Yelena

Yelena, 606 Monate, Belgrad Gema Segura | CC BY-SA 2.0 ESg

Yelena

Name: Jelena
Alter: 606 Monate
Geburts- und Aufenthaltsort: Ich bin in Belgrad geboren und lebe seit fünfundzwanzig Jahren in Spanien. Seit zehn Jahren in Madrid.
Beruf: Scheinselbständige Künstlerin und künftige selbsteingebildete Großmutter.

Wie würdest du deine Identität beschreiben?

Ich bin nicht von hier, aber ich bin auch nicht aus Serbien, ich würde sagen, ich bin aus Belgrad. Diese Stadt war meine Lehrerin und Mentorin; ihre Straßen und Hauseingänge, ihre Lieben und ihre Hassattacken.
Fühlst du dich zugehörig an einem Ort? An mehreren? Welcher oder welche sind das?
Meine Situation ist so etwas Duales im Rahmen eines obligatorischen Nomadentums. Ich lebe seit einem Vierteljahrhundert in Spanien: seitdem sich der Bürgerkrieg in Jugoslawien abzeichnete. Ich habe in Barcelona gelebt. Ich passe mich den Städten an und schlage Wurzeln. Ich habe meine Familie gefunden, Freunde und freundschaftliche Beziehungen. Ich lebe in einem “switch”, in Spanien denke ich auf Spanisch, wenn ich in Serbien bin, passe ich mich genau so an… am dritten Tag fehlen mir glatt die Worte auf Spanisch.

Welche Faktoren spielen bei dieser Identifkation eine Rolle? Woraus besteht sie?

Als ich hierher kam, war ich 25. Von jetzt aus betrachtet, bin ich ab der Hälfte meines Lebens von hier. In Madrid habe ich meine Familie, meine Kinder und meine Freunde. Die Art, wie man mit der Zeit und dem Essen umgeht, das begeistert mich an Spanien.

Das Konzept einer hybriden Identität, bedeutet das für dich etwas? Oder sagt dir das nichts?

Ich bin nicht von hier und nicht aus Serbien. Meine Wurzeln sind jugoslawisch, aber ich schreibe mein  Leben beständig fort. Ich gehöre zu dem Ort, an dem ich mich gerade befinde.

Empfindest du deine Situation eher als eine Bereicherung oder als einen Mangel?

Spanien war das Land, das ich gewählt habe, um vor dem Krieg zu fliehen, den man in Belgrad spüren konnte. Es war das Land, in dem ich aufgenommen wurde und wo ich meine Familie begründet habe. Ich empfinde Madrid als eine ganz entscheidende Stadt für mich.