Serin

Name: Serin
Alter: 40 Jahre
Geburts- und Aufenthaltsort: Ich bin in Senegal geboren und lebe seit elfeinhalb Jahren in Spanien.
Beruf: Ich bin Mitglied in einer Genossenschaft, die ein vegetarisches Restaurant betreibt, dort arbeite ich auch.

Wie würdest du deine Identität beschreiben?

Ich sehe mich zwischen beiden Ländern, Senegal und Spanien. Mein Ort ist die Welt.

Fühlst du dich zugehörig an einem Ort? An mehreren? Welcher oder welche sind das?

Ich empfinde keine Zugehörigkeit zu einem Ort. Ich gehöre dorthin, wo ich gerade bin. Jetzt bin ich in Spanien und sehe das als mein Zuhause, aber ich weiß nicht, wo ich in der Zukunft sein werde. Ich fühle mich nicht als hier oder da zugehörig. Dort sehen sie mich als den Spanier an, hier ist es ein bisschen dasselbe. Ich denke, ich habe ein Bein an beiden Orten.

Welche Faktoren spielen bei dieser Identifikation eine Rolle? Woraus besteht sie?

Nachdem ich hier seit elfeinhalb Jahren lebe, habe ich viele hiesige Gewohnheiten angenommen, habe aber auch die aus Kayal, in Senegal, nicht abgelegt. Die Auffassung von Zeit ist in Spanien völlig anders, vor allem in Sachen Pünktlichkeit, haha… Die Gesellschaft funktioniert in sich auf eine andere Weise, die Art, miteinander in Verbindung zu treten, Unbekannten zu begegnen, das Misstrauen… Ich nehme die Unterschiede wahr. Aber ich nehme jetzt teil an dieser Art von Zeitverständnis und mit Leuten in Beziehung zu treten, und ich bin sehr pünktlich. 

Das Konzept einer hybriden Identität, bedeutet das für dich etwas? Oder sagt dir das nichts?

Ich nehme das Beste aus jeder der Welten. Ich finde es gut, mich an meine Umgebung anzupassen, und habe viel aus beiden Kulturen gelernt.

Empfindest du deine Situation eher als eine Bereicherung oder als einen Mangel?

Als ich aus Senegal wegging, suchte ich etwas Besseres, es war eine Abkehr. Ich ging, ohne jemandem etwas zu sagen. Ich sah eine Gelegenheit, mein Glück zu probieren. Ich habe sehr viel gelernt, und jetzt, nach elf Jahren, lebe ich mein Leben hier. Auch jetzt lerne ich viel in dem vegetarischen Restaurant, in dem ich arbeite. Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals so viel Gemüse essen könnte, 70 Prozent von dem, was ich esse, ist vegetarisch. Ich treffe mich aber auch zum Essen mit meinen senegalesischen Freunden. Ich liebe diesen halb salzigen, süßen und pikanten Geschmack.

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