Daniel Kehlmann

Daniel Kehlmann wird 1975 in München geboren. 2005 erscheint sein bislang größter Erfolg: der mit über 2 Millionen verkauften Exemplaren und in zahlreiche Sprachen übersetzter Roman Die Vermessung der Welt. Darin verbindet Kehlmann die Lebensgeschichten des Mathematikers C. F. Gauß und des Naturforschers A. von Humboldt mit fiktionalen Elementen.
Daniel Kehlmann wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Candide-Preis, dem Kleist-Preis sowie dem Thomas Mann-Preis.

Ins Spanische und Katalanische übersetzte Werke:
Tyll; F; La noche del  ilusionista; Fama : una novela en nueve historias;
Yo y Kaminski; La medición del mundo
Fama : una novel·la en nou històries; El mesurament del món

Daniel Kehlmann wird 1975 in München geboren. Er studiert Literaturwissenschaften und Philosophie in Wien. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit schreibt Kehlmann als Essayist und Kritiker für Magazine und Zeitungen wie Der Spiegel, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung und ist als Gastdozent tätig. Kehlmann lebt in Wien und Berlin.
1997 erscheint sein erster Roman Beerholms Vorstellung. Ich und Kaminski bringt ihm 2003 den Durchbruch. Darin schildert Kehlmann den Versuch des Ich-Erzählers, eines selbsternannten Kunstkritikers, durch eine Biographie über den alten und blinden Malers Kaminski seine eigene Karriere anzukurbeln. 2005 erscheint sein bislang größter Erfolg: der mit über 2 Millionen verkauften Exemplaren und in zahlreiche Sprachen übersetzter Roman Die Vermessung der Welt. Darin verbindet Kehlmann die Lebensgeschichten des Mathematikers Carl Friedrich Gauß und des Naturforschers Alexander von Humboldt mit fiktionalen Elementen. Die beiden Hauptfiguren werden als geniale, ehrgeizige Forscherfiguren porträtiert und auf ironisch-humoristische Weise in ihrem Scheitern an den eigenen Ansprüchen entzaubert. Kehlmann sagt über die Entstehung von Die Vermessung der Welt, er habe „wie ein verrückt gewordener Historiker“ schreiben wollen. Der Autor bleibt sich auch im durchaus selbstironisch betitelten Ruhm – ein Roman in neun Geschichten (2009) treu. Darin vernetzt er geschickt die von ihm selbst entworfene Geschichte mit der einer fiktiven Schriftstellerfigur namens Leo Richter und überschreitet dabei die logischen Grenzen der verschiedenen Realitätsebenen. Im Roman F (2013) erzählt Kehlmann die Geschichte dreier Brüder, die sich als Kunstfälscher, katholischer Priester und Finanzberater im Leben eingerichtet haben, jedoch unvermutet vor dem Abgrund stehen. Kunst, Kirche und Finanzwelt geben dabei eine gute Projektionsfläche für zynische Betrachtungen ab.

Daniel Kehlmann wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Candide-Preis, dem Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Doderer-Preis, dem Kleist-Preis 2006 sowie dem Thomas Mann-Preis 2008.

Copyright: Goethe-Institut Barcelona
Text: Ilka Haederle

 
ÜBERSETZT INS SPANISCHE

Tyll
Trad. de Isabel García Adánez
Literatura Random House, Barcelona 2019

F
Trad. de Helena Cosano Nuño
Literatura Random House, Barcelona 2015

La noche del  ilusionista
Trad. de Helena Cosano
Nocturna Ediciones, Madrid 2015

Fama : una novela en nueve historias
Trad. de Helena Cosano
Anagrama, Barcelona 2009

Yo y Kaminski
Übersetzt von Rosa Pilar Blanco
Acantilado, Barcelona 2005

La medición del mundo
Übersetzt von Rosa Pilar Blanco
Ediciones Maeva, Madrid 2006


ÜBERSETZT INS KATALANISCHE

Fama : una novel·la en nou històries
Trad. de Francesc Rovira
Empúries, Barcelona 2009

El mesurament del món
Übersetzt von Lidia Álvarez Grifoll
Angle, Barcelona 2007


IN DEUTSCHER SPRACHE

Romane

Tyll
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2017

F
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2013

Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2009

Die Vermessung der Welt
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005

Ich und Kaminski
Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2003

Mahlers Zeit
Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1999

Beerholms Vorstellung
Deuticke, Wien 1997

Erzählungen
Du hättest gehen sollen
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2016

Requiem für einen Hund
Ein Gespräch (mit Sebastian Kleinschmidt)
Matthes & Seitz, Berlin 2008

Der fernste Ort
Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001

Unter der Sonne
Deuticke, Wien 1998

Essays
Kommt, Geister. Frankfurter Poetikvorlesungen
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2015

Diese sehr ernsten Scherze
Göttinger Poetikvorlesungen
Wallstein, Göttingen 2007

Wo ist Carlos Montúfar?
Rowohlt, Reinbek 2005

Sonstiges
Lob: Über Literatur
Sammlung
Rowohlt, Reinbeck bei Hamburg 2010

Leo Richters Porträt
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2009
Geboren 1975 in München
                                                         
1981 Übersiedlung nach Wien; Studium der Philosophie 
  und Literaturwissenschaft; Promotion über Kant
1998  Förderungspreis des BDI (Bundesverband
  der deutschen Industrie)
2000 Stipendium des Literarischen Colloquiums, Berlin
2001 Gastdozentur an der Universität Mainz
2003 Förderpreis des Österreichischen Bundeskanzleramtes
2005 Candide-Preis der Stadt Minden
2006 Heimito-von-Doderer Literaturpreis
  Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung
  Heinrich-von-Kleist-Preis
2007 WELT-Literaturpreis
  Grand Prix du Livre des dirigeants 
2008 Per Olof Enquist-Preis
  Thomas Mann-Preis
  Mitglied im Autorenforum "Treffen der 13"
2010 Prix Cévennes du roman européen für Gloire (Ruhm)
2012 Nestroy-Theaterpreis
2014 Frankfurter Poetik-Dozentur
2018 Frank-Schirrmacher-Preis
  Friedrich-Hölderlin-Preis
   
  lebt in Berlin und New York
Aus: Die Vermesseung der Welt

Gauß versuchte zu lesen, sah jedoch schon Sekunden später auf und beklagte sich über die neumodische Lederfederung der Kutsche; da werde einem ja noch übler, als man es gewohnt sei. Bald, erklärte er, würden Maschinen die Menschen mit der Geschwindigkeit eines abgeschossenen Projektils von Stadt zu Stadt tragen. Dann komme man von Göttingen in einer halben Stunde nach Berlin. 
Eugen wiegte zweifelnd den Kopf.
Seltsam sei es und ungerecht, sagte Gauß, so recht ein Beispiel für die erbärmliche Zufälligkeit der Existenz, daß man in einer bestimmten Zeit geboren und ihr verhaftet sei, ob man wolle oder nicht. Es verschaffe einem einen unziemlichen Vorteil vor der Vergangenheit und mache einen zum Clown der Zukunft.
Eugen nickte schläfrig.
Sogar ein Verstand wie der seine, sagte Gauß, hätte in frühen Menschheitsaltern oder an den Ufern des Orinoko nichts zu leisten vermocht, wohingegen jeder Dummkopf in zweihundert Jahren sich über ihn lustig machen und absurden Unsinn über seine Person erfinden könne. Er überlegte, nannte Eugen noch einmal einen Versager und widmete sich dem Buch. Während er las, starrte Eugen angestrengt aus dem Kutschenfenster, um sein vor Kränkung und Wut verzerrtes Gesicht zu verbergen.
In der Deutschen Turnkunst ging es um Gymnastikgeräte. Ausführlich beschrieb der Autor Vorrichtungen, die er sich ausgedacht hatte, damit man auf ihnen herumklimmen könne. Eine nannte er Pferd, eine andere den Balken, wieder eine andere den Bock.
Der Kerl sei von Sinnen, sagte Gauß, öffnete das Fenster und warf das Buch hinaus.
Das sei seines gewesen, rief Eugen.
Genau so sei es ihm vorgekommen, sagte Gauß, schlief ein und wachte bis zum abendlichen Pferdewechsel an der Grenzstation nicht mehr auf.

Die Vermesseung der Welt, S. 8-9
© Rowohlt, Reinbek 2005
F
Die Biografien der vaterlos aufgewachsenen Brüder sind der Stoff, an dem Daniel Kehlmann die Frage (noch ein F-Wort!) durchdeklinieren will, ob und inwieweit der Einfluss einer metaphysischen Instanz namens "Schicksal" oder "Vorsehung" auf das menschliche Leben nachweisbar oder wahrscheinlich ist.
Kristina Maidt-Zinke, Süddeutsche Zeitung 2013
 
Ruhm
„Kehlmann erweist sich mit diesem Roman als ein sehr zeitgemäßer Romantiker, ein philosophischer Geschichtenerzähler aus jenen Zeiten, in denen die romantische Ironie erfunden, das Spiel von Zufall und Notwendigkeit zum Fiktionsprinzip erhoben und Spiegel, Wieder- und Doppelgänger zu Lieblingsmotiven einer Epoche wurden. Man muss nichts von solchen Bezügen bemerken, um dieses Buch mit dem größten Vergnügen zu lesen. Es gibt in der deutschen Gegenwartsliteratur keinen Autor, der eine derart virtuose Beherrschung des Handwerks mit so viel Welt- und Lebensklugheit verbindet und dabei so temporeich und pointensicher, so unverschämt unterhaltsam erzählt.“
Heinrich Detering, Frankfurter Allgemeine Zeitung 2009
 
Die Vermessung der Welt
 „Die Vermessung der Welt […] ist nicht nur ein schönes, packendes und spannendes, es ist auch ein großes Buch geworden: das Alterswerk eines jungen Schriftstellers, ein genialer Streich. Daniel Kehlmann verfügt souverän über seinen Stoff und lässt darum, leicht augenzwinkernd, uns an dem Projekt teilhaben, das nur gelingen kann, wenn es scheitert. Der Mensch, der die Natur vermessen will, bleibt eben immer auch Teil der Natur. Vermessen - auch der Begriff bleibt ebenso doppelsinnig wie das, was man vermisst.“
Martin Lüdtke, Frankfurter Rundschau, 28.09.2005