Tagung Dialoge I: Arxiu Alícia_Kindheit und Öffentlicher Raum

Eine Kooperation des Goethe-Institut Barcelona und Urbanitas Berlin Barcelona

Dialoge I

Im Zeitraum von drei Jahrzehnten (1950-1979) entwarf der Architekt und Stadtplaner Aldo van Eych Räume zum Spielen für die Stadt Amsterdam. Er schrieb damals: “Wir können nicht erwarten, dass die Kindheit die Stadt entdeckt, wenn wir nicht bereit sind die Kindheit zu entdecken”

Alice Archiv: Kinder, die erforschen, produzieren, kommunizieren
Wie erleben Kinder die Stadt? Wie interpretieren sie diese? Welche sind ihre Utopien und Bedürfnisse? Das Projekt Alice Archiv hat einen kollaborativen Prozess angestoßen, um diesen Fragen nachzugehen. Teilnehmer dieser Zusammenarbeit sind Schüler der Schule La Llacuna de Poblenou, in Barcelona, Fachkräfte aus kreativen Berufen, Experten für Stadtentwicklung und Architektur sowie die lokale Verwaltung.

Die 46 Jungen und Mädchen des Alice Archivs sind zwischen 9 und 12 Jahre alt. In einem sechsmonatigen Arbeitsprozess haben sie Porträts, Analysen, Aktionen und Interventionen durchgeführt, die sich zu einer Kartographie mit einer Vielzahl von Themen zusammenfügt: Wie agieren die Kinder im öffentlichen Raum? Was ist ihnen erlaubt, was nicht? Welche Orte begeistern sie? Welche Wünsche und Vorschläge haben sie? Sind sie gewillt und in der Lage, Einfluss zu nehmen?

Mittels verschiedener Methoden wurden relationale, emotionale, stadtplanerische, poetische und materielle Aspekte aufgearbeitet. Auch beschäftigten sie sich mit der Frage, wer den öffentlichen Raum kontrolliert und die Regeln festlegt.

Ein erstes Ergebnis des Projektes ist die Entwicklung einer Reihe von Strategien und Aktionen, welche es den Kindern ermöglicht, ihre Wünsche, Forderungen und Anliegen für bestimmte Orte zu kommunizieren, sei es hinein in die lokale Community oder an die Verwaltung.

Alice Archive: eine Dialog- und Wissensplattform für Kinder und Erwachsene
Ziel des Projekts ist der Aufbau eine Plattform, welche ortsspezifischen Handlungsformen, Strategien und translokalen Diskursen zum Thema Kindheit und öffentlicher Raum durch eine Reihung von Aktionen und eine sich entwickelnde virtuelle Gemeinschaft, mehr öffentliches Gewicht verschafft. Nach 90 Workshops mit Kindern lädt Alice Archiv nun zu einer ersten Tagung für Erwachsene ein, allerdings ohne die Kinder auszuschließen. So wird der Kollaborationsradius erweitert um
a) die Ergebnisse des Projektes zu reflektieren und
b) um den Wissens- und Erfahrungshorizont des Projektes zu erweitern.

Die erste Tagung von Alice Archiv bringt Fachkräfte und Initiativen, die sich explizit mit dem öffentlichen Raum auseinandersetzen zusammen mit Akteuren aus dem Bereich kulturelle Bildung/künstlerische Praxis, die im institutionellen Raum arbeiten, so dass sie gemeinsame Strategien umsetzen können. Denn: Alice Archive versteht sich selbst als ein Projekt, welches kultureller Bildung und künstlerischer Praxis verbindet. So ist die Erweiterung in Richtung institutionelle Räume von Bildungs- und künstlerischer Praxis ein Weg, den Modus Operandi von Alice Archiv zu erkunden und Kooperationspotentiale zu erschließen.


Alice Archive fragt…
die Teilnehmer der Tagung
  • Welche gemeinsamen Themen und Strategien haben sie? In welchem Moment ihrer Entwicklung sehen sie sich jeweils?
    Auf welche Art und Weise können die Impulse lokaler bottom-up-Initiativen in kulturellen Institutionen Fuß fassen und dort Prozesse auslösen?
  • Wie können gemeinsame Praktiken, die von kulturellen Institutionen angestoßen werden, von lokalen Initiativen aufgegriffen und weitergeführt werden?
  • In welcher Rolle würden wir uns (in diesem Kontext) die Verwaltung wünschen?
  • Welche Potentiale haben diese Praktiken für die pädagogische Community (Kinder/Eltern/Lehrer) und welche Interessen können sie wecken?
Die Tagung möchte die Motive und Rationalitäten der eingeladenen Programme und Initiativen erkunden, Gemeinsamkeiten entdecken, zum Austausch über Methoden und Ziele einladen und zukünftige Formen der Zusammenarbeit ausloten.

Am Vormittag des 3. Dezember 2015 findet unter Anleitung von Playful Commons (Berlin) ein intergenerationaler Workshop statt mit Kindern und Familien der Schule La Llacuna de Poblenou und den Teilnehmern des Fachgesprächs statt. Thema des Workshops: Entwicklung eines neues Regelwerks für einen öffentlichen Raum. Der Workshop findet im Stadtteil der Schule –Poblenou- statt.
Am Nachmittag finden in den Räumlichkeiten des Goethe-Instituts Barcelona zwei Fachgespräche mit Gästen aus Berlin, Barcelona und Tarragona statt.


PROGRAMM
Vormittag: (geschlossene Veranstaltung)
10.00-12.30 Uhr
Workshop mit Sebastian Quack -aus der Berliner Initiative Playful Commons

“Die Regeln des Spiels, die Regeln des Ortes – Entwicklung eines neues Regelwerks für einen öffentlichen Raum”
Teilnehmer: Jungen und Mädchen der Schule La Llacuna de Poblenou, Lehrer, Familien, Gäste und Teilnehmer der Fachgespräche.

13.30-14.30 Uhr
Gemeinsames Mittagessen in der Schule La Llacuna de Poblenou, mit Unterstützung der Schule

Nachmittag: (offen für alle Interessierte)
16.00-18.30 Uhr

Runder Tisch I: Sensibler Urbanismus und der Kontext Poblenou
  • Angelique Trachana (Architektin, Autorin des Buches "Urbe Ludens”, Madrid)
  • Ein Vertreter des Stadtbezirks Sant Martí
  • Elia Hernando (Architektin, Auszeichnung Cerdà 2014, Gründerin des Projektes Pere IV: Eje Ciudadano/zivilgesellschaftliche Achse)
  • María Muñoz Duyos (Arxiu Alícia)
    Moderation: Florian Schmidt (Urbanitas Berlin Barcelona)
18.30-20.30 Uhr
Runder Tisch II: künstlerische Praxis, Kollaborations- und Teilhabeformen
  • Claudia Hummel (Künstlerin, wissenschaftliche Lehrkraft am Institut für Kunst im Kontext, UdK Berlin)
  • Alfred Porres (L'Aula al Pati, Tarragona)
  • María Muñoz (Archiv Alícia)
  • Sebastian Quack (Playful Commons - Berlin)
    Moderation: Lupe García (Goethe-Institut Barcelona)

Zurück