Premiere des chilenischen Films „Nunca vas a estar solo“ Kein Land für Schwule

Nunca vas a estar solo | © Alex Anwandter

Filme aus Chile haben inzwischen einen festen Platz auf der Berlinale. Vergangenes Jahr erhielt der chilenische Regisseur Pablo Larraín den Silbernen Bären für „El Club“, ein Film, der sich mit dem schlechten Gewissen einer Gruppe pädophiler Priester auseinandersetzt. Dieses Jahr legt ein anderer chilenischer Beitrag bereitwillig den Finger in die Wunde.

„Nunca vas a estar solo“ erzählt die Geschichte von Pablo, einem 18 Jahre alten homosexuellen Jungen aus Santiago, der umgeben ist von feindlicher Gesinnung, konservativen Einstellungen und Gewalt.

Distanzierte Lebenswege

Pablo absolviert ein Tanzstudium. Sein Vater Juan ist derweil nur mit seiner Firma beschäftigt, eine Schaufensterpuppenfabrik. Er hofft darauf, deren Teilhaber zu werden. Beide leben ohne Pablos Mutter zusammen in bescheidenen Verhältnissen. Pablos Leben spielt sich in seinem Stadtviertel ab, zwischen einer Geliebten, die seine Homosexualität leugnet und einer engen Freundin aus der Kindheit.
 
Alles wandelt sich, als Pablo von einer Gruppe schwulenfeindlicher Jugendlicher, brutal zusammengeschlagen wird und bewusstlos im Krankenhaus landet. Mit einem der Jugendlichen hatte er eine Beziehung. Von da an ist sein Viertel nicht mehr das, was es einmal war. Auch sein Vater verändert sich. Er scheint zu merken, wie sehr er sich von seinem Sohn distanziert hat. Juan beschließt, sein Leben in die Hand zu nehmen, seinem despotischen Chef die Stirn zu bieten und den Vorurteilen entgegenzutreten, mit denen Pablo in seinem Viertel zu kämpfen hat.

Beruht auf wahren Begebenheiten

Der Film des Debütanten Alex Anwandter basiert auf der wahren Geschichte des jungen homosexuellen Chilenen Daniel Zamudio, der 2012 von Neonazis ermordet wurde. Sein Tod erschütterte das Land. Inzwischen ist er zum Symbol gegen Homophobie geworden. Anwandter gelingt eine einfühlsame und zugleich krude Darstellung der konservativen Geisteshaltung und des sozialen Drucks, denen Homosexuelle in Chile ausgesetzt sind.
 
Nebenbei ist die Geschichte eine äußerst kritische Abrechnung mit dem chilenischen Gesundheitssystem. Sie zeigt einen Vater, der seine gesamten Ersparnisse opfern muss, damit er die teuren Krankenhauskosten für seinen Sohn bezahlen kann. „Nunca vas a estar solo“ zählt schon jetzt zu den Favoriten für den „Teddy Award“, der schwul-lesbische Filmpreis der Berlinale.