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Arbeiten im Sommer: Rettungsschwimmerin
„Es gibt keinen schöneren Ort für mich“

Susann Stark liebt ihre Arbeit beim Wasserrettungsdienst von Graal-Müritz.
Susann Stark liebt ihre Arbeit beim Wasserrettungsdienst von Graal-Müritz. | Foto (Ausschnitt): © Ula Brunner

Ganz unschuldig ist die Liebe sicher nicht daran, dass Susann Stark ihre Wochenenden auf einem Turm am Ostseestrand verbringt – zumindest im Sommer.

Von Ula Brunner

Von Mai bis September ist der Strand das zweite Zuhause von Susann Stark. Seit vier Jahren ist die zierliche Frau, Jahrgang 1980, mit den lächelnden Augen und der klaren Stimme im Team des Wasserrettungsdienstes von Graal-Müritz, einem idyllischen mecklenburgischen Seeheilbad. „Eigentlich hat mich mein Lebensgefährte dazu gebracht: Er ist hier erster Vorsitzender und macht das schon sein Leben lang“, erzählt die 38-Jährige. Hauptberuflich arbeitet sie bei einem Pflegedienst. In ihrer Freizeit überwacht sie mit anderen Ehrenamtlern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG den Strand.

Festung in den Dünen: der Hauptturm Festung in den Dünen: der Hauptturm | Foto (Ausschnitt): © Ula Brunner
Drei Rettungstürme gibt es hier. Der Hauptturm, in dem Susann Stark überwiegend arbeitet, ist von Mai bis September durchgängig besetzt. Insgesamt sieben Wachgänger – so heißen die Rettungsschwimmer – sind in der Hochsaison dort täglich eingesetzt. Ihr Dienst beginnt um neun Uhr: „Morgens bringen wir erstmal die Flaggen an, schalten die Funkgeräte ein, nehmen Wetterdaten auf, kochen Kaffee. Und wenn alles ruhig bleibt, ist Zeit für ein spätes Frühstück.“ Über eine schmale Treppe geht es hoch in den ersten Stock, den zentralen Beobachtungsraum. Immer in Griffweite ist das Fernrohr. Meist sind sie zu zweit hier oben, um gut überblicken zu können, ob etwa jemand mit Handzeichen Hilfe sucht. Dann greift der Wasserrettungsdienst ein. Dass sie jemanden vor dem Ertrinken retten müssten, käme zum Glück selten vor, erzählt Susann Stark. Doch sie hätte es auch schon erlebt, dass Schwimmer leichtsinnig einen Rettungseinsatz verursachen: „Einmal schwamm ein junger Mann sehr weit raus und hat dann wild mit den Händen gewedelt – für uns ein sicheres Zeichen, dass jemand in Not ist. Wir sind eiligst mit den Booten hinausgefahren und dann stellte sich heraus: Er wollte nur Vati winken.“
Der Sanitätsraum im Erdgeschoss Der Sanitätsraum im Erdgeschoss | Foto (Ausschnitt): © Ula Brunner
Viel häufiger als Unfälle im Wasser sind sogenannte Erste-Hilfe-Notfälle. Holzsplitter im Fuß, Insektenstiche, Kreislaufkollaps, Unterzuckerung oder Herzattacken werden täglich im Sanitätsraum im Erdgeschoss versorgt.
Wichtigstes Utensil: das Fernglas Wichtigstes Utensil: das Fernglas | Foto (Ausschnitt): © Ula Brunner
Alle zwei bis drei Stunden lösen sich die Rettungsdienstler bei der Beobachtung oben im Turm ab, denn dann lässt die Konzentration nach. Außerdem staut sich in dem kleinen Raum die Hitze. Die regelmäßigen Wachgänge an der Ostsee sind da eine willkommene Abwechslung. „Da kriegt man schon mal was mit vom Strandleben“, sagt Susann Stark. Um 18 Uhr endet in der Regel der Dienst. Doch oft bleibt die ganze Mannschaft noch ein paar Stunden hier: „Wir sitzen zusammen, springen vielleicht selbst ins Wasser – wir sind einfach ein tolles Team.“ Ihr zwölfjähriger Sohn ist ebenfalls bereits in der Jugendgruppe des Rettungsdienstes aktiv – auch weil er seine Mutter für ihre Arbeit bewundert. Dass Susann Stark für den Wasserrettungsdienst jedes freie Wochenende und auch noch einige Stunden ihres Feierabends opfert, empfindet sie selbst nicht als problematisch. Im Gegenteil: „Es gibt keinen schöneren Ort für mich. Für uns gibt es den ganzen Sommer eigentlich nur noch das Leben am Strand.“
„Wir sind einfach ein tolles Team.“ „Wir sind einfach ein tolles Team.“ | Foto (Ausschnitt): © Ula Brunner

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