Theaterstück
Wer hat meinen Vater umgebracht - Thomas Ostermeier

Centro de Cultura Contemporánea Conde Duque zeigt ein Theaterstück, in dem sich Wut und Zärtlichkeit mischen und in dem der Autor Édouard Louis die privaten Widersprüche eines gebrochenen Mannes, seines Vaters, erforscht.

Centro de Cultura Contemporánea Condeduque

In dieser Saison 22/23 haben wir das Vergnügen, unsere Zusammenarbeit mit dem Centro de Cultura Contemporánea Conde Duque fortsetzen zu können. In seinem Programm gibt es deutsche Spuren, die unserer Meinung nach hervorgehoben werden sollten:

Auf dem Gebiet der Philosophie: Rüdiger Safranski - 27.10.2022
In der Musik: KMRU & AHO SSAN „SOUNDSET SERIES", welche am 17.03.2023 in Madrid Premiere feiern.

Und im Bereich der darstellenden Künste wird es der große Thomas Ostermeier mit diesem großartigen Vorschlag sein.


Mit kaum 30 Jahren ist der französische Schriftsteller und Aktivist Édouard Louis mit der sehr direkten und realitätsnahen Prosa von jemandem, der sich selbst als „Klassen-Deserteur" bezeichnet, zu einer der herausragendsten literarischen und politischen Stimmen seiner Generation geworden. Mit dieser Inszenierung geht er in seiner Beziehung mit dem Theater (viele seiner Texte wurden in mehreren Ländern aufgeführt) einen Schritt weiter und spielt direkt selbst, unter der Regie eines der großen Namen des europäischen Theaters, des Deutschen Thomas Ostermeier, der bereits ein anderes seiner Stücke, „Historia de la Violencia", inszeniert hat, das 2018 an der Schaubühne in Berlin uraufgeführt wurde. Qui a tué mon père (Wer hat meinen Vater getötet) ist ein empörtes Porträt aus Wut und Zärtlichkeit, in dem Édouard Louis die privaten Widersprüche eines gebrochenen Mannes erforscht. Die erschütternde Wirkung des Textes wird noch verstärkt, wenn man ihn aus dem Mund des Autors hört und ihn tanzen und seine Kindheitserinnerungen teilen sieht.

Die europäischen Kritiker haben vor dieser Inszenierung kapituliert, in der sich der Schriftsteller innerlich bis zur Erschütterung entblößt, ohne dabei auf Unbeholfenheit zu verzichten. Trotz der sozialen Anprangerung ist die Aufführung auch sanft und steht im Kontrast zur Gewalt der Geschichte, die sie erzählt. Vom Sensiblen bis zum Schrei, von der Intimität der inneren Reise bis zum Aufruf an die Gemeinschaft spricht die Verletzlichkeit der Unterdrückten aus dem Mund von Édouard Louis und bricht selbst das härteste Herz. „Quién mató a mi padre" ist ein Versuch, die sozio-politischen Kräfte zu verstehen, die das Leben von Menschen formen und verändern, die von der Gesellschaft so behandelt werden, als wären sie nicht wichtig. Diese Kräfte durchdringen mit zersetzender Beständigkeit nicht nur die Persönlichkeit und verzerren sie durch das, was als konventionelles Verhalten für eine bestimmte Klasse oder ein bestimmtes Geschlecht akzeptiert oder abgelehnt wird, sondern haben auch physische Auswirkungen und zerstören die Körper. In den Worten des Autors: "Einen bestimmten Körper in einem bestimmten sozialen Kontext zu haben - Schwarz, weiblich, transsexuell oder aus der Arbeiterklasse zu sein - bedeutet schon früh dem Ruin ausgesetzt zu sein. Ich erzähle die Geschichte des Körpers meines Vaters, welcher sowohl durch die Arbeit als auch durch eine festgeschriebene männliche Ideologie und durch eine Reihe politischer Reformen zerstört wurde".

Die Aufführung wird vom Goethe-Institut unterstützt.
 

Land: Deutschland
Dauer: 90 Minuten
Empfohlenes Alter: ab 18 Jahren
Raum: Theater
Text: Édouard Louis
Regisseur: Thomas Ostermeier
Videodesigner Sébastien Dupouey & Marie Sanchez
Musik: Sylvain Jacques
Dramaturgie: Florian Borchmeyer & Élisa Leroy
Beleuchtung: Erich Schneider
Kostüm: Caroline Tavernier
Bühnenbild: Nina Wetzel
Koproduziert von der Schaubühne-Berlin und dem Théâtre de la Ville-Paris
Premiere im Théâtre de la Ville – Abbesses am 9. September 2020  2018 – Éditions du Seuil
Kollaboration mit dem Goethe-Institut

Details

Centro de Cultura Contemporánea Condeduque

C. del Conde Duque, 11
28015 Madrid

Preis: 22 €

+34 91 3913951 Rosa.Fiel@goethe.de