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Rabat_Uncontrolled    @Goethe-Institut / Houda Abouz

Un/controlled Gestures

Un/controlled Gestures (Projektlaufzeit 2019-2020) ist ein regionales Projekt des Goethe-Instituts, das 8 Nachwuchschoreograph*innen aus Nordafrika und dem Nahen Osten dabei begleitet, ihr Verständnis von Autonomie, Selbstbestimmung und Unterwerfung zu hinterfragen. Durch kreativen Tanz erforschen sie die komplexen Prozesse von Macht über Körper, inspiriert von Kafala, einem traditionellen islamischen System der Bürgschaft in welchem eine Person die Verfügungsmacht über einen anderen Menschen erhält. Die Tänzer*innen ergründen internalisierte Bewegungs- und Denkmuster und beleuchten so das tief Verinnerlichte kritisch, um neue Positionen außerhalb gesellschaftlicher, politischer und persönlicher Verfügungsgewalt zu erfinden. Sie untersuchen die Verbindung zwischen Kafala und ihrem Selbst und fragen: Wie sehr fühlen wir uns im täglichen Leben kontrolliert?

Wenn Grenzen Körper gefangen halten und Botschaften Ambitionen willkürlich ablehnen öffnet Tanz versteckte Türen in Richtung Freiheit. Kreatives Bewegen formt Fantasie über Sprachbarrieren hinweg und vermittelt Gefühle jenseits der Zensur unausgesprochener Worte. Tänzer überwinden physische und gesellschaftliche Hindernisse, zumindest in ihrer Imagination. Sie laden die Zuschauer*innen dazu ein sich den Träumen nach Freiheit hinzugeben. Mit un/kontrollierten Gestiken als verkörpertes hinterfragen von Kafala tanzen sie auf Emanzipation zu. Als sie näher kommen stellt sich die Frage: unter welchem Schutz bewegt man sich in der Freiheit? Oder ist Verlust von Sicherheit der Preis für unkontrolliertes Tanzen?

Die Einzigartigkeit des Projektes liegt darüber hinaus in seinem Schwerpunkt auf der Mobilität der Kulturschaffenden innerhalb der NANO-Region. “Un/controlled gestures?” profitiert vom kreativen Austausch in einer Region, in der das Entstehen gemeinsamer künstlerischer Projekte von der Visapolitik und einem Mangel an Austauschprojekten, vor allem für Nachwuchstalente, stark erschwert ist.

Nach einem Seminar mit Theolog*innen, Soziolog*innen und Künstler*innen in Rabat, Marokko, in welchem Themen über Körperkontrolle genauer beleuchtet wurden, waren die Künstler*innen zu einer Residenz in Kairo eingeladen. Mithilfe der Kuratorinnen Nedjma Benchelabi und Anna-Katrin Mülter kreierten sie erste Einblicke in ihre Performances und führten sie als work-in-progress im Goethe-Institut Kairo auf. Im Januar 2020 reisen sie zu einer letzten Residenz nach Tunis, wo sie ihre Arbeit fortsetzen und ein weiteres Mal aufführen werden.


Die Künstler*innen

 

Jedes der Tanzstücke hat sein Spezifizität und seine eigene Sprache, jedoch sind unter den acht Produktionen gemeinsame Thematiken und Obsessionen zu erkennen. So sind Ansätze wie die Frage der Intimität des Körpers in der Arbeit von mehreren Choreographinnen vertreten, die die weibliche Sexualität und Mütterlichkeit hinterfragen. Einige Produktionen spiegeln die politischen Spannungen in der Region wieder.
 

Qamar al-Qady @Goethe-Institut / Sabry Khaled

Qamar al-Qady

Qamar al-Qady ist eine ägyptische Tänzerin und Poetin aus Alexandria. In ihrem Solo „I I I I I displacement“ ergründet sie die Fragmentierung des menschlichen Selbst und begibt sich auf die Suche nach innerem und äußeren Gleichgewicht.

Manal Tass @Goethe-Institut / Sabry Khaled

Manal Tass

Manal Tass ist eine marokkanische Tänzerin aus Casablanca. In ihrem Solo „Koboul“ (Akzeptanz) fühlt sie sich tief in verkörpertes Trauma ein und akzeptiert und dekonstruiert somit die Spannung zwischen einem erschütterten Körper und Selbst.

Said El Haddaj @Goethe-Institut / Sabry Khaled

Said El Haddaji

Said El Haddaji ist ein marokkanischer Tänzer aus Kenitra/Rabat. Zusammen mit drei Tänzern aus Frankreich, Marokko und der Elfenbeinküste sucht er in „Sorakhe“ (Schrei) nach Alltagsbewegungen, die die Situation einer desillusionierten Jugend verkörpern und möglicherweise verändern.

Samaa Wakim @Goethe-Institut / Sabry Khaled

Samaa Wakim

Samaa Wakim ist eine palästinensische Tänzerin und Schauspielerin aus Mi'ilya. Ihr Solo „I am losing it“ ist eine Reise zu und ab dem Moment, in dem Menschen anfangen ihre Freiheit zu verlieren.

Salma Salem @Goethe-Institut / Sabry Khaled

Salma Salem

Salma Salem ist eine ägyptische Tänzerin aus Cairo. Sie fragt: „Anchoring?“ und reflektiert in ihrem gleichnamigen Solo über die Erwartungen und unrealistischen Illusionen, die Gesellschaften täglich an Frauen stellen.

Mohammad Issaou @Goethe-Institut / Sabry Khaled

Mohammad Issaoui

Mohammad Issaoui ist ein tunesischer Tänzer und Schriftsteller aus Kef. „STEPS“ erkundet die Tänzer*in in ihm und erzählt eine Geschichte von vergangener tunesischer Kaffeekultur bis hin zu moderner künstlerischer Entfaltung jenseits von Geschlechterbarrieren.

  Islam Elnebishy @Goethe-Institut / Sabry Khaled

Eslam Elnebishy

Islam Elnebishy ist ein ägyptischer Tänzer aus Kairo. In seinem „Go back to your seat, please!“ ergründet er die unterschiedlichen Wege und Systeme, durch die männliche Körper in dieser Welt kontrolliert werden oder sich möglicherweise selbst unter Kontrolle halten. 

Sahar Damoni ©Tammar lam

Sahar Damoni

Sahar Damoni ist eine palästinensische Tänzerin und Tanzlehrerin aus Schefar’am. „Eat Banana and Drink Pills“ beschäftigt sich mit der schwierigen Lage der Frauen, die ungewollt schwanger werden.

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