Aufgabe 5
Gehen,Ging, Gegangen

Während eines Gesprächs über die Situation der Flüchtlinge, das Richard mit Freunden führt, müssen alle drei an ihre Eltern oder Groβeltern im Zweiten Weltkrieg denken.
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Richard denkt an seinen Vater, der als deutscher Soldat in Norwegen und Russland war, Kriegswirren erzeugen. Detlef denkt an seine Mutter, mit der gleichen Sorgfalt, mit der sie sich als deutsches Mädchen die Zöpfe flocht, dann später als Trümmerfrau Steine klopfte für den Wiederaufbau. Sylvia denkt an ihren Großvater, der seiner Frau für die eigenen Kinder blutige russische Kinderwäsche geschickt hatte: Die Flecken gehen leicht mit kaltem Wasser heraus. Das Verdienst ihrer Großväter und Väter, Großmütter und Mütter, war, man so wollte, die Zerstörung gewesen. Die Schaffung einer leeren Fläche, die von Kindern und Enkeln neu beschrieben werden musste. Und der Verdienst ihrer eigenen Generation? Der Grund dafür, es ihnen jetzt um soviel besser geht als zum Beispiel diesen drei afrikanischen Männern, von denen Richard gerade erzählt hat? Nachkriegskinder sind auch sie, die da auf dem Sofa sitzen, wissen sie, dass die Aufeinanderfolge von Vorher und Nachher oft ganz anderen Gesetzen folgt als denen von Belohnung oder Strafe. Nicht direkt sind die Wirkungen, indirekt, denkt Richard, wie er es in den letzten Jahren schon oft gedacht hat. Die Amerikaner hatten mit der einen Hälfte von Deutschland ihre Pläne gehabt – und die Russen mit der anderen Hälfte von Deutschland andere. Und der materielle Wohlstand auf der einen Seite die Planwirtschaft auf der anderen ließen sich durch irgendeine besondere Charaktereigenschaft der deutschen Bürger (...) erklären. Worauf also sollte man stolz sein? (...) Gearbeitet haben sie ihr ganzes Leben, das ist wohl wahr, ihnen hat das auch niemand verboten. Als Blutsverwandte sind sie, die aus dem Osten, schließlich von ihren Brüdern und Schwestern auf der wohlhabenderen Seite der Mauer in die Arme geschlossen worden, aber mit dem Blut waren sie schon geboren, und konnten weder etwas dafür noch dagegen. [...]
Sylvia sagt: Ich stelle mir immer vor, auch wir noch einmal fliehen müssen, und dann wird uns auch niemand helfen.
Detlef sagt: Rein nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit.
Sylvia sagt: Und wohin überhaupt?
Richard sagt: Ich hab schon mal überlegt, mein altes Motorrad auf die andere Seite vom See zu stellen. Wenn es dann soweit ist, hinüberrudern, aufs Motorrad steigen und ab nach Osten. Dahin will bestimmt keiner. Da ist dann noch Frieden.

 

 





 

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