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„Ich bin dein Mensch“, Maria Schrader
Ro(bo-)mantische Komödie

Fimstill aus „Ich bin dein Mensch“, Maria Schrader, 2021
Fimstill aus „Ich bin dein Mensch“, Maria Schrader, 2021 | © Christine Fenzl, Maria Schrader

Der dritte Spielfilm der deutschen Regisseurin ist eine Mischung aus Science-Fiction, Dystopie und romantischer Komödie mit zwei sensationellen Darbietungen von Dan Stevens und Maren Eggert.

Von Miguel Muñoz Garnica

Mit seiner Eröffnungsszene in einem eleganten Restaurant macht Ich bin dein Mensch deutlich, worum es in dem Film gehen soll: um einen ganz und gar unerwarteten Paartanz. An diesem Punkt hat der Film bereits seine Trumpfkarten ausgespielt, wenn die beiden Hauptdarsteller*innen mit ausdrucksstarker Körperlichkeit agieren, noch bevor ein Wort gesprochen wurde. Dan Stevens (Tom) als perfekter romantischer Verführer und Maren Eggert (Alma) als perfekter Workaholic, der es an der nötigen Zeit und Bereitschaft für die Liebe fehlt. Ihr Tanz zu Beginn stellt ein Duell dar zwischen einem unwiderstehlichen Flirt und kühlem Widerstand, das bald darauf durch einen plötzlichen Glitch ins Wanken gerät. Tom macht eine widernatürlich Halsbewegung und wiederholt stets ein und denselben Satz, der verrät, dass er in der Tat zu perfekt war. Tom entpuppt sich als Roboter mit einem Algorithmus, der auf Almas Persönlichkeit zugeschnitten ist und dafür sorgen soll, dass sie sich unsterblich in ihn verliebt. Alma, eine skeptische Testerin dieses „Produkts“ in der Prüfphase vor seiner Markteinführung.

Ein unerwarteter Tanz

So entspricht die Idee des unerwarteten Tanzes auch dem Genre-Mix von Schraders drittem Spielfilm, der sich mühelos zwischen Science-Fiction, Dystopie und romantischer Komödie bewegt. Letztere gibt den Ton an: Der fantastische Aspekt des Films beschränkt sich auf seine Prämisse – und ganz nebenbei auf eine unvergessliche Szene, in der Maren Eggert auf Hologrammen tanzt – ansonsten setzt der Film ganz auf die Fähigkeiten der beiden Darsteller*innen. Stevens braucht keine Spezialeffekte, um seiner Darstellung des perfekten Mannes eine klar erkennbare Künstlichkeit zu verleihen, welche im Kontrast zu der Mischung aus Undurchsichtigkeit und Bestimmtheit steht, die Eggerts Darbietung so faszinierend anzusehen macht. Ein seltsames Paar, das in jeder Alltagssituation ein enormes Potential entfaltet.
Fimstill aus „Ich bin dein Mensch“, Maria Schrader, 2021 Fimstill aus „Ich bin dein Mensch“, Maria Schrader, 2021 | © Christine Fenzl, Maria Schrader

Die Liebe und der Andere

Jenseits seiner Genre-Zuschreibungen und seines spielerischen Tonfalls eignet sich Ich bin dein Mensch unweigerlich für eine kritische Lektüre. Schrader weist vor allen Dingen auf die egoistische Natur der Liebe hin. Wir entdecken, dass Alma – entgegen ihrer scheinbaren Kälte vom Anfang – sich Tom nicht widersetzt, weil sie die Liebe ablehnt, sondern gerade weil sie an sie glaubt. Denn sie ist überzeugt, dass ein Algorithmus, der auf die Vorlieben und Erwartungen seines*seiner Nutzer*in zugeschnitten ist, das genaue Gegenteil der Liebe ist – so perfekt er auch die menschliche Gestalt imitieren mag: Anstatt sich dem Anderen gegenüber zu öffnen bedeutet er, sich in sich selbst zu verbarrikadieren. Allerdings führt der längere Kontakt mit Tom (und hier vollzieht der Film seine finale Wendung) dazu, dass Tom an den Rand eines Kurzschlusses gerät, wenn seine Moral und seine Handlungen miteinander kollidieren. So läuft alles auf die Botschaft hinaus, dass es unwiderstehlich und beängstigend zugleich ist, unsere Wünsche voll und ganz zu befriedigen. Dass das Problem vielleicht nicht die Einsamkeit ist, sondern dass wir sie noch nicht perfektioniert haben.

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