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Sara Younes
Imaginary friend

Imaginary friend
(Fantasiefreund)
 
Biografie:
 
Sara Younes ist eine in Italien geborene Dokumentarfotografin, die zwischen Alexandria und Kairo arbeitet und lebt. Seit ihrem Bachelorabschluss im Fach Medien an der Philosophischen Fakultät der Beirut Arab University arbeitet sie als Fotojournalistin für verschiedene ägyptische Nachrichtenseiten, unter anderem Al-Badil.
Sie war Mitglied der Gruppe „Lichtspiel“ und nahm am Programm zur Talentförderung des Roznama Studios (Kairo) teil. Ihre Arbeiten wurden in Ausstellungen in Kairo, Dubai und London gezeigt.
Durch ihre Themen reflektiert sie Handlungen des täglichen Lebens als Live-Auftritte, in denen Kulturen und Erfahrungen, in ihrem Streben sich Gehör zu verschaffen, dokumentiert werden. Sie beschäftigt sich außerdem mit Verkörperung als etwas, das maßgeblich die Wahrnehmungen all dessen, was körperlos ist, lenkt. Sie experimentiert mit verschiedenen Methoden visueller Recherche und integriert diese in ihren Fotografien.

 
Projektbeschreibung:
 

  • Dieses Bild wurde am 15. März, als ich zum letzten Mal das Haus verließ, aufgenommen. Ich liebe es mit meinem Handy Fotos zu machen und die Gedanken, die mir in diesem Moment durch den Kopf gehen, als Notizen darunter beizufügen. Das ist meine Art, meine Gedanken aufzuzeichnen. ©Goethe-Institut
    Dieses Bild wurde am 15. März, als ich zum letzten Mal das Haus verließ, aufgenommen. Ich liebe es mit meinem Handy Fotos zu machen und die Gedanken, die mir in diesem Moment durch den Kopf gehen, als Notizen darunter beizufügen. Das ist meine Art, meine Gedanken aufzuzeichnen.
  • Es sind ungefähr drei Wochen vergangen, seitdem ich zuletzt draußen war. Die meiste Zeit habe ich damit verbracht, Filme und Serien zu schauen und Bücher zu lesen. Das heißt, ich starre fast 17 Stunden täglich auf einen Bildschirm, sei es mein Laptop, Handy, oder Fernseher. Meine Augen sind völlig erschöpft und jede Lichtquelle ist irritierend. ©Goethe-Institut
    Es sind ungefähr drei Wochen vergangen, seitdem ich zuletzt draußen war. Die meiste Zeit habe ich damit verbracht, Filme und Serien zu schauen und Bücher zu lesen. Das heißt, ich starre fast 17 Stunden täglich auf einen Bildschirm, sei es mein Laptop, Handy, oder Fernseher. Meine Augen sind völlig erschöpft und jede Lichtquelle ist irritierend.
  • Der Gedanke, derzeit in irgendein Krankenhaus oder eine Praxis zu gehen, ist mir unbehaglich, weil ich Angst vor einer Infektion habe. Deshalb habe ich mir aus der Apotheke Augentropfen, die mir mein Arzt vor mehr als zwei Jahren verschrieben hat, bestellt. Tatsächlich wurde es ein bisschen besser, aber es ist nach wie vor notwendig, weniger Stunden vor dem Bildschirm zu verbringen. ©Goethe-Institut
    Der Gedanke, derzeit in irgendein Krankenhaus oder eine Praxis zu gehen, ist mir unbehaglich, weil ich Angst vor einer Infektion habe. Deshalb habe ich mir aus der Apotheke Augentropfen, die mir mein Arzt vor mehr als zwei Jahren verschrieben hat, bestellt. Tatsächlich wurde es ein bisschen besser, aber es ist nach wie vor notwendig, weniger Stunden vor dem Bildschirm zu verbringen.
  • Zwei weise Menschen: Corona nicht einatmen (links), Corona nicht anfassen (rechts). ©Goethe-Institut
    Zwei weise Menschen: Corona nicht einatmen (links), Corona nicht anfassen (rechts).
  • Ich habe als Jugendliche angefangen, die Wand über meinem Bett vollzuschreiben. Ich habe Songtexte, Filmdialoge, Gedichte, meine Meinungen zu damaligen Ereignissen sowie Daten, die ich meinte, nie vergessen zu dürfen, aufgeschrieben. In letzter Zeit empfand ich diese Wand wie ein Gefängnis und ich habe oft nachgedacht, das Geschriebene zu löschen. Immer habe ich gezögert, aber jetzt muss ich mein Gedächtnis von einem Teil dieser Last erlösen. ©Goethe-Institut
    Ich habe als Jugendliche angefangen, die Wand über meinem Bett vollzuschreiben. Ich habe Songtexte, Filmdialoge, Gedichte, meine Meinungen zu damaligen Ereignissen sowie Daten, die ich meinte, nie vergessen zu dürfen, aufgeschrieben. In letzter Zeit empfand ich diese Wand wie ein Gefängnis und ich habe oft nachgedacht, das Geschriebene zu löschen. Immer habe ich gezögert, aber jetzt muss ich mein Gedächtnis von einem Teil dieser Last erlösen.
  • Ich habe einen Bruder und eine Schwester, die beide schon seit Jahren nicht mehr in Ägypten leben. Es ist fast unmöglich uns außerhalb eines Videochats zu treffen, was nicht einfach ist. Aber jetzt ist es für alle noch schwerer, besonders für Mama. Der Gedanke, dass wir während einer globalen Pandemie alle in verschiedenen Ländern sind, wird nie einfach sein. ©Goethe-Institut
    Ich habe einen Bruder und eine Schwester, die beide schon seit Jahren nicht mehr in Ägypten leben. Es ist fast unmöglich uns außerhalb eines Videochats zu treffen, was nicht einfach ist. Aber jetzt ist es für alle noch schwerer, besonders für Mama. Der Gedanke, dass wir während einer globalen Pandemie alle in verschiedenen Ländern sind, wird nie einfach sein.
  • Imaginary friend ©Goethe-Institut
  • Imaginary friend ©Goethe-Institut
  • Heute erfuhr ich, dass sich einige Familien eines Dorfes weigerten, eine Ärztin zu bestatten, weil sie Angst vor der Ausbreitung des Virus hatten. Der Vorfall erinnerte mich an eine ähnlichen Sache, die während der Cholera-Epidemie in einem anderen Dorf geschehen war. Dort ist eine Frau begraben worden und die Leute dachten, sie würde sie gegen die Epidemie beschützen. Interessant an beiden Vorfällen ist, dass dem toten Körper jeweils die Macht zu schützen oder Leid zuzufügen zugeschrieben wurde. ©Goethe-Institut
    Heute erfuhr ich, dass sich einige Familien eines Dorfes weigerten, eine Ärztin zu bestatten, weil sie Angst vor der Ausbreitung des Virus hatten. Der Vorfall erinnerte mich an eine ähnlichen Sache, die während der Cholera-Epidemie in einem anderen Dorf geschehen war. Dort ist eine Frau begraben worden und die Leute dachten, sie würde sie gegen die Epidemie beschützen. Interessant an beiden Vorfällen ist, dass dem toten Körper jeweils die Macht zu schützen oder Leid zuzufügen zugeschrieben wurde.
  • Dies ist ein Foto aus meinem privaten Fotoalbum mit einem alten Freund ein paar Jahre vor dem Ausbruch des Coronavirus, bevor zwischenmenschlicher Kontakt immer digitaler und körperliche Nähe allein lebensgefährlich wurde. Der Text auf dem Foto ist ein Auszug aus den Empfehlungen der WHO zur Coronavirus-Krankheit (COVID-19). ©Goethe-Institut
    Dies ist ein Foto aus meinem privaten Fotoalbum mit einem alten Freund ein paar Jahre vor dem Ausbruch des Coronavirus, bevor zwischenmenschlicher Kontakt immer digitaler und körperliche Nähe allein lebensgefährlich wurde. Der Text auf dem Foto ist ein Auszug aus den Empfehlungen der WHO zur Coronavirus-Krankheit (COVID-19).
In diesem Projekt betrachtet und dokumentiert Sara die Covid-19-Krise durch ihre persönliche Linse und mit einem Hauch Fantasie.
 
„Amichi und ich… wir leben seit Beginn der Isolationsphase zusammen. Amichi, weder Mensch noch Tier noch Vogel, ist ein Wesen, das zwei Körper und zwei Seelen hat... Morgens war er planlos durch das offene Fenster in mein Zimmer gekommen und das war der Tag, an dem meine Augen zu schmerzen und meine Sicht zu verschwimmen begannen, weil ich so lange auf die Bildschirme meines Fernsehers, Laptops und Handys geschaut hatte. Ich musste mir also für die Isolationszeit andere Dinge ohne Bildschirm suchen, mit denen ich mich beschäftigen konnte.
 
Ich erzählte Amichi von all dem und er schlug vor, mir bei einem Fotoprojekt darüber, wie die Menschen in der Isolation leben und ihre Zeit verbringen, zu helfen. Ich weiß nicht, ob er dauerhaft oder nur während des Lockdowns bei mir leben wird und so plötzlich verschwinden wird, wie er aufgetaucht ist.
 
Amichi hat nicht viele Antworten, aber endlose Fragen und Ideen, von denen er nicht so leicht ablässt. Er sagt immer: ‚Jetzt, da wir in diesen vier Wänden leben, stehen die Wände um uns herum den Wänden in unserem Inneren gegenüber. Und je mehr Zeit vergeht, desto unumgänglicher wird es, die Ursprünge der wahren Motive hinter unseren Ideen und teils befremdlichen Verhaltensweisen zu ergründen. Wenn wir zu diesen erst einmal vorgedrungen sind und sie kennen, werden unsere Lasten vielleicht leichter.‘“

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