Aufgabe 3
Gehen,Ging, Gegangen

Lesen Sie die Geschichte jetzt weiter, wo die Flüchtlinge beschrieben werden, die in Berlin auf dem Oranienplatz in Zelten leben. Außerdem denkt Richard auch daran zurück, wie die Situation in Deutschland direkt nach dem Mauerfall war.
 
Jetzt sieht der [Oranien]platz wie eine Baustelle aus. Eine Landschaft aus Zelten, Bretterbuden und Planen: weiß, blau und grün. Ersetzt sich auf eine Parkbank, sieht sich um und hört, was gesprochen wird. Niemand fragt hier nach seinem Namen. Was sieht er? Was hört er? Er sieht Transparente und Aufsteller mit handgepinselten Parolen. Er sieht schwarze Männer und weiße Sympathisanten. Die Schwarzen in frisch gewaschenen Hosen, bunten Jacken, gestreiften Hemden, hellen Pullovern mit farbigen Schriftzügen, wo wäscht man eigentlich Wäsche auf einem besetzten Platz? Einer trägt goldfarbene Turnschuhe, ist das Hermes? Die Sympathisanten haben weiße Haut, dafür ist ihre Kleidung schwarz und verschlissen, Hosen, T-Shirts, Pullover. Die Sympathisanten sind jung und blass, sie färben sich die Haare mit Henna, sie glauben nicht an die heile Welt, sondern wollen, dass alles anders wird, und stecken sich deshalb Ringe durch Lippen, Ohren oder die Nase. Die Flüchtlinge wiederum wollen in das, was in ihren Augen überzeugend genug wie eine heile Welt aussieht, erst einmal hinein. Hier auf dem Platz überkreuzen sich die zwei Arten des Wünschens und Hoffens, es gibt eine Schnittmenge, aber der stille Beobachter zweifelt daran, dass sie sehr groß ist.

Bevor Richard mit seiner Frau aufs Land zog, hatten sie eine Wohnung in der Stadt gehabt, nur zweihundert Meter Luftlinie vom Westen Berlins entfernt. Und lebten dort beinahe so ruhig wie später dann auf dem Land. Die Mauer hatte aus ihrer Straße eine Sackgasse gemacht, Kinder liefen dort Rollschuh. Als die Mauer 1990 dann Stück für Stück weggeräumt wurde, standen pünktlich zur Eröffnung eines jeden neuen Übergangs zahlreiche gerührte Westberliner da und hießen ihre Brüder und Schwestern aus dem Osten willkommen. Hießen eines Morgens um 9.30 Uhr mit Tränen in den Augen auch ihn willkommen, den Ostberliner, der zufällig in dieser Straße wohnte, die neunundzwanzig Jahre geteilt gewesen war, auf seinem Weg in die Freiheit. Er aber war an diesem Morgen gar nicht auf dem Weg in die Freiheit gewesen, sondern nur auf dem Weg zur Universität – pünktlich mit der Öffnung dieses Teilstücks der Mauer hatte er den S-Bahnhof erreichen wollen, der sich auf der Westseite der Straße befand. Mit den Ellenbogen hatte er sich, ungerührt und in Eile, durch die gerührte Menschenmenge gekämpft, irgendeine Beschimpfung rief ihm einer der enttäuschten Befreier noch nach, aber Richard erreichte die Universität zum ersten Mal in weniger als zwanzig Minuten.
(Seite 44, Zeile 14 bis Seite 45, Zeile 27)


Welche der folgenden 5 Aussagen treffen zu. Bitte kreuzen Sie an:

Die Kleidung der Schwarzen ist schmutzig.
Die jungen Sympathisanten wollen die Welt, in der sie leben, verändern.
Die Flüchtlinge würden gerne in der Welt der jungen Sympathisanten leben.
Richard hat früher mit seiner Frau in West-Berlin gelebt.
Die West-Berliner haben sich 1990 gefreut, wenn Leute aus Ost-Berlin zu ihnen nach West-Berlin kamen.



 

 


 

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