Das Kollektiv Espacio del Inmigrante Gemeinsam gegen Rassismus und für Migrantenrechte

Espacio inmigrante

Espacio del Inmigrante ist ein Kollektiv, das sich gegen die Verletzung der Rechte von Migranten, Diskriminierung und Rassismus einsetzt. Im Mai 2016 nahm das Kollektiv an dem Programm „Right to move“ teil, das vom Goethe-Institut Barcelona veranstaltet wurde.

Espacio del Inmigrante erzählt uns in diesem Interview, was das Kollektiv ausmacht, was ihre Ziele sind und an welchen Projekten sie aktuell arbeiten.

El Espacio del Inmigrante, euer Projekt ist das Ergebnis eines kollektiven Impulses, der 2013 in Barcelona entstand. Könnt ihr die sozialpolitischen Bedingungen beschreiben, aus dem der Espacio hervorgeht?

Espacio del Inmigrante entstand als Kollektiv nach dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe, als die Regierung ein neues Gesetz einführte, demzufolge Migranten ohne Papiere die Gesundheitsversorgung verweigert wurde. Nach und nach wurden unsere Aktivitäten (der gegenseitigen Unterstützung) durch Sprachunterricht, Rechtsberatung und psychologischer Beratung erweitert.

El Espacio ist selbstverwaltet und horizontal gegliedert. Warum diese Form der Organisationsstruktur?

Die Selbstverwaltung funktioniert durch Versammlungen. Diese dienen als Werkzeug zur Steigerung der Autonomie und des Lernens. Dank der offenen und horizontal organisierten Versammlungen, haben alle die Möglichkeit, in allen Bereichen des Espacio mitzuwirken. Außerdem können alle ihre Erfahrungen einbringen, was es uns ermöglicht, bei den von uns organisierten Aktionen und Beratungen sehr flexibel zu bleiben.

Empowerment, Dekolonisierung, Bekämpfung von Ausgrenzung und Alltagsrassismus

Unter den gesetzten Zielen des Kollektivs, die auch auf eurer Website genannt werden, sind: der Aufbau von horizontale Beziehungen mit gesellschaftlichen Gruppen, die Dekolonisierung der Menschen auf einer psychologischen Ebene, die Verbindung der Stimmen und des Wissens von Migrantenkämpfen mit lokalen Kämpfen, die Stärkung der Unsichtbaren und deren Einbeziehung in soziale Dynamiken, und die Abschaffung von Grenzen und der Systeme des institutionellen Ausschlusses. Wie macht ihr das?

Die weiße Linke betrachtet Migranten als verletzliche Menschen, über die man zwar sprechen kann und die man verteidigen muss. Die Migranten werden aber nicht als politische Subjekte wahrgenommen, die fähig sind, Verantwortung zu übernehmen und sich selbst zu verwalten. In der Tat waren viele Migranten schon in ihren Herkunftsländern Aktivisten und andere werden Aktivisten, wenn sie  Europa erreichen. Darüber hinaus glauben wir, dass die bloße Tatsache der Migration schon eine Tat der Rebellion ist, die die etablierte Ordnung in Frage stellt. Im Espacio bieten wir einen Treffpunkt für alle, die nicht möchten, dass jemand für sie spricht. Wir arbeiten für und mit Migranten, aus den Perspektiven und Lebenserfahrungen von Migranten.

Zusammenarbeit mit anderen Migrantengruppen und Migrantenprojekten

Espacio del Inmigrante ist sehr eng mit dem Sindicato Popular de Vendedores Ambulantes verbunden. Wie arbeitet ihr mit den Menschen der Gewerkschaft?

Einige KollegInnen aus dem Espacio sind Teil des Sindicato Popular, auch wenn dieses ein unabhängiges Kollektiv ist, mit seinen einigen Versammlungen und eigener Selbstverwaltung. “El Espacio” unterstützt schon immer alle Aktionen des “Sindicato Popular” mit allem was in seiner Macht steht.

Im Juli haben wir ein sehr interessantes Festival de Cine Migrante in Barcelona genossen, mit Projektionen in verschiedenen Räumen der Stadt und Gesprächen im öffentlichen Raum. Inwiefern habt ihr euch an der Konzeption und Organisation des Programms beteiligt und was möchtet ihr an dem Programm hervorheben?

Wir möchten betonen, dass zwar viele unserer KollegInnen aus dem Espacio mit den Organisatoren des Festival de Cine Migrante zusammengearbeitet haben, aber das Festival ein  völlig von uns unabhängiges Projekt ist. Wir sind mit der politischen Linie des Festivals einverstanden, aber wir konzipieren weder das Programm, noch die Gespräche, auch wenn viele Leute aus dem Espacio daran teilgenommen haben.

Positionierung vor einer drohenden Zwangsräumung

Zum Schluss: Ihr habt einem Räumungsbefehl für das Gebäude – der Ort, an dem ihr lebt und arbeitet – bekommen, gegen den ihr bereits eine öffentliche Mitteilung während der Jornadas de Resistencia Migrante abgegeben habt. Möchtet ihr dazu etwas sagen?

Wir werden Widerstand leisten! Die befreiten Räume in Barcelona muss man schützen. Wir warten derzeit auf die Räumung (die letzte Nachricht des Gerichtshofs, kündigte sie für die erste Hälfte des Monats September an). Während Sie den Gentrifizierungsprozess von Raval vorbereiten, organisieren wir den Widerstand. Wir empfehlen euch, uns auf Social Media zu folgen, um euch über den neuesten Stand zu informieren. Wenn Sie versuchen, uns zu räumen, werden wir bereit sein, um Widerstand zu leisten. Und wir hoffen, dass viele weitere Leute dazu kommen, uns zu unterstützen.