Buchmarkt in Deutschland

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Informationen für Buchhändler und Bibliothekare

Sie wollen sich über den deutschen Buchmarkt informieren? Hier können Sie sich über die wichtigsten Punkte wie Umsatz, Neuerscheinungen, Vertriebswege, Publikationsformen, aber auch Leseverhalten und Trends einen Überblick verschaffen.
Wussten Sie zum Beispiel, dass die E-Book-Umsätze seit einigen Jahren trotz steigender Verkäufe von E-Books stagnieren oder dass in den Top-Ten der jährlich am meisten verkauften Bücher Gesetzestextsammlungen zum Bürgerlichen Recht, zum Arbeitsrecht und zum Handelsrecht regelmäßig vertreten sind und das trotz kostenloser Online-Angebote, in denen die Texte regelmäßig aktualisiert werden?
Das Förderprogramm des Goethe-Instituts „Übersetzungen deutscher Bücher in eine Fremdsprache“ unterstützt die Publikation deutscher Literatur in anderen Sprachen.

(Verfasser der nachfolgendenTexte: Michael Schremmer)

Auch wenn sich für Käufer und Leser von Büchern der Nutzen aus dem Inhalt einer Publikation, sei es zur Freizeitgestaltung, zur intellektuellen Anregung, zur Unterhaltung, zum Wissenserwerb, zur Weiterbildung oder sonstigen Zwecken ergibt, sind es letztendlich die Zahlen, die den am Buchmarkt tätigen Akteuren wie Verlagen, Buchhändlern und Autoren zeigen, wie sich das Buchgeschäft entwickelt, welche Trends  feststellbar sind und wie aus wirtschaftlicher Sicht darauf reagiert werden kann und muss. Die Buchproduktion hat nicht nur eine intellektuelle Seite, sondern ist vor allem auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. International besitzt Deutschland den drittstärksten Buchmarkt weltweit.

Die neuen Medien haben vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten den Buchmarkt, so wie er bis dahin existierte und sich über einen Zeitraum von fast 500 Jahren entwickelt hat, kräftig durcheinandergewirbelt. Auch wenn sich Vorhersagen aus den 1990er Jahren, dass es in naher Zukunft keine gedruckten Bücher mehr geben werde, als nicht zutreffend erwiesen haben, ist die Zukunft gedruckter Publikationen, vor allem auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, immer noch nicht sicher vorhersehbar.

Studien zum Lese- und Kaufverhalten der Deutschen versuchen sich in Prognosen für die Zukunft, an denen sich die Buchproduktion und der Buchhandel orientieren können. Neue Publikationsformen wie das elektronische Publizieren, E-Books, „Publishing on Demand“ oder Hörbücher haben nicht nur die altbewährten Geschäftsmodelle der Verlage und Medienunternehmen in Frage gestellt, sondern auch und vor allem die des Buchhandels. Das Internet und der Online-Handel haben insbesondere für den Vertrieb der Produkte neue Möglichkeiten eröffnet und damit nicht zuletzt die Ländergrenzen aufgehoben. Die Globalisierung macht auch vor dem Buchmarkt nicht halt.

Aber auch die Bibliotheken stehen vor neuen Herausforderungen. Um ihrem Auftrag, das vorhandene Wissen zu sammeln und den Interessierten zur Verfügung zu stellen, weiterhin nachkommen zu können, waren und sind erhebliche Investitionen in eine neue Infrastruktur für elektronische Publikationen erforderlich.
Seit Mitte der 1990er-Jahre ist der Markt für Audiobücher kontinuierlich gewachsen. Der jährliche Gesamtumsatz in Deutschland wird derzeit auf rund 350 Mio. Euro geschätzt. Für die meisten Käufer stellt, so das Ergebnis von Umfragen, das Hörbuch keine Konkurrenz zum Buch dar, sondern wird als Ergänzung betrachtet. 2015 gehörten von allen verkauften Audiobüchern 40,3 % zum Bereich der Belletristik und 45,8 % zur Kinder- und Jugendliteratur. Dann folgen mit einem weiten Abstand Ratgeber mit einem Umsatzanteil von 6 %.

Audiobücher werden von über 500 Verlagen angeboten. Lieferbar sind über 30.000 Hörbücher, jedes Jahr kommen rund 2.000 Neuerscheinungen hinzu. Immer mehr Hörbücher, Schätzungen gehen von 15-20 %  aller Hörbücher aus, stehen bei Portalen wie Audible.de, Claudio.de, Soforthoeren.de und iTunes zum Herunterladen bereit.
Das Auslandsgeschäft, vor allem der Handel mit Lizenzen, hatte und hat schon immer eine große Bedeutung für die deutschen Verlage. Etwa zwei Drittel aller deutschen Verlage sind international aktiv, und vor allem Fachverlage haben ihr internationales Geschäft in den letzten Jahren deutlich verstärkt und ausgebaut.

Deutschsprachige Literatur ist im Ausland gefragt. Seit dem Jahr 2000 (4.759 verkaufte Lizenzen) ist die Zahl der verkauften Lizenzen deutscher Verlage ins Ausland noch einmal stark gestiegen. In 2017 wurden 7.856 Lizenzen vergeben, was eine nochmalige deutliche Steigerung von 7,5 % im Vergleich zu 2016 bedeutet. Die meisten Lizenzen wurden in der Gruppe Kinder- und Jugendbuch (2.677 Lizenzen) verkauft.

2017 wurden 16,1 % aller Lizenzen ins chinesische, 6,6 % ins türkische und an dritter Stelle 6,0 % ins spanische Sprachgebiet verkauft.  Seit 2016 werden dabei in der Statistik Spanisch und Katalanisch zusammengefasst, so dass ein Vergleich mit früheren Statistiken nur noch eingeschränkt möglich ist. Der Verkauf von Lizenzen ins englische Sprachgebiet betrug 2017 nur noch 4,7 % aller Lizenzen und lag damit noch hinter dem Verkauf ins russische (5,5 %), tschechische, französische (je 4,8 %) und fast gleichauf mit dem niederländischen (4,6 %) Sprachgebiet. Betrachtete man die Lizenzvergabe nach Ländern, so wurden 2017 die meisten Lizenzen, wie seit einigen Jahren schon, nach China (1.261) verkauft, an zweiter Stelle folgt die Türkei (522) und an dritter Stelle Spanien (469 Lizenzen).
 
warengruppe verkaufte Lizenzen deutscher verlage nach Spanien in 2017
Belletristik 89
Kinder- und Jugendbücher 128
Ratgeber 49
Sachbuch 50
Schule und Lernen 8
Reise 1
Geisteswissenschaften, Kunst, Musik 110
Naturwissenschaften, Medizin, Informatik, Technik 20
Sozialwissenschaften, Recht, Wirtschaft 14
 
Jahr

 
Gesamtzahl der von deutschen verlagen nach Spanien vergebenen Lizenzen
2005 529
2006 572
2007 589
2008 406
2009 357
2010 646
2011 498
2012 477
2013 457
2014 324
2015 412
2016 438
2017 469

 
Übersetzungen

Der Übersetzungsmarkt in Deutschland ist trotz einiger Schwankungen in den letzten Jahren stabil. Seit 2009 erschienen jährlich ca. 10.000 Übersetzungen aus anderen Sprachen ins Deutsche, 2017 waren es 9.890. Bei einer Gesamtzahl an Neuerscheinungen auf dem deutschen Markt in 2017 von 82.636 Titeln, davon 72.499 Erstauflagen, fallen somit 12,4% auf Übersetzungen. Englisch dominiert, wie seit vielen Jahren, weiterhin als Ausgangssprache für Übersetzungen ins Deutsche (64,2 %), Französisch (11,5 %)  folgt wie auch in den Vorjahren auf dem zweiten Platz. Auch mit Japanisch (6,2 %) hat es auf Platz drei keine Veränderungen gegeben. Andere Sprachen liegen mit deutlichem Abstand dahinter, Übersetzungen aus dem Spanischen auf Platz 7 (1,4 %).
 
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist die Berufsorganisation der Buchhändler und der Verlage in Deutschland. Ende 2016 hatte der Börsenverein 4.816 Mitglieder, davon waren 2.964 Firmen und Unternehmer des Verbreitenden Buchhandels (Buchhändler) und 1.688 Firmen und Unternehmer des Herstellenden Buchhandels (Verlage und Verleger). Im Verlagsbuchhandel sind derzeit ca. 24.000 Mitarbeiter (2017: 24.131), im Bucheinzelhandel ca. 29.000 Mitarbeiter (2017: 28.800) beschäftigt. Zu den Aktivitäten des Verbandes gehört die Entwicklung von Marketingstrategien für das Buch, die effektive Gestaltung von Handelsbeziehungen zwischen Buchhandel und Verlag und die Beratung der Gesetzgeber im Urheber- und Verlagsrecht. Die Verbandszeitschrift Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel erscheint wöchentlich und enthält neben redaktionellen Beiträgen viele Anzeigen für neue Bücher. Der traditionsreiche Verband der Buchhändler und Verleger vertritt die Interessen von zahlreichen buchhändlerischen Betrieben.

Gegründet 1825, vertritt der Verein nicht nur die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder, sondern nimmt auch einen kulturpolitischen Auftrag wahr. Jedes Jahr wird während der Frankfurter Buchmesse der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels vergeben, einer der bedeutendsten Kulturpreise der Bundesrepublik Deutschland. Seit 1994 wird anlässlich der Leipziger Buchmesse der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung vergeben.

Schätzungen gehen davon aus, dass es ca. 7.000 Verlage in Deutschland gibt. Statistisch erfasst werden jedoch nur die Buchverlage, die im Jahr mindestens einen Umsatz von 17.500 € ohne Mehrwertsteuer erzielen. 2014 waren dies 2.117 Verlage. Nachdem die Anzahl dieser Verlage von 2008 (2.787) im Jahre 2009 (auf 2.193) deutlich gesunken ist, bleibt sie seitdem mit leicht sinkender Tendenz stabil.
Die Zahl der Buchhandlungen (Einzelhandel), die statistisch erfasst werden, Voraussetzung ist wie bei den Verlagen ein jährlicher Umsatz von mindestens 17.500 € ohne Mehrwertsteuer, lag 2014 bei 3.803.
 
Wie im Verlagswesen, hält auch im Buchhandel die Tendenz zur Konzentration an. Die kleinen und spezialisierten Buchhandlungen haben es weiterhin schwer, sich gegen den Internetbuchhandel und die vor allem in größeren Städten existierenden Buch- und Medienkaufhäuser zu behaupten.
Die Anzahl der Buchhandlungen hat sich von 4.290 in 2009 auf 3.803 in 2014 verringert. Betroffen von Geschäftsaufgaben sind vor allem kleine Buchhandlungen mit Umsätzen bis 250.000 € im Jahr. Ihnen macht vor allem die Konkurrenz der Internetbuchhandlungen und der damit verbundene Umsatzrückgang zu schaffen, aber auch das Sinken der durchschnittlichen Preise pro Buch.

In Deutschland gilt die Buchpreisbindung, d.h., alle der Buchpreisbindung unterliegenden Publikationen dürfen nur zu einem einheitlichen, „gebundenen“, Ladenpreis verkauft werden. Der vom Verlag festgelegte Preis ist für alle Verkäufer in ganz Deutschland verbindlich. Rechtsgrundlage ist das Buchpreisbindungsgesetz (BuchPrG).  Ob E-Books der Preisbindung unterliegen, war bisher nicht klar geregelt. Diese Unklarheit hat die Bundesregierung nunmehr durch eine am 1. September 2016 in Kraft getretene Gesetzesänderung des Preisbindungsgesetzes klar geregelt. Die Buchpreisbindung gilt nun definitiv auch für E-Books. Immer noch ausgenommen von der Preisbindung sind Hörbücher, für sie gilt die Buchpreisbindung nicht.

Gängige Titel sind in jedem Buchhandel innerhalb von 1 bis 2 Tagen lieferbar. Dafür sorgen das einheitliche EDV-System für Bestellung und Abrechnung und die Serviceleistungen der Buchgroßhändler (Barsortimente).

Der geschätzte Gesamtumsatz der Buchbranche in Deutschland betrug in 2017 9.131 Mio. Euro (2016: 9.276 Mio. Euro). Dies bedeutet einen leichten Rückgang zum Vorjahr in Höhe von 1,6 %. Der Umsatz bewegt sich damit wieder auf der Höhe des Jahres 2005, nachdem 2010 mit ca. 9.702 Mio. Euro ein Spitzenwert verzeichnet werden konnte. Damit hat der Buchhandel in Deutschland trotz des rasanten Medienumbruchs in den letzten 10 Jahren seine Marktanteile in etwa halten können.
 
Vom Gesamtumsatz 2017 entfielen auf die einzelnen Vertriebswege:
 
Vertriebsweg Umsatz Anteil am Gesamtumsatz der Branche in % Veränderung zum Vorjahr in %
Sortimentsbuchhandel 4,30 47,1 -2,0
Verlage direkt 1,94 21,3 0,0
Internetbuchhandel 1,71 18,8 +1,5
Versandbuchhandel 0,13 1,4 -20,9
Warenhäuser 0,13 1,4 -3,7
Buchgemeinschaften 0,03 0,3 -5,0
Sonstige Verkaufsstellen 0,89 9,8 -4,6

Der Internetbuchhandel hat nach stagnierenden bzw. rückläufigen Umsätzen in den vergangenen Jahren (z.B. Rückgang in 2014 zum Vorjahr -3,1 %) mit einem leichten Plus  in den letzten Jahren wieder deutlich zugenommen. Der Umsatzanteil der Versandbuchhändler ist erneut stark gesunken, dieser Vertriebsweg wird wohl keine Zukunft mehr haben. Die starken Rückgänge im Buchclubgeschäft waren bereits eine Auswirkung der Ende 2015 vorgenommenen Schließung des Bertelmann Buchclubs, der nach 65 Jahren seine Tätigkeit einstellte. Der Club hatte zu seinen besten Zeiten Anfang der 1990er Jahre in Deutschland ca. sieben Millionen Buchclub-Mitglieder und 320 Filialen. Der Umsatz lag damals bei ca. 700 Mio. Euro im Jahr.

Viele Buchhandlungen bieten neben dem Verkauf im Ladengeschäft zusätzlich einen Online-Bestellservice an, um so einen Teil der Umsätze, die sonst dem Internetbuchhandel zufallen würden, zu behalten. Buch und Medien online ist ein Service der Buchhändler-Vereinigung. Kunden recherchieren und bestellen online, abgeholt und bezahlt wird das Buch in der Buchhandlung.

Bei der Verteilung der verkauften Publikationen auf einzelne Warengruppen haben sich, wie in den Vorjahren auch, keine großen Verschiebungen ergeben.
 
warengruppe Anteil am Gesamtumsatz in % Veränderung zum Vorjahr in %
Belletristik 31,9 -1,0
Kinder- und Jugendbücher 16,3 -2,3
Ratgeber 14,3 -2,5
Sachbuch 9,9 -2,3
Schule und Lernen 10,9 +0,9
Reise 5,9 -2,0
Geisteswissenschaften, Kunst, Musik 4,6 -6,0
Naturwissenschaften, Medizin, Informatik, Technik 3,8 -1,4
Sozialwissenschaften, Recht, Wirtschaft 2,5 -1,4
* Anteil der einzelnen Warengruppen am Gesamtumsatz in 2017

Bei den Erstauflagen, „Novitäten“, dominiert auch 2017 wieder die Belletristik mit 14.273 Titeln (2016: 13.891 Titel). Das entspricht 19,7 % der Erstauflagen. Auf Platz 2 folgt der Bereich der Deutschen Literatur (erfasst vor allem literaturwissenschaftliche Publikationen) mit 10.824 Titeln und einem Anteil von 14,9 % an den Erstauflagen, gefolgt vom Kinder- und Jugendbuch mit 8.752 Erstauflagen, entspricht 12,1 % Anteil in 2017 und dem Schulbuch mit 5.489 Titeln. Die Zahl der Neuerscheinungen im Schulbuchbereich ist damit wieder deutlich gestiegen (2016: 4.966 Neuauflagen) und erreicht jetzt einen Anteil von 7,6 % an den Erstauflagen.

Die Anteile der einzelnen Editionsformen am Gesamtumsatz in 2017 betrugen für Hardcover 75,1 %, für Taschenbücher 21,8 % und für Hörbücher 3,1 %.

Betrachtet man die Entwicklung der Käufer im Publikumsbuchmarkt, der 2017 einen Umsatz von 4.061 Mio. Euro erzielte (2013: 4.205 Mio.) hält der seit 2013 zu beobachtende Trend an, das immer weniger Personen Verlagsprodukte (Publikumsmarkt inklusive Downloads  ­-  Hörbücher und E-Books) erwerben. Haben 2007 33,6 Mio. Personen, was einem Anteil von 49 % an der Gesamtbevölkerung entspricht, solche Produkte erworben, stieg die Zahl auf 36,9 Mio. (54 %) in 2012 und ist seitdem wieder auf aktuell 29,6 Mio. (44 %) in 2017 gesunken. Allerdings ist die Intensität der Erwerbungen pro Käufer von 11 Titeln in 2013  auf 12,4 in 2017 gestiegen. Gab jeder Käufer im Schnitt 116,7 Euro in 2013 dafür aus, so waren es 2017 schon 137,4 Euro pro Person. Wurden im Buchhandel in 2013 noch 398 Mio. einzelne Exemplare verkauft, so sank die Zahl in 2017 auf 367 Mio. Exemplare.
 
„Publishing on Demand“ ist ein neuer Trend im Verlagswesen. Bücher werden zum Druck aufbereitet, aber erst dann gedruckt, wenn ein Kunde sie bestellt. Dadurch können auch Bücher in kleiner Auflage kostendeckend verlegt werden. In Deutschland bietet der Buchgroßhändler Libri BoD („Books on Demand“) zurzeit rund 100.000 Werke an.

Das E-Book, das in den USA mit einem Marktanteil von ca. 15 % seine Sättigungsgrenze wohl erreicht hat (der Anteil am Gesamtumsatz fiel dort in den letzten Jahren kontinuierlich gegenüber dem Vorjahr, 2015: -9,53 %, 2016: -16,4 %, 2017: -4,7 % ), scheint die Sättigungsgrenze in Deutschland bei ca. 5 % Marktanteil vermutlich auch erreicht zu haben. Betrug der Marktanteil von E-Books  am Umsatz 2010 lediglich 0,5 %, stieg er 2013 auf 3,9 % und lag 2017 wie schon 2016 bei nunmehr 4,6 %, was, bedingt durch den leichten Rückgang des Gesamtumsatzes der Buchbranche insgesamt, noch ein leichtes Plus von 1,4 % am Gesamtumsatz darstellt. Wurden 2010 in Deutschland ca. 1,9 Mio. E-Books verkauft, so waren es 2017 bereits 29,1 Mio. Allerdings sank der durchschnittlich bezahlte Preis pro E-Book von 10,71 Euro in 2010 im siebenten Jahr in Folge auf nunmehr 6,38 Euro pro E-Book in 2017. Auch aus den vorläufigen Quartalszahlen für 2018 lässt sich schließen, dass der E-Book-Markt insgesamt konstant bleibt. Zwar stieg die Anzahl der verkauften E-Books in den ersten neun Monaten des Jahres 2018, da der durchschnittlich gezahlte Preis pro E-Book jedoch weiter um ca. 5 % gefallen ist, ist nur mit einer geringen Umsatzsteigerung gegenüber 2017 zu rechnen. Ca. 75 % der Buchhändler bieten E-Books und E-Reader zum Verkauf an. Allerdings sind Online-Anbieter wie Amazon, Apple, Google, Kobo, Tolino oder eBook.de beim Verkauf marktführend.

Interessanter als die Betrachtung der reinen Marktanteile der E-Book-Verkäufe sind vielleicht die von verschiedenen Institutionen erhobenen Kennzahlen zu den Käufern von E-Books. So haben 2010 ca. 700.000 Personen in Deutschland E-Books erworben, bis 2014 und in 2015 stieg die Zahl auf 3,9 Mio. Personen und erreichte damit einen bisherigen Höchststand. Danach fiel die Zahl wieder leicht, auf zuletzt 3,5 Mio. in 2017. Der Anteil der E-Book-Käufer an der Gesamtbevölkerung (Käuferreichweite) betrug demnach 2010 rund 1 %, 2014 und 2015 je 5,7 % und in 2017 5,5 %. Dabei stieg die Anzahl der von jedem E-Book-Käufer jährlich erworbenen Titel kontinuierlich, von 2,8 pro Person in 2010 auf 8,3 in 2017. 
Der Anteil der Belletristik am Umsatz der verkauften E-Books ist weiter auf hohem Niveau und lag 2017 bei 82 % (2016: 81 %). Der weitere Umsatz verteilt sich auf die Gruppen Kinder- und Jugendbücher (5%), Ratgeber (7 %), Sachbücher/Lexika (5 %), die Reiseliteratur liegt bei 1 %. In den Verlagen hat sich immer mehr die Praxis durchgesetzt, Neuerscheinungen auch gleichzeitig als E-Books anzubieten.
Ein bedeutendes Umsatzwachstum, vor allem bei den Fachverlagen, verzeichnen seit Jahren verlagseigene Online-Dienste. Seit 2011 werden hier jährliche Umsatzsteigerungen um die 10 % erreicht.
Das Lesen von Büchern und Zeitschriften gehört weiterhin zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Eine Studie zum Thema Buchkäufer und -leser 2015, Profile, Motive, Einstellungen, durchgeführt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in 2015 ergab, dass 83 % der deutschen Bevölkerung zu den Buchlesern und immerhin 59 % auch zu den Buchkäufern gehören. Das Alter hat kaum Einfluss darauf, ob gelesen wird. Mindestens 8 von 10 Personen haben in den letzten 12 Monaten mindestens 1 Buch gelesen, 6 von 10 ein Buch gekauft. Der Anteil der Vielleser, Personen, die mindestens 18 Bücher und mehr im Jahr lesen, ist im Vergleich zur letzten Studie im Jahre 2008 konstant geblieben. Nach dieser Studie hat das Alter nur geringen Einfluss darauf, ob gelesen wird. Der Nicht-Leser Anteil ist demnach in allen untersuchten Altersstufen ungefähr gleich, lediglich bei Personen über 60 Jahren geringfügig höher. Nur rund 17 % aller Deutschen sind demnach zur Kategorie der Nicht-Leser zu zählen. Die Umfrage ergab auch, dass die stationäre Buchhandlung immer noch der wichtigste Ort beim Kauf der Bücher ist. 64 % der Buchkäufer finden beim „Stöbern“ in der Buchhandlung die Bücher, die sie dann auch kaufen.

Anregungen und Empfehlungen von Freunden und Bekannten ist der zweitwichtigste, Online-Shops die drittwichtigste Inspirationsquelle für Kaufentscheidungen. Immerhin 45 % aller Teilnehmer an der Studie wollen Bücher in Zukunft weiterhin ausschließlich gedruckt lesen, das sind 7 % mehr als 2014; der Anteil der Personen, die gedruckte Bücher und E-Books parallel nutzen wollen, ist um 7 % gesunken, der Anteil derer, die das E-Book bevorzugen blieb mit 8 % aller Befragten stabil. Die bevorzugte Lektüre sind nach wie vor Romane/Klassiker/Erzählungen, gefolgt von Kriminalromanen.

Übrigens ist das Internet kaum ein Feind des Lesens. Vielmehr kaufen Internetnutzer 40 Prozent mehr Bücher als Personen, die das Internet nicht nutzen. Das hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers in der Studie „Haben Bücher eine Zukunft?“ zum Leseverhalten der Deutschen herausgefunden. Bekannte Phänomene wurden bestätigt. Frauen kaufen und verschenken zum Beispiel mehr Bücher als Männer. Im Allgemeinen nimmt jedoch die Lesehäufigkeit von Büchern ab – 46 % der Befragten gaben an, dass sie heute weniger lesen als früher.

Spezielle Leseförderung und Sonderaktionen sollen Kinder und Jugendliche zum Lesen anregen. Interessante Veranstaltungen organisieren zum Beispiel der Börsenverein oder die Stiftung Lesen.
Die Geschichte des deutschen Verlagsbuchhandels beginnt mit Johannes Gutenberg. 1455 erschien in Mainz die Gutenberg-Bibel, das erste mit beweglichen Lettern gedruckte Buch in Europa. Die führende deutsche Verlagsstadt war seit dem Ende des 15. Jahrhunderts Frankfurt am Main, bis im 18.Jahrhundert Leipzig diese Rolle übernahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte Frankfurt seine führende Position wieder. Heute gibt es bedeutende Verlage in vielen Städten Deutschlands, zum Beispiel in München, Berlin, Frankfurt am Main und Köln.

Die Buchproduktion in Deutschland nimmt international nach dem englischsprachigen Weltmarkt und China den dritten Platz ein. Der gemeinsame Sprachraum bringt es mit sich, dass Österreich und die Schweiz mit Abstand die führenden Abnehmerländer deutscher Bücher sind.
2017 veröffentlichten deutsche Verlage insgesamt 82.636 Titel (2016: 85.486), davon waren 72.499 Erstauflagen (2016: 72.820). Nachdem die jährliche Titelproduktion zwischen 2005 und 2011 bei ca. 95.000 lag, scheint sie sich jetzt bei rund 85.000 Titeln einzupegeln. Dabei ist zu beachten, dass wegen der nur unvollständigen statistischen Erfassung von Titeln der PoD-Produktion und von E-Books die tatsächlichen Zahlen um einiges höher liegen dürften.

Zurzeit sind über 1,8 Mio. Titel aus über 21.000 Verlagen lieferbar und im VLB (Verzeichnis Lieferbarer Bücher) online recherchierbar. Über den Kundendirektvertrieb konnten die Verlage im Jahr 2017 einen Umsatz von 1,94 Milliarden Euro verbuchen. Kein Verlag ist marktbeherrschend, aber viele große und bedeutende Verlage gehören heute zu Medien-Konzernen wie Bertelsmann oder Holtzbrinck.
Die Exportumsätze deutscher Verlage liegen jährlich bei ca. 2 Mrd. Euro.