Liliana

Liliana Infante, 42 Jahre, Mexiko Foto: Lili Marsans | CC BY-SA 2.0 ES

Liliana Infante, 42 Jahre, Mexiko. Illustratorin, seit dreizehn Jahren in Spanien. Hatte vor, ein Jahr in Italien zuzubringen und landete mit ihrem Partner in Barcelona. Mutter zweier Kinder.

“Geht man einmal weg aus Mexiko, ist es, als würde man sich zweiteilen, und danach gäbe es keinen Weg, sich wieder zusammenzusetzen. Du wirst zu einem anderen Menschen, es gibt kein Zurück. Sobald du irgendwo Wurzeln schlägst und eine Familie gründest, prägt dich das ungemein. Das Mutter-Sein verändert deine Identität, es geht durch dich komplett hindurch. Du bist eine bestimmte Person und wirst zu einer anderen.

Wenn ich mich hier nicht so ganz und gar verwurzelt fühle, hat das wohl damit zu tun, dass ich mich nicht ganz und gar akzeptiert fühle, denn ich habe Vorfälle von Rassismus erlebt. Es gibt da so etwas tief in mir, und manchmal bringt es mich ziemlich durcheinander, wenn ich denke, dass es womöglich mein Empfinden ist, sehr mexikanisch zu sein, was die Leute zurückweichen lässt. Manchmal weiß man nicht, ob man selbst sich nur so fühlt oder ob es die anderen sind, die einem dieses Gefühl eingeben. Den letzten Schritt, zu sagen, ich fühle mich als Teil dieser Gesellschaft, konnte ich noch nicht gehen. Irgendwie schon, aber nein.

Meine Beziehung zu Mexiko ist sehr eng. Diese Bindung habe ich nie abgebrochen, Mexiko ist richtig tief in meinem Sein verwurzelt. Ich liebe es sehr, es ist sehr in mir. Nach Mexiko zu gehen ist wie eine Injektion von Glück, das gibt Energie, zurückkehren und die Familie wiedersehen.

Aber auch wenn wir jetzt beschließen würden, nach Mexiko zurückzukehren, würde mich das irgendwie zerteilen. Ich will meine Kinder nicht von ihren Großeltern trennen. Das Leben vervielfältigt sich, zerteilt sich in Elemente. Das hat sehr schöne Seiten, aber auch traurige.”