Olgi

Olgi, 26 Jahre, Ankara Gema Segura | CC BY-SA 2.0 ES

Name: Olgi
Alter: 26 Jahre
Geburts- und Aufenthaltsort: Ich bin in Ankara geboren und lebe in Madrid
Beruf: Musiker und Schauspieler

Wie würdest du deine Identität beschreiben?

Ich glaube nicht an Nationalitäten. Ich denke, unser ganzes Denken funktioniert auf der Grundlage einer Sprache. Ich bin Türke, weil mein Gehirn auf Türkisch denkt. Meine Sprache ist sehr poetisch. Es gibt Wortspiele, die reizen den Muskel der Vorstellungskraft in der alltäglichen Kommunikation. Die spanische Kultur empfinde ich als sehr nah an meiner. Die Interjektionen, die Wörter zum Ausdrücken von Gefühlen des Spanischen nehme ich als dem Türkischen sehr ähnlich wahr.

Fühlst du dich zugehörig an einem Ort? An mehreren? Welcher oder welche sind das?

Ich bin immer herumgereist und fühlte mich als Weltbürger. Mein Vater war Militär, es gehörte zu seinem Job, dass er alle drei Jahre in eine andere Stadt versetzt wurde. Die ständigen Schul- und Freundeskreis-Wechsel haben mich zweifeln lassen, ob ich an einen Ort gehöre. Ich hatte nicht diesen einen Ort, an dem man aufwächst. Und heute ist das nicht anders. Ich bin unterwegs.

Welche Faktoren spielen bei dieser Identifikation eine Rolle? Woraus besteht sie?

Mich überrascht immer wieder, wie laut in der spanischen Alltagskultur geredet wird. Auch der Umgang mit der Zeit ist ziemlich merkwürdig. Aufgrund der Essenszeiten habe ich eigentlich immer Hunger. Aber ich finde Spanien toll. In der Türkei fühle ich mich immer wie im Dschungel. Man muss auf der Hut sein, denn der Umgang ist aggressiver, die Laute sind animalischer und die Blicke herausfordernd. Hier geht es viel entspannter zu, man geht lässiger und ruhiger miteinander um. Ich habe in Madrid Freunde gefunden, mit denen ich mich sehr gut verstehe. Ich glaube, die Gesellschaft ist hier offener, zum Beispiel gegenüber Schwulen. Ich fühle mich dadurch viel entspannter und wünsche mir, dass auch in meinem Land solche Freiheiten herrschten für meine Freunde, die sich deswegen verstecken müssen. Hier in Madrid fühle ich mich zu Hause.

Das Konzept einer hybriden Identität, bedeutet das für dich etwas? Oder sagt dir das nichts?

Zweisprachig sein ist wie zwei Personen in einer. Jede der Sprachen eröffnet mir eine Perspektive. Die Art, wie Sprache eingesetzt wird, interessiert mich sehr. Während meines Studiums habe ich mich sehr mit dem Funktioineren von Texten beschäftigt.

Empfindest du deine Situation eher als eine Bereicherung oder als einen Mangel?

Ich spiele in zwei Bands, die Musik auf der Straße machen, und bin sehr glücklich, wenn ich meine Projekte verwirklichen kann. Ich lebe gern in Spanien.