Wiedervereinigung Geister der Vergangenheit

Das Brandenburger Tor 1961/2015, Montage
Foto (Ausschnitt): © pa-picture alliance | © A. Ehrlicher, B. Rehmann

25 Jahre Deutsche Einheit – am 3. Oktober 1990 beendete die Wiedervereinigung vier Jahrzehnte deutscher Teilung. Seither hat sich Deutschland verändert, vor allem in Berlin. Die Mauerstadt hat sich zu einer internationalen Metropole gewandelt, zu einer Attraktion für Besucher. Sind die Jahre der Teilung vergessen? Goethe.de nimmt das Jubiläum zum Anlass, in Bildern von heute an die Geschichte von gestern zu erinnern.

Als Ausgangsmaterial für das Fotoprojekt dienten historische Orts-Aufnahmen in Berlin, vom Anfang des Mauerbaus bis hin zur Wiedervereinigung. Aus nahezu gleicher Perspektive haben Axel Ehrlicher und Bettina Rehmann diese Standorte fotografiert und zu einem neuen Motiv komponiert, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart begegnen.

Das Brandenburger Tor

Das Brandenburger Tor 1961/2015, Montage © pa-picture alliance | © A. Ehrlicher, Bettina Rehmann Es ist eine der Hauptattraktionen für Berlin-Touristen und ein beliebtes Foto-Objekt – das geschichtsträchtige Brandenburger Tor. Am 13. August 1961 informierte sich der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt (Mitte, rechts neben ihm der Pastor und SPD-Politiker Heinrich Albertz), dort über die Aktivitäten an der Sektorengrenze in Berlin. In der vorangegangenen Nacht war sie bis auf wenige Übergänge abgeriegelt worden. Am frühen Morgen begannen die Bauarbeiten zu einer Sperranlage.

Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße

Checkpoint Charlie 1961/2015, Montage © pa-picture alliance | © A. Ehrlicher, B. Rehmann Sowjetische Panzer stehen am 28. Oktober 1961 am Sektorengrenzübergang Checkpoint Charlie für Diplomaten und Ausländer in der Friedrichstraße: Drohgebärden als Reaktion darauf, dass zuvor US-amerikanische Panzer unmittelbar an der Grenzlinie zwischen Ost- und Westberlin platziert wurden. Von den Konflikten des Kalten Krieges ist heute nichts mehr zu spüren: Die Friedrichstraße ist eine der beliebtesten Shoppingmeilen in Berlin.

Glienicker Brücke zwischen Berlin-Wannsee und Potsdam

Glienicker Brücke 1962/2015, Montage © pa-picture alliance | © A. Ehrlicher, B. Rehmann Heute ist sie eine wichtige Verbindungsstrecke zwischen Berlin und Potsdam, früher markierte die Glienicker Brücke eine Grenze zwischen der DDR und Westberlin. Lange Zeit durfte hier nur Militär passieren. Dreimal wurden in den Jahren des Kalten Krieges an der Glienicker Brücke hochrangige Agenten ausgetauscht, so auch am 10. Februar 1962. Überraschend entließ die Sowjetunion den US-Piloten Gary Francis Powers aus der Haft und übergab ihn den Amerikanern. Im Gegenzug ließen die USA den sowjetischen Spion Rudolf Iwanowitsch Abel frei. Das historische Foto entstand kurz nach dem Austausch.

Die Oberbaumbrücke in Friedrichshain-Kreuzberg

Die Oberbaumbrücke 1964/2015 © pa-picture alliance | © A. Ehrlicher, B. Rehmann Nicht nur nachts ist die Gewölbebrücke über die Spree heute Treffpunkt und Partymeile für Erlebnishungrige. Grund zur Freude hatten auch die Westberliner, die am Abend des 19. Dezembers 1964 den Grenzübergang Oberbaumbrücke passierten: Sie durften ihre Verwandten im Ostteil der Stadt über die Weihnachtsfeiertage besuchen. Mit dem Passierscheinabkommen war es im Jahr zuvor erstmals gelungen, die steinerne Mauer zwischen Ost- und Westberlin zeitweise etwas durchlässiger zu machen.

Der Alexanderplatz

Alexanderplatz 1976/2015, Montage Alexanderplatz (Montage): © pa-picture alliance | © A. Ehrlicher, B. Rehmann Es scheint sich nicht viel verändert zu haben – damals wie heute ist der Springbrunnen am Alexanderplatz ein beliebter Treffpunkt im Herzen Berlins: zum Ausruhen, entspannen oder Eis essen. 31 Grad im Schatten maß das Thermometer am 29. Juni 1976, Anlass für die Ostberliner, sich die Füße im Springbrunnen am Alex zu kühlen.

Die Bernauer Straße

Bernauer Straße 1982/2015, Montage © ullsteinbild – Jürgen Ritter | © A. Ehrlicher, B. Darauf warten, dass der Bus kommt – eine typische Alltagssituation, die sich über die Jahre der Teilung und Wiedervereinigung hinweg wohl treu geblieben ist. Bei dem Originalfoto von 1982 aus Ostberlin ist im Hintergrund allerdings noch die Berliner Mauer zu sehen. „Lummi“ ist darauf zu lesen – Heinrich Lummer war von 1981 bis 1986 Innensenator von Westberlin.

Die historische Mitte

Berlin-Mitte 1984/2015, Montage, Ausschnitt, Remix Montage: A. Ehrlicher, B. Rehmann CC BY-SA 3.0, historisches Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1984-0831-421 (CC BY-SA 3.0 de) zeitgenössisches Foto: K. Krämer Heute würden sie eine Baustelle betreten, zu DDR-Zeiten stand hier noch der Palast der Republik: ZK-Generalsekretär Erich Honecker (rechts), seine Frau Margot (vierte von rechts) und die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt (zweite von rechts) gehen am 31. August 1984 zum Sportlerball in den Sitz der Volkskammer, der regelmäßig für Veranstaltungen genutzt wurde. Nachdem im Dezember 2008 der letzte asbestverseuchte Gebäudeteil abgerissen worden war, beschloss man nach langen Debatten am Marx-Engels-Platz die historische Mitte Berlins wiederherzustellen: Seit 2013 laufen die Bauarbeiten zum Berliner Stadtschloss.

Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park

Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park 1987/2015, Montage, Ausschnitt, Remix Montage: A. Ehrlicher, B. Rehmann CC BY-SA 3.0, historisches Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1987-0727-24, Uhlemann Thomas (CC BY-SA 3.0 de) zeitgenössisches Foto: A. Ehrlicher, B. Rehmann Die einen posieren, die anderen paradieren am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park. Zu Staatsritualen und Massenveranstaltungen wie zu DDR-Zeiten wird es heute nicht mehr genutzt. Das war früher anders: Am 27. Juli 1987 gedachten Leninpioniere, Komsomolzen, Thälmannpioniere und FDJler der gefallenen sowjetischen Soldaten und Offiziere.

Die Bösebrücke auf der Bornhomer Straße

Bornholmer Straße 1989/2015, Montage, Ausschnitt, Remix Montage: A. Ehrlicher, B. Rehmann CC BY-SA 3.0, historisches Foto: Bundesarchiv, Bild Bild 183-1989-1118-028 (CC BY-SA 3.0) zeitgenössisches Foto: A. Ehrlicher, B. Rehmann Gestern ein Trabi, heute die Tram: Am 10. November 1989 bildeten Schüler aus dem Westberliner Stadtteil Wedding auf dem Grenzübergang Bornholmer Straße auf der Bösebrücke ein Spalier, um die Besucher aus der DDR zu begrüßen. In der Nacht zuvor war an diesem Übergang erstmals die Mauer geöffnet worden. Heute fließt hier ganz selbstverständlich der Verkehr zwischen den Stadtteilen Prenzlauer Berg und Wedding.

Der Reichstag

Der Reichstag 1990/2015, Montage © pa-picture alliance | © A. Ehrlicher, B. Rehmann Jubel, Fahnen, Feuerwerk – in der Nacht zum 3. Oktober 1990 feierten die Menschen die wiedergewonnene Einheit. Die gläserne Reichstags-Kuppel war damals noch Zukunftsmusik. Erst 1995 begann man mit dem Umbau des Reichstags zum Parlamentsgebäude.