Aziz

Aziz Faye, 34 Jahre, Senegal. Lebt seit zehn Jahren in Spanien. War zwei Mal in einem Zentrum für Abschiebehaft für Ausländer und wurde drei Mal abgeschoben. Arbeitete in Senegal als Näher und in Mauretanien als Fischer. In Barcelona ist er Mitglied der Gewerkschaft der “Manteros”, der mobilen Straßenhändler, die von diesem Kollektiv gegründet wurde, um die Situation der Betroffenen zu verbessern. Unlängst gründeten sie ein eigenes Label ,“Top Manta” (im Spanischen umgangssprachlicher Begriff für mobilen Straßenhandel), in dessen Logo ein Boot als Bild für eine Überfahrt, eine Decke als Arbeitswerkzeug und Meereswellen als Sinnbild für die Gefahren und Hürden dargestellt sind.

“Würde ich mich als Spanier betrachten, wäre das eine falsche Einschätzung, ein Fehler. Aber zu meinen, ich sei nicht von hier, macht auch keinen Sinn. Ich bin von hier, aber ich bin nicht von hier. Ich werde nie mein Ich verleugnen. Ich empfinde das Interkulturelle als eine Bereicherung. Die eingewanderten Menschen sollten diesen Reichtum bewahren und den Wert ihrer Kultur auch zeigen.”

Aus Senegal vermisse ich die Art des Zusammenlebens, die gegenseitige Hilfsbereitschaft, die Menschlichkeit, die Gastfreundschaft… Dort bist du in jedem Haus willkommen. Hier nicht. Du kannst zehn Jahre lang in einer Wohnung leben, ohne deinen Nachbarn überhaupt zu kennen. Für mich ist das nicht menschlich. Wenn man sich nur mit einem 'Hallo' begegnet, zeigt das doch, dass es eine unsichtbare Mauer zwischen uns gibt. Es gibt viele Arten von Grenzen, physische und unsichtbare.

Was ich hier sehe, sehe ich auch an den europäischen Grenzen. Wenn du keinen Pass aus Europa hast, kannst du nicht reisen. In meinen Augen ist der europäische Pass eine enorme Grenze, die Ungleichheiten schafft. “Jetzt bin ich am Lernen, und das gefällt mir sehr. Ich würde gern Jura studieren, um die Gesetze zu ändern.”
 

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