des „Dialog und Wandel“-Programms durch szenisches Spiel für Rollenmuster und Genderfragen sensibilisieren können. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten bereits Erfahrung mit Jugend-Workshops. Alle waren mit der Genderthematik vertraut und zudem in Bereichen tätig, die direkt oder indirekt mit Jugendarbeit zusammenhängen.

Erfahrung weitergeben

„Es ist unbedingt erforderlich, dass Erfahrung im Bereich soziale und geschlechtsspezifische Rollenmuster weitergegeben wird, damit andere davon profitieren und sich weiterentwickeln können. Sonst macht irgendwann jeder nur noch sein eigenes Ding“, sagt die Autorin, Theaterregisseurin und künstlerische Leiterin des BuSSy-Projekts Sondos Shabayek. Das dürfte, ihrer Ansicht nach, auch der Grund für das große Interesse an dem Lehrgang im Goethe-Institut gewesen sein. Denn sie und ihr Kollege Shady Abdalla hatten angekündigt, die Erkenntnisse aus ihrer zweijährigen Workshop-Praxis an die Multiplikatoren weitergeben zu wollen.

Workshop Goethe-Institut Kairo / Roger Anis „Der gesellschaftliche Druck in Ägypten ist immens“, erklärt Sondos Shabayek weiter, „und erhöht sich noch zusätzlich durch entsprechende Rollenmuster, die die Kinder von klein auf verfolgen, und zwar auf Schritt und Tritt. Freiräume, in denen über solche Themen gesprochen oder auch nur nachgedacht werden kann, existieren weder im Elternhaus noch in der Schule oder bei irgendwelchen Freizeitaktivitäten.“

Workshop: Challenging the norm Goethe-Institut Kairo / Roger Anis Sondos Shabayek glaubt deshalb, dass dieses Problem nicht allein durch Aufklärung, in Debatten oder mit anderen herkömmlichen Methoden zu lösen sei. Man müsse vielmehr Freiräume schaffen, in denen ein Kind seine Gedanken artikulieren und hinterfragen, aber auch Themen ansprechen kann, die im „normalen“ gesellschaftlichen Umfeld nicht zur Sprache kommen. Es bestand also die Notwendigkeit, ein Workshop-Konzept zu entwickeln, das verschiedenen Kriterien gerecht werden soll: Es soll den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, beim Theaterspiel auf andere einzugehen, Rollenmuster im nächsten Verwandten- und Bekanntenkreis kritisch zu betrachten und eventuell auftauchende Fragen mit den Workshopleitenden vorurteilsfrei zu erörtern, ohne selbst in irgendeine Schublade gesteckt zu werden.

Rettungsring

Shady Abdalla, Theaterregisseur und Geschäftsführer des auf ökologische Lehrkonzepte spezialisierten Sozialunternehmens Greenish, teilt die Ansicht seiner Kollegin: Kinder haben viele Fragen, trauen sich aber oft nicht, darüber zu sprechen oder auch nur nachzudenken, weil sie nicht aus der Reihe tanzen möchten. Wenn ihnen ein Workshop vermitteln könne, dass sie sich bei ihren Entscheidungen von ihrem eigenen Gefühl und nicht primär von den Erwartungen anderer leiten lassen sollen, dann wäre das wie ein Rettungsring. Denn so würden sie erkennen, dass ihre Bedürfnisse gar nicht so ungewöhnlich sind, dass es Möglichkeiten gibt, sich zu entfalten, und dass zum Beispiel auch Jungs weinen oder Mädchen davon träumen dürfen, Astronautin zu werden. Und was noch viel wichtiger sei: Auf diese Weise lernen die Kinder zu akzeptieren, dass eben auch die anderen anders sind als sie selbst.

Eigene Workshops planen

Beim Training-of-Trainers-Workshop im Goethe-Institut brachten Sondos Shabayek und Shady Abdalla den Teilnehmenden bei, wie sie nicht nur ihre eigenen Workshops planen, sondern auch mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten der Kinder und Jugendlichen in ihren Workshops umgehen können. Während der einzelnen Unterrichtseinheiten des Lehrgangs versuchten die Teilnehmenden, sich in die Lage der jungen Menschen zu versetzen. In Gruppen erarbeiteten sie typische Alltagssituationen, die Kinder und Jugendliche in ihrer Sicht auf andere prägen, um zu klären, wie sie als zukünftige Workshopleiterinnen und Workshopleiter intervenieren und so den Heranwachsenden helfen können, aus traditionellen Denkmustern auszubrechen und diverse Phänomene zu hinterfragen: Warum wird zum Beispiel geduldet, dass Männer immer den Rest der Familie zu Hause warten lassen? Warum wird Gewalt gegen Frauen toleriert? Warum werden alleinstehende Frauen schief angesehen, alleinstehende Männer jedoch nicht? Am letzten Tag des Trainings gab es eine Art Generalprobe für die bevorstehenden Workshops, die dann zunächst zwei Monate lang unter der Aufsicht des Trainerduos stattfinden sollen.

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