Ausstellung Dialog 3: Stuttgart-Barcelona

"The Act & the Tracer" - Mario Santamaria und Luis Guerra


















Anfang dieses Jahres wurden auf Initiative des Goethe-Instituts Barcelona, in Zusammenarbeit mit Hangar, dem Württembergischer Kunstverein Stuttgart und der Kunststiftung Baden-Württemberg, vier Stipendien an jeweils zwei Künstler aus Baden-Württemberg und zwei Künstler aus Katalonien vergeben. Die Künstler mit Wohnsitz in Barcelona, Luis Guerra und Mario Santamaría, arbeiteten im Februar und März in Stuttgart, die deutschen Künstler Bea Stach und Kaspar Wimberley/Susanne Kudielka verbrachten die Monate April und Mai in den Ateliers des Hangars in Poble Nou. Das Ziel der vier Stipendien ist die Förderung des Austauschs zwischen den Kunstszenen in Baden-Württemberg und Katalonien.

Die Ergebnisse der jeweiligen Aufenthalte der Künstler sind nun ab dem 2. Juli 2015 im Goethe-Institut Barcelona zu sehen.

Luís Guerra "Das Ereignis der Entstehung: Vier Studien für das, was nicht existiert"
Am 11. September 2003 wurde in Santiago de Chile mit einer öffentlichen Zeremonie die Tür des Palastes La Moneda, bekannt als Morandé 80, wieder geöffnet. Durch diesen politisch-performativen Akt versuchte die im Entstehen begriffene, auf Abkommen beruhende Demokratie, den Bezug zu ihrer Geschichte wieder herzustellen und so die gespenstische Schwere zu lindern, die bis heute auf dem Lande lastet. Dennoch, und trotz seines „symbolischen Kapitals“, haftet diesem Akte eine prekäre Theatralik an, als etwas ohne Sinngehalt, dass nicht in der Lage ist,  das Gewicht einer Lawine von physischen Erinnerungen zu erleichtern.
„Das Ereignis der Entstehung: Vier Studien über das, was nicht existiert“ stellt die Fortführung der in Stuttgart mit THE ACT begonnenen Forschung dar, die im Rahmen des „Seminars der Inexistenz“ an der Universitat Autónoma de Barcelona fortgeführt wurde und im Oktober mit einem Seminar im Goethe-Institut Barcelona zum Abschluss gebracht wird.
Wie das vorherige Werk, das im Kunstverein Stuttgart präsentiert wurde, stellt auch das aktuelle eine „Kraft-Form der Messung“ dar, eine operative Einheit, die sich in ihrer eigenen Bedingung auflöst, in ihrem Zustand des Nicht-Verweilens, des Sich-Ereignens im Entstehen, des morphogenetisch ausgedrückt, Sich-Entleerens. Vier Studien für das, was nicht existiert, sind also wie vier Nicht-Existenzen die, wie vier Löcher, das präsentieren, was sie nicht sind.


Mario Santamaria  “Concealment Algorithms”
Die Bilder-Suchfunktion bei Google indexiert in manchen Fällen aus Versehen Pdf-Dateien. Wenn dies geschieht, deckt ein automatisches Verfahren den Inhalt mit einer schwarzen Fläche ab und verbirgt ihn so, dass anstelle der Textseiten noch eine Struktur in Weiß und Schwarz zu sehen ist. Die Serie “Concealment Algorithms” dokumentiert das Funktionieren dieses Mechanismus durch das Zeigen der Bilder, Titel, des Autoren und der Seiten eines Textes, der diesem Vorgang unterzogen wurde.
Der Titel der Serie bezieht sich auf die „Error Concealment Algorithms“, einen informatischen Prozess, der entwickelt wurde, um die durch Datenverluste hervorgerufene Verschlechterung eines Videosignals zu minimieren. Um das Fehlen eines Bildes zu kompensieren, wird ein kontinuierliches Signal eingefügt. Das Gerät führt eine Einfügung durch, die den Verlust kaschiert und den Eindruck einer unterbrechungsfreien Kontinuität aufrechterhält.


Bea Stach  "Staub, Barcelona"
Der Staub verschiedener Orte Barcelonas wird in audiovisueller, digitaler und materieller Form zum direkten Abbild von Raum und Zeit.


Susanne Kudielka/Kaspar Wimberley
Susanne Kudielka und Kaspar Wimberley arbeiten als Künstler, Produzenten, Kuratoren und Forscher mit dem Hauptaugenmerk auf ortsspezifischer und interdisziplinärer Kunst im öffentlichen Raum. Ihre Projekte beschreiben sie als eine Einladung, an etwas teilzunehmen und als Katalysator für Dialog und Austausch. Ihre Arbeit bezieht sich auf existierende soziale, politische und kulturelle Bedingungen, um geltende Hierarchien aufzuzeigen, aufzulösen oder in Frage zu stellen.  
Susanne und Kaspar arbeiten mit Museen, Kunstfestivals, Kunstinstitutionen, Universitäten, lokalen Behörden, NGOs und Schulen, sowie als unabhängige Produzenten. In Barcelona haben sie ein Forschungsprojekt fortgesetzt, welches 2013 in Johannesburg und Luxemburg begann und die Vorstellungen und  Wahrnehmung von Sicherheit in den verschiedenen Kontexten erforscht.

1. “21 wobbly tables, propped up using 44 Euros”
Susanne Kudielka & Kaspar Wimberley
Mai 2015, Barcelona
Während wir in Barcelona sind, essen wir oft in Cafés. Wenn wir merken, dass unser Tisch wackelig ist, bringen wir dies mit 1€ -Münzen, die wir unter das betroffene Tischbein legen, wieder in Ordnung. Wir finden, dass dies erstaunlich gut funktioniert. Den zukünftigen Gästen, die unsere Installation bemerken, ist es dann selbst überlassen, ob sie das Geld nehmen (und einen wackeligen Tisch in Kauf nehmen) oder die Münzen an ihrem Platz lassen.
‘21 wobbly tables, propped up using 44 Euros’ bezieht sich auf die laufende Debatte über die Wirtschaftspolitik in Barcelona, Spanien und Europa und führt das Projekt ‘Waiting for something (bad) to happen’ weiter, das im Casino Luxembourg Forum d’art Contemporain startete. In dieser Intervention hatte ein Magier Geld verschwinden lassen, das ihm die Zuschauer gegeben hatten. Das Geld, das in Luxemburg verschwand, ist nun in seinen physikalisch-materiellen Zustand zurückgekehrt  - mit einer veränderten Funktion und einem alternativen Wert.

2. From the other to the us
Zur Eröffnung von ‘Dialog 3’ senden Susanne Kudielka und Kaspar Wimberley per live streaming eine Nachricht aus Stuttgart, in der sie das Winkeralphabet benutzen. In dieser Nachricht reflektieren die Künstler über ihre Zeit in Barcelona und ihre kulturellen und linguistischen Versuche, den katalanischen Wunsch nach einem eigenen Staat zu verstehen. Ein Fachmann übersetzt das Winkeralphabet und schreibt die Nachricht  für alle lesbar auf große Papierbögen.

Die Balkone in Barcelona werden oft als Orte zur öffentlichen Kommunikation politischer Positionen verwendet und helfen uns, eine Erklärung unserer Umgebung zu finden. Die gelben und roten Flaggen, die im Winkeralphabet verwendet werden, um über längere Entfernungen hinweg zu kommunizieren, erinnern uns an die gelben und roten Flaggen, die an den Balkonen hängend Katalonien repräsentieren sollen, in seltenen Fällen auch Spanien; Symbole nationaler Identität, die neben frisch gewaschener Unterwäsche hängen.



Organisiert von der Fundació Hangar und dem Goethe Institut Barcelona

In Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Kunstverein Stuttgart  und der Kunststiftung Baden-Württemberg

Mit der Unterstützung der Landesregierung Baden-Württemberg und der Landesregierung Katalonien

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