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Zehn Jahre Krise
Die Große Rezession in zehn Grafiken

Die Große Rezession
Die Große Rezession in zehn Grafiken | Bild: Marta Molina | CC

Krisen lassen sich in Zahlen messen und in Grafiken darstellen. Gewöhnlich illustrieren sie die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge. Die zehn hier zusammengestellten Grafiken beschreiben die soziale Dimension der Krise.

 

Von Marta Molina

Die Krise ist ein böses Spiel mit Zahlen. Die Einkünfte vieler schrumpften derart, dass Tausende ihr Heim, ihre physische und mentale Gesundheit einbüßten. Nicht wenige Lebensträume mussten zurückgestellt werden. Denn eine Krise besteht aus Zahlen. Neben dem BIP, dem Stand der Schulden und der Risikoaufschläge gibt es aber auch noch andere Indikatoren, die stärker mit dem Alltagsleben der Menschen verbunden sind. Hier sind einige der Daten, die das Ausmaß von zehn Jahren wirtschaftlicher Härte in zehn Grafiken beschreiben.

Zwangsräumungen: es war einfach kein Geld mehr da, um die Wohnung zu bezahlen

Laut den Statistiken aus dem ersten Quartal des Jahres 2012 wurden im Zuge der Krise in Spanien täglich 517 Zwangsräumungen, mit all ihren sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen, vollstreckt. Während dieser zermürbenden Jahre landeten viele Menschen, überwiegend aus sozial schwächeren Schichten, aufgrund einer Zwangsvollstreckung auf der Straße. Sie konnten die Raten für das Hypothekendarlehen oder ihre Wohnungsmiete einfach nicht mehr zahlen. Die meisten von ihnen hatten ihre Wohnung oder ihr Haus während der Immobilienblase (1997-2007) erworben.

Mutterschaft: warten wir lieber auf einen besseren Moment

Prekäre Arbeitsverhältnisse und die unsichere Wirtschaftslage führten dazu, dass viele Paare im reproduktionsfähigen Alter die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, aufgeschoben haben. Im Jahr 2013 betraf das der Studie Paarentscheidungen gestern und heute des Clearblue Forschungszentrums siebzig Prozent der Paare. Als Folge der späten Mutterschaft wurden in den letzten Jahren auch weniger Kinder geboren: 1,38 im Jahr 2007, 1,37 im Jahr 2017.
 

Depression und Ängste: das traurigste Gesicht der Krise

Der Konsum von Antidepressiva hat sich nach den von der Spanischen Medikamentenbehörde (Agencia Española de Medicamentos y Productos Sanitarios - AEMPS) veröffentlichten Angaben in den zehn Jahren der Krise verdreifacht. Die Studie IMPACT, die in Einrichtungen der Primärversorgung in Spanien durchgeführt wurde, belegt einen bedeutenden Anstieg der verbreitetsten mentalen Störungen. Die Fälle von Gemütsstörungen stiegen im Zeitraum von 2006 bis 2010 um etwa neunzehn Prozent an, die Angststörungen um acht Prozent und die durch Alkoholmissbrauch bedingten Störungen um fünf Prozent.

Die Ernährungskrise: wenn die Kürzungen auf den Magen schlagen  

Im Verlauf der Krise reduzierten die Spanier ihren Nahrungsmittelkonsum um 3,8 Prozent; das betraf insbesondere Fleisch, Fisch, Milch, Öl und hochprozentige alkoholische Getränke. Im Schnitt sank das Jahresbudget einer Familie in diesen zehn Jahren um 120 Euro, wie die Staatliche Gesundheitsbehörde (Sociedad Española de Salud Pública y Administración Sanitaria) angibt.
 

Weniger Scheidungen und Trennungen: ohne dich, aber mit dir

Während einer Wirtschaftskrise entschließen sich aufgrund der mit einer Trennung verbundenen Schwierigkeiten weniger Menschen dazu, ihr Zusammenleben zu beenden. In den zehn Jahren, die die Große Rezession andauerte, sank die Zahl der Ehescheidungen um dreißig Prozent, von 145.919 auf 101.294, wie das Nationale Statistikamt (Instituto Nacional de Estadística – INE) ermittelte.

Kultur in Zeiten der Krise

Zwischen 2008 und 2015 ging in Spanien der Besuch von Kinos, Theatern, Buch- und Tonträgerhandlungen um 27,7 Prozent zurück. Innerhalb von sechs Jahren mussten mehr als 4.000 Unternehmen und Einrichtungen in diesem Bereich schließen. Eine gewisse Erholung setzte in den Jahren 2016 und 2017 ein, parallel zum sich nähernden Ende der Krise. Wie jedoch die Stiftung Fundación Alternativas in ihrem Jahresbericht zur Lage der Kultur in Spanien aufzeigt, gibt es Widerstände und einen Mangel an Einfallsreichtum beim Bekämpfen der Piraterie verhindert, dass man das Maximale aus dem digitalen Goldesel herausholt.

Schlechte Zeiten, um das elterliche Nest zu verlassen

Die Folgen der Wirtschaftskrise haben weiterhin beunruhigende Konsequenzen für den Eintritt junger Spanier in ein eigenständiges Leben. Ohne eigenen Job, keine eigene Bleibe. Aber die Krise hat dem Arbeitsmarkt für junge Leute hart getroffen. Aber auch wenn mit der wirtschaftlichen Erholung neue Arbeitsplätze entstehen, sind diese meist so prekär, dass es trotzdem kaum möglich ist, sich von den Eltern zu emanzipieren.

Ganze Haushalte leben von Großelterns Rente

Während der vergangenen Wirtschaftskrise wurden die ältesten Mitglieder der Gesellschaft zu Stützpfeilern, die die Familien über Wasser hielten und so das gesellschaftliche Auseinanderbrechen in Spanien verhinderten. Die vom Verband der Pensionäre und Rentner der Gewerkschaft Comisiones Obreras (CC.OO.) erhobenen Zahlen besagen, dass bis zu 28 Prozent der spanischen Haushalte einzig von der Rente der Großeltern unterhalten werden, Zahlen, die das Nationale Statistikamt (INE) in seiner Umfrage zur Finanzlage der Familien bestätigt.
 

Energiearmut: wenn du in deiner Wohnung nicht mehr heizen kannst

Im gleichen Maß, wie die Geißel der Arbeitslosigkeit einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung traf, stiegen die Zahl der unbezahlten Rechnungen und damit die Stromabschaltungen an, von denen im Jahr 2012 fast eine Million Haushalte betroffen waren. Zu Beginn der gingen für 3,6 Prozent der spanischen Bevölkerung die Lichter aus, Daten des Verbands der Umweltwissenschaften (Asociación de Ciencias Ambientales - ACA) zufolge sind aktuell 15 Prozent davon betroffen.
 

Verdruss: Politik(er) als Problem

 
Eine der einschneidendsten Folgen der jüngsten Wirtschaftskrise war die steigende Unmut gegenüber der spanischen Demokratie und ihren Repräsentanten.. Den Daten des Forschungszentrums für Soziologie (Centro de Investigaciones Sociológicas – CIS) zufolge nahm die Politik den dritten Rang unter den Besorgnissen der Spanier ein, gleich nach Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Problemen.
 
Der vorliegende Artikel gibt nicht notwendigerweise die Position des Goethe-Instituts wider.

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