Projektbeschreibung
Bildungsakademie NANO

Geschichtslehrertag in Kairo
Goethe-Institut Kairo / Nadia Mounir

Die Mehrheit der Bevölkerung Ägyptens und Tunesiens ist im Schul- und Ausbildungsalter. Das Bildungs- und Erziehungswesen formt die Zukunft der Gesellschaft sowie ihre Entwicklung. So ist es nicht überraschend, dass in den letzten Jahren des gesellschaftlichen Wandels in Ägypten der Ruf nach einer Reform des Bildungssystems immer lauter wurde.

Auch in Tunesien ist dieser Ruf seit den „enttäuschenden“ Ergebnissen der tunesischen Schülerinnen und Schüler bei der PISA-Studie 2012 zu hören. Seitdem gilt es, die Anforderungen an das tunesische Bildungssystem in den Fokus zu nehmen.

Auf Anfrage der Bildungsministerien in Ägypten und Tunesien hat das Goethe-Institut seit 2012 mit den Projekten „Moderne Schule“ und „TUNESS“ eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt. Im Jahr 2017 fasst die Bildungsakademie NANO die bestehenden Projekte unter einem Schirm zusammen, um die gewonnenen Erfahrungen regional bedarfsorientiert in anderen Ländern der arabischen Welt zu nutzen. Ziel ist es dabei, regional die Entwicklung hin zu einem effektiveren und transparenteren Bildungssystem zu fördern, das kritisches und kreatives Denken ermöglicht.

Moderne Schule in Ägypten

Das Projekt Moderne Schule verbessert durch methodische und didaktische Fortbildungen von Lehrkräften die Unterrichtsqualität an öffentlichen Schulen. Voraussetzung dafür ist unter anderem ein zeitgemäßes, leistungsfähiges Schulmanagement. Das Projekt setzt an diesem Punkt an: Seit 2012 werden Führungskräfte aus dem Erziehungswesen und Multiplikatoren für die Leitungsfunktionen in staatlichen Schulen in Ägypten fortgebildet – bislang über 150 Schuldirektorinnen und -direktoren. Sie alle konnten sich in den Fortbildungen vom Nutzen eines modernen und effizienteren Schulmanagements überzeugen. Darüber hinaus nehmen sie laufend an Hospitationsphasen und Weiterbildungen teil, um ihr Wissen zu vertiefen und die Anwendung in der Praxis zu diskutieren. Diese Programme finden in enger Zusammenarbeit mit der ägyptischen Nationalen Lehrerakademie und dem Fortbildungszentrum für Führungskräfte im Erziehungswesen statt.
 
Das Projekt umfasst außerdem Fortbildungen für Geschichtsinspektoren und Geschichtslehrkräfte sowie die Ausbildung einer Multiplikatoren-Gruppe für das Fach Geschichte in der Sekundarschule. Ziel im Kontext des gesellschaftlichen Wandels ist es, die ägyptische Seite bei der Reflexion ihrer nationalen Narrative, bei der Entwicklung von Materialien für den Geschichtsunterricht an ägyptischen Schulen und nicht zuletzt auch bei der Gestaltung eines zukunftsweisenden Unterrichts zu unterstützen. Denn ein modernes Bildungssystem benötigt auch Lehrkräfte, die mit modernen Methoden Schülerinnen und Schüler begeistern und für die eigene Geschichte interessieren können. Guter Geschichtsunterricht dient darüber hinaus der Schulung des kritischen Denkens.

Das Goethe-Institut organisierte in diesem Rahmen zwei Besucherreisen nach Deutschland, zahlreiche Workshops sowie jährliche Geschichtslehrertage. Auch Lehrkräfte anderer Fächer erhalten auf Wunsch methodische und didaktische Fortbildungen sowie Unterstützung bei der Weiterentwicklung von Fächern. Im Jahr 2017 hat sich die Zielgruppe auf Führungspersonal der Lehrerfortbildungszentren, das Zentrum für Curriculums-Entwicklung sowie das zentrale Prüfungsinstitut für das Schulwesen in Ägypten erweitert.

TUNESS – Tunesiens Schulsystem

Auf Anfrage des Bildungsministeriums unterstützt das Goethe-Institut ferner die Festigung von bildungsrelevanten innovativen Strukturen in Tunesien, indem es den Reformprozess begleitet und Handlungsempfehlungen umsetzt. Der Einfluss von TUNESS ist in einer ganzen Reihe von Entscheidungen und Maßnahmen des tunesischen Bildungsministeriums erkennbar. So wurden nach einem ministeriellen Beschluss 15 Reformausschüsse gegründet, die sich mit den Aspekten der Qualitätsentwicklung im tunesischen Bildungswesen beschäftigen.

Weiterhin werden im Rahmen von TUNESS Bildungsakteure bei der Erstellung von kompetenzorientierten Bildungsstandards für das Fach Arabisch beraten. Eine Gruppe von Inspektorinnen und Inspektoren, Fachberaterinnen und Fachberatern sowie Lehrpersonen erhielt im Zuge dessen eine Fortbildung im Unterrichtsfach Arabisch als Muttersprache im Primarbereich. Dabei werden die Ansprüche der Kompetenzbereiche „Lesen“ und „Schreiben“  und die entsprechenden deutschen Standards vorgestellt und vergleichend diskutiert. Darauf aufbauend können die tunesischen Expertinnen und Experten selbst Standards entwerfen und entsprechende Aufgaben dazu entwickeln.

Auch geisteswissenschaftlichen Fächern am Beispiel des Geschichtsfaches wird eine wichtige Rolle in den Reformbemühungen in Tunesien zugeschrieben: Das Goethe-Institut Tunis unterstützt dabei die Handelnden im Bildungsbereich ein Curriculum für einen kompetenzorientierten und auf kritisches Denken basierenden Geschichtsunterricht zu konzipieren. Dementsprechend sollen die Schülerinnen und Schüler in ihrem Umgang mit historischen Quellen und Darstellungen ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein entwickeln.
 
Darüber hinaus werden im Rahmen von TUNESS auch Führungskräfte im Bildungswesen qualifiziert. Fortbildungsmodule legen ein besonderes Augenmerk auf Veränderungsprozesse und „Change-Management“. Die dadurch gewonnenen Kompetenzen sollen sicherstellen, dass eine Schule, die sich als lernende Organisation versteht, in angemessener Weise geleitet und begleitet wird.
 
Die Zusammenarbeit zwischen den nationalen und deutschen Partnern hat sich in der Vergangenheit als sehr zielführend erwiesen und wird weiterhin eng und partnerschaftlich gestaltet.

Die Bildungsakademie NANO ist ein Projekt des Goethe-Instituts, gefördert durch das Auswärtige Amt.