Präsentation / Intervention / Workshop / Konferenz BUEN VIVIR: „Was ist das Leben wert?“

Eine Veranstaltung des Goethe-Instituts

Buen Vivir

Foto: Taf/Enmedio


BUEN VIVIR: „Was ist das Leben wert?“[1]

Der Begriff des BUEN VIVIR [2] (das Gute Leben) kommt ursprünglich aus den indigenen Kulturen der lateinamerikanischen Anden. Er bezieht sich auf ein alternatives Entwicklungskonzept, das im Gegensatz zu zeitgenössischen Vorstellungen von kapitalistischem Fortschritt, Wohlstand und vorherrschenden Entwicklungsmodellen steht. Immer mehr Menschen stellen sich angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrisen und ökologischen Naturkatastrophen weltweit die Frage nach einem anderen Leben, das nicht auf kapitalistischer Erwerbsarbeit basiert, natürliche Ressourcen ausbeutet und nach materiellem Reichtum ausgerichtet ist. Im Allgemeinen steht BUEN VIVIR für die gerechte Verteilung von Naturressourcen und öffentlichen Gütern. Der Begriff, der an konkrete Wertvorstellungen gekoppelt ist, schlägt vor, Entwicklungsziele, Werte und Lebensstile neu zu überdenken, zu formulieren und zu leben.
 
Auch auf parlamentarischer Ebene (bspw. die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“) wird der Frage nach neuen oder anderen Wachstums- bzw. Entwicklungsformen nachgegangen, allerdings bleiben realpolitische Konsequenzen aus. Wirklich sichtbare und konkrete Ergebnisse von neuen Ansätzen kommen gegenwärtig direkt aus dem Zusammenhang von sozialen Bewegungen. Für die Strukturierung von Gemeinschaften, die sich an den Werten von BUEN VIVIR orientieren, werden neue Produktions- und Konsumformen sowie neue Organisationsformen des Lebens entworfen und etabliert. Für diese Transformationen wird Kreativität und das „Denken über Grenzen hinweg“[3] benötigt. Es geht darum, Formen der Anerkennung für unterschiedliche Lebensstile und -möglichkeiten zu entwerfen, die langfristig die gegenwärtigen Machtdiskurse dekonstruieren können. Die Perspektive des BUEN VIVIR hat eine starke kollektive Dimension, die das friedliche und gemeinschaftliche Zusammenleben zwischen den Menschen und der Natur einschließt - egal welcher Herkunft und sozialer Klasse. Bei BUEN VIVIR handelt es sich um ein Konzept, das im Entstehen begriffen wird und sich je nach Kontext, in dem es theoretisch gedacht wird oder praktisch zum Einsatz kommt, notwendigerweise verändert.
 
Die Veranstaltung, die vom Goethe-Institut Barcelona getragen wird, präsentiert BürgerInneninitiativen und Projekte aus Hamburg und Barcelona, die - wie das Konzept des BUEN VIVIR vorschlägt -, neue Formen des Zusammenlebens gestalten und organisieren. Diese sollen hier vorgestellt werden. Die Projekte basieren auf der gegenseitigen Fürsorge und Selbstverwaltung der Lebensumfelder. Sie verlangen eine aktive BürgerInnenbeteiligung sowie soziales Engagement und bilden eine gesellschaftliche Herausforderung im Rahmen der aktuellen Krise des Sozialstaats.
 
Aus Hamburg kommen Vertreter der Projekte Fux-eg und PlanBude nach Barcelona, um sich mit hiesigen Projekten auszutauschen -Cooperativa Integral Catalana, Raons Públiques, Ateneu Cooperativo La Base, LaFundició, LaCol / La Borda- und im Rahmen dieser Veranstaltung mit dem Kollektiv Enmedio von ihren Produktions- und Lebensweisen zu berichten.
 
Der freie Autor Raul Zelik, von dem die Titelfrage der Veranstaltung stammt, wird über das Konzept des BUEN VIVIR referieren und u.a. die Brücke zum Ursprung des indigenen Konzeptes und den europäischen Kontext skizzieren.
 
Der Auftakt zu der Veranstaltung BUEN VIVIR bildet der Workshop TAF! (Taller de acción fotográfica oder Workshop Fotografischer Aktion), der sich eingehend mit der Frage "Was ist das Leben wert?" beschäftigen wird und hierfür einen unmittelbaren Bezug zu aktuellen sozialpolitischen Themen der Stadt Barcelona herstellt. Ziel des Workshops ist die Produktion einer Sichtbarkeitszone in der Stadt für das gemeinschaftlich erarbeitete Thema.

Konzept und Leitung: Anja Steidinger

Programmablauf:
Samstag 13. Juni
Veranstaltungssaal des Goethe-Instituts Barcelona
TAF! Taller de acción fotográfica:
10:30 bis 14:30 Uhr und 16:00 bis 20 Uhr
               
Sonntag 14. Juni
Veranstaltungssaal des Goethe-Instituts Barcelona
TAF! Taller de acción fotográfica:
10:30 a 14:30h
Mit Voranmeldung vom 11 bis 24. Mai. Hier Anmeldungsformular 
Mehr Infos: confirm@barcelona.goethe.org

Montag 15. Juni
Intervention im öffentlichen Raum mit den Ergebnissen des TAF!

Dienstag 16. Juni
Austausch der deutschen Gäste -Raul Zelik, Frank John von Fux-eg, Patricia Wedler und Christina Röthig von Planbude- mit den Projekten aus Barcelona: Cooperativa Integral Catalana, Raons Públiques, Ateneu Cooperativo La Base, LaFundició und LaCol / La Borda
 
Mittwoch 17. Juni
Veranstaltungssaal des Goethe-Instituts Barcelona
Mit Simultanübersetzung
18:30 bis 21:30 Uhr:
18:30h  Vortrag von Raul Zelik um das Konzept des BUEN VIVIR
Projektvorstellungen und Gespräch mit dem Publikum
19:00h  Enmedio
19:30h  Planbude
20:00h  Fux-eg




[1] Raul Zelik: Was ist das Leben wert, in: der Freitag, 05.10.2010, URL: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/was-ist-das-leben-wert/
[2] Buen Vivir ist die spanische Übersetzung aus der ecuadorianischen Quechua-Sprache für den Begriff sumak kawsay, oder dem bolivianischen Aymara für suma qamana.
[3] Ana María Larrea: Buen Vivir als gegenhegemonialer Prozess, in: Rosa Luxemburg Gesellschaft, Gesellschaftsanalyse und linke Praxis, September 2011, URL: http://www.zeitschrift-luxemburg.de/buen-vivir-als-gegenhegemonialer-prozess

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