"Digitales Teilen und Tauschen" Interview mit Gamal Sadek und Omar Ramadan

Workshop
Foto: Goethe-Institut Kairo/Sabry Khaled

Omar Ramadan, Gründer von Filkhedma, und Gamal Sadek, Co-founder der Bey2ollak App, haben an dem Workshop zu „Teilen und Tauschen“ in Kairo im Rahmen des Kultursymposiums Weimar teilgenommen.

Beide Akteure gaben neue und interessante Impulse zum Thema „Digitalität“ im Diskurs zu Teilen und Tauschen.



Wie entstand die Idee?

Gamal Sadek: Die Idee für „Bey2ollak“ entstand infolge einer völlig anderen Projektidee, die mir während meiner Militärdienstzeit in den Sinn kam. Diese Projektidee hatte aber keinen Erfolg, sondern brachte mir nur Widerstand und Frustration ein. Das hat mich aber nur noch mehr motiviert und entschlossener gemacht zu zeigen, dass ich ein Projekt, das manche vielleicht komisch oder neuartig finden, durchführen kann.
 
Omar Ramadan: Früher habe ich im Bereich Finanzen gearbeitet, danach bin ich in die USA übergesiedelt, um dort einen MBA (Master of Business Administration) zu studieren. In den USA habe ich beschlossen, mein eigenes Unternehmen zu gründen und habe daraufhin begonnen, mich mit verschiedenen Ideen auseinanderzusetzen, die zur Lösung von großen Herausforderungen des alltäglichen Lebens in Ägypten beitragen können. Ich entschied mich für das  Problem, das mit Reparatur- und Wartungsarbeiten im Haushalt besteht, und begann, mit dem Team einen Dienst zu entwickeln, der dieses Problem lösen soll.

Welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Gamal Sadek: Was wir auf „Bey2ollak“ anbieten sind einfach gesagt Verkehrsinformationen. „Bey2ollak“ ist ein Ordnungssystem für Informationen und Nachrichten über das Geschehen auf der Straße und im Verkehr. Bevor es „Bey2ollak“ gab, wurden solche Informationen individuell direkt weitergegeben, von einer Person zur anderen. Das war auch deshalb so, weil es keine Smartphones im Jahr 2010 gab, als wir das Projekt starteten. Deshalb hat „Bey2ollak“ Informationen über den Verkehrsfluss und die Straße vom Individuum an die Menge weitergegeben.

Omar Ramadan: Wir bieten unseren Kunden einen Online- und Callcenter-Buchungsservice für Installateure, Schreiner, Elektriker, Klimaanlagen- und Satellitentechniker. Unsere Leistungen gewährleisten Sicherheit im Umgang mit Technikern, Qualität, Zuverlässigkeit und klare Preisgestaltung.

 
Haben Sie ähnliche Projekte in Ägypten oder in anderen Ländern gesehen? Funktionieren diese ähnlich?

Omar Ramadan: Es gibt ein ähnliches Projekt in Ägypten, das einen Buchungsdienst für Wartungsarbeiten anbietet. Allerdings werden hier Zuverlässigkeit, Qualität, die vereinbarten Termine und die klare Preisgestaltung nicht garantiert. In den USA gibt es viele Alternativen, die wie ein Marktplatz funktionieren, indem sie Kunden und Techniker miteinander verbinden. Das größte Problem in Ägypten besteht darin, dass die meisten Techniker nicht sehr serviceorientiert sind.
 
Welche Vision haben Filkhedma oder andere serviceorientierte Projekte in Ägypten?

Omar Ramadan: Ich glaube, dass mit der Zeit immer mehr Kunden beginnen werden, auf vertrauenswürdige Dienstleister, wie etwa Filkhedma zurückzugreifen. Dies ist Teil der neuen Welle von Angeboten, die besonderen Wert auf Kundenfreundlichkeit legen.

Erinnern Sie sich noch an die ersten Reaktionen von Freunden oder sogar Kunden auf das Projekt?
 
Gamal Sadek: Die Reaktionen waren unterschiedlich, wenige davon ermutigend. Die Mehrheit hatte Fragen über die Finanzierung des Projekts, seine Erfolgschancen und Nachhaltigkeit, und Zweifel an der innovativen Idee des Projekts.

Omar Ramadan: Alle glaubten, dass das Projekt sehr spannend ist und ein großes Problem löst. Sie waren allerdings skeptisch in Bezug auf die Handhabung der Techniker. Es stellte sich heraus, dass dies eigentlich der einfache Teil des Geschäfts war. Der schwierigere Teil besteht in der Vermarktung des Services, der den Aufbau von Kundenvertrauen bedingt.  

Sind die Herausforderungen, die Ihnen begegnen, eher sozialer, infrastruktureller, wirtschaftlicher oder anderer Natur? Bitte erzählen Sie uns mehr darüber.

Omar Ramadan: Unsere größte Herausforderung besteht darin, genügend Fördergelder zu erhalten, um unsere Vertriebs- und Gemeinkosten abzudecken, während das Unternehmen noch klein ist. Wir haben ein starkes Arbeits- und Ingenieurteam, das den Kunden gute Dienstleistungen garantiert.
 
Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Werte zur Erhaltung und Erweiterung des Projekts?

Omar Ramadan: Der Aufbau eines Geschäfts, das auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten ist, und gleicherweise die Beteiligung des ganzen Teams an der Schaffung dieser kundenorientierten Unternehmenskultur.

Konnten Sie die Diskussionen, die im Rahmen unserer Werkstatt über Teilen und Tauschen stattfanden, auf Ihre tägliche Arbeit oder auf die Vision, die Sie für Ihr Projekt haben, beziehen? Und wenn ja, inwieweit?
 
Gamal Sadek: Unter den Punkten, die wir im Workshop diskutiert und debattiert haben, hatte die Frage nach Werten versus Profit den größten Einfluss auf mich. Dieser Herausforderung stehen wir in unserem Team bei „Bey2ollak“ ständig gegenüber, und ich persönlich bei der Frage: Ziehe ich bestimmte Werte zusammenhängend mit dem Dienst am Anwender dem Profit vor, oder anders herum? Ich denke, dass es einen Trend gibt, der sich in Zukunft unter den Digital-Media-Projekten, im Bereich der Smartphone-Anwendungen, stark verbreiten wird.

Omar Ramadan: Na sicher. Bei unserer Diskussion sind wir auf die Bedeutung der „Sharing Economy“ eingegangen. Damit Filkhedma schnell wachsen kann, werden wir einen Weg finden müssen, um immer mehr als ein Marktregulierer zu fungieren, der die Kunden mit den Dienstleistungsanbietern verbindet. Das ökonomische Tauschen zwischen den Nutzern des Dienstes, Anbietern und uns als Vermittler ist eine Beziehung, die unter Berücksichtigung der Aspekte in unserer Diskussion gründlich überdacht werden muss, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten.