Filmvorführung Right to move_Videoprogramm von OVNI - Observatorio de Vídeo No Identificado

Videoframe aus dem Film "Tarajal: Chronik der Straflosigkeit an der Südgrenze" _metromuster.cat

Mo, 23.05.2016 -
Do, 26.05.2016

18:00 Uhr - 20:00 Uhr

Goethe-Institut Barcelona

Videoframe aus dem Film "Tarajal: Chronik der Straflosigkeit an der Südgrenze"_metromuster.cat

Von Montag, den 23. bis Donnerstag, den 26. Mai_Alle Filmvorführungen um 18 Uhr

Die Grenze in ihrer Asymmetrie wird zu einer tiefgründigen Linie, einer Schnittlinie zwischen dem Sein und dem Nicht-Sein. Je nachdem von welcher Seite und mit welchen Dokumenten wir uns ihr annähern, werden wir deplaziert von einer Zone zur anderen und erhalten Anerkennung unseres Seins oder ihre völlige Aberkennung.

Das Programm, das sich hier auf die Reise begibt, beginnt mit der Erinnerung an ein ersteres und entscheidendes Vergessen: das koloniale Vergessen. Das totalitäre Vorgehen des medialen und institutionellen Diskurses hebt die koloniale Vergangenheit derjenigen hervor, die die Grenzen aufstellten und die jetzt die Voraussetzungen formulieren, um sie durchkreuzen zu dürfen. Es setzt ein Vergessen über die besetzten Gebiete ein, über ihre Ausbeutung der natürlichen und menschlichen Ressourcen, die damit verbundenen Völkermorde und Epistemicide, d.h. die Unterdrückung anderer Wissensdiskurse. Die ehemaligen Siedler waren niemals Migranten, sie fanden in den Gebieten Indigena und Ureinwohner_innen vor, die sie dann für ihre Interessen "entdeckten". Jahre später finden die Personen, die jetzt aus diesen alten Kolonien ankommen, keine europäischen Ureinwohner vor, sondern sie sind Migranten. Immer wieder werden neue Etiketten gefunden, die darauf abzielen, ihnen das Menschsein abzusprechen und sie zu reduzieren, um sie in die Zonen des Nicht-Seins abzudrängen.

Concerning Violence handelt von dieser Strecke durch das koloniale Spektrum, die Texte von Frantz Fanon reflektieren über diesen gewaltsamen Kern, durchqueren diese Verwüstung und haben trotzdem die Kraft, uns eine Möglichkeit des Lebens vorzuschlagen.

In Richtung Grenze, tief in der Wüste des Sahels, werden kleine Vereinbarungen geschlossen, es werden Ausbruchslinien definiert,  Bereiche reißen ein und man durchbricht die ersten Begrenzungen. Sahara Chronicle zeigt uns den Beginn einer Reise für die einen, einer Odyssee für die anderen. Das Nichts zu durchqueren unter der Kontrolle von Drones, in einer sich ausbreitenden Spannung von Grenze zu Grenze zu leben, jedes Mal dicker, aggressiver und ausschließender.

Die Abstufung der Grenzen, von der am weitesten entfernt liegenden und der durchlässigsten, über die gewaltsamen Zwischenzonen hin zur Hauptgrenze, alle münden schlussendlich in der tiefgründigen Linie, der Schnittlinie zwischen den Bereichen des Seins und des Nicht-Seins. Dort hören die Menschen auf, Menschen zu sein, die Geschichten und ihre Reisen verlieren jeglichen Sinn. Ein Leben ist hier kein Leben mehr. Tarajal, Chronik der Straflosigkeit an der Südgrenze zeigt die Brutalität an der Grenze und dekonstruiert den Diskurs der institutionellen Vorrichtungen und Erzählungen, die die gerechte Aufdeckung verhindern, um für einen legalen Rahmen zu kämpfen.

Aber wie uns kürzlich Boaventura de Sousa daran erinnerte, die Linie des Seins und des Nicht-Seins ist nicht mehr fest, sondern beweglich, immer mehr nähert sie sich dem Zentrum an und klopft an unsere Türen. Die Grenze ist implodiert und neigt dazu, das gesamte Gebiet zu besetzen und dabei auch das System zu definieren, das sie verwaltet.

In dem Film Forst erzählt eine Gruppe von Flüchtlingen im Wald, die sich nicht mehr in der Peripherie des Systems befindet, sondern in der Mitte Europas von ihrem Verschwinden in der Linie des Nicht-Seins: "Als ich ankam, warteten die Sicherheitsbeamten auf mich, sie schleppten mich hinein, sie nahmen meine kleine Tasche, sie zogen sich Plastikhandschuhe an und untersuchten meine Sachen, die Summe von Geld die ich bei mir hatte, die Zahlen in meinem Kalender, alles. Es ist Einschüchterung, Belästigung und Misshandlung zur gleichen Zeit, das ist der Stil dieses Systems. Es sind 3 Tage vergangen und ich bin nicht mehr ich."

Die scheinbare und ruhige Normalität im Bereich des Seins versteckt seine Ursprünge hinter einer Schicht touristischen Konsums. So auch der Hafen von Barcelona, an dem hunderttausende von Konsumenten per Kreuzschiff ankommen, es verbergen sich dahinter andere Wurzeln, Port Trade Portrait erinnert uns daran: die Geschichte der Sklaverei und seine Veränderung in der globalen Ära.

Montag, 23.05.2016, um 18 Uhr_ Koloniales Vergessen
Concerning Violence, von Göran Hugo Olsson, Schweden, 2014, 85 Min. Originalfassung mit Untertiteln auf Spanisch
Concerning violence ist ein Dokumentarfilm, der aus Archiv-Aufnahmen der gefährlichsten Momente im Kampf um die Befreiung der sogenannten Dritten Welt zusammengesetzt ist und zugleich die Mechanismen der Entkolonialisierung anhand von Fragmenten aus Frantz Fanons Die Verdammten dieser Erde untersucht. Fanons wegweisendes Buch, das vor mehr als 50 Jahren geschrieben wurde, ist und bleibt eine bedeutende Referenz für das Verständnis des aktuellen Neokolonialismus, der Gewalt und der Reaktionen, die daraus hervorgehen.

Dienstag, 24.05.2016, um 18 Uhr_ Der Grenze entgegen
Sahara Chronicle, Ursula Biemann, Schweiz, 2007, 50 Min. , Originalfassung mit Untertiteln auf Spanisch

Bei Sahara Chronicle handelt es sich um eine Sammlung von Kurzvideos, die im Postkolonialismus forschen und den Exodus aus den Staaten südlich der Sahara nach Europa dokumentiert. In diesem Rahmen wird die Mobilitäts- und Eindämmungspolitik analysiert, die Teil der globalen Geopolitik ist. Der Film untersucht die Modalitäten und Logistiken des Migrationssystems in der Sahara.

Das Material dieser Arbeit wurde bei drei Aufenthalten in den Gebieten an den Knotenpunkten des Migrationsnetzes Trans-Sahariana in Marokko, Niger und Mauretanien gesammelt. Sahara Chronicle reflektiert über dieses migratorische Netz innerhalb der Verbindung und der offenen Geographie dieses Territoriums. Der Film beinhaltet Aufzeichnungen aus Agadez in Niger, der Hauptstadt von Tuareg und der Sahara Zone, die das Nadelöhr für die migratorischen Hauptrouten aus Westafrika bildet; Nouadhibou, der nördliche Hafen von Mauretanien, von dem ab die Migranten mit dem Boot Richtung kanarische Inseln fahren; Oujda nahe der algerischen Grenze, von wo aus die Migranten Marokko durch die Wüste erreichen und Laayoune, die westliche Sahara, der Ausgangspunkt ist, um mit dem Boot Richtung Spanien aufzubrechen.

Sahara Chronicle versucht keine homogene oder zeitgenössische Erzählung eines Phänomens zu konstruieren, das seinen Ursprung in einem kolonialen, vielfältigen und zerbrechlichen Afrika hat, zu dem seine gegenwärtige soziale Organisation und seine menschlichen Erfahrungen gehören. In diesem Beitrag wird keine autoritäre Stimme oder ein anderes narratives Element verwendet, um Verbindungen herzustellen, vielmehr sind es die Zuschauer, die die Bedeutungen produzieren, indem sie etwas aus den Zwischenräumen der Videos herausholen. Da der Standpunkt zerstreut und nicht eindeutig ist, erkennt man an, dass es sich bei dem Weg um einen vielfältigen und gemeinschaftlichen Wissensprozess handelt.

Mittwoch, 25.05.2016, um 18 Uhr_ Die Grenze als Zone des Nicht-Seins
Tarajal, Chronik der Straflosigkeit an der Südgrenze, von Xavier Artigas und Xapo Ortega, Metromuster und Observatori DESC, 2016, Spanien, 90 Min. Originalfassung mit Untertiteln auf Englisch
Tarajal, Chronik der Straflosigkeit an der Südgrenze ist eine Forschungsarbeit der Filmproduktions-Kooperative Metromuster (u.a. Ciutat Morta) im Auftrag des Observatori DESC über die Straflosigkeit der Polizei als Verantwortliche der Morde von 15 Migranten ander Tarajal Strand am 06. Februar 2014. Der Dokumentarfilm präsentiert die gegensätzlichen Aussagen von Expert_innen im Bereich der Migration, Journalist_innen, Rechtsanwält_innen, Polizeisprecher, Aktivist_innen und Beamte des Innenministeriums, um eine Geschichte zu konstruieren, die die Widersprüche aufdeckt und vor allem zeigt, dass es sich um keinen einfachen Fall von Fahrlässigkeit seitens der Polizei handelt, sondern um eine geplante Strategie zur Umsetzung der Kontrolle in der Einwanderungspolitik.

Donnerstag, 26.06.2016, um 18 Uhr_ Die innere Grenze
Forst, von Ascan Breuer, Ursula Hansbauer, Wolfgang Konrad, Julia Lazarus, The Voice Refugee Forum. 2005 Österreich. Englisch, Spanisch. 50 Min. Originalfassung mit Untertiteln auf Spanisch
In einem Wald, der inmitten Europas, jenseits von Urbanität und Zivilisation, eine eigenartige Gemeinschaft von Verbannten beherbergt – eine gestrandete Welt. Eine diffuse, aber doch totale Kontrolle sorgt sich darum, dass sie nicht hervordrängt, dass sie nicht in unserer Wirklichkeit auftaucht und dort ihr Unwesen treibt. In Forst verkünden die Verbannten ihre eigene Wahrheit und erzählen die Geschichte ihrer Ermächtigung. Denn langsam entsinnen sie sich ihrer Identität als politische Flüchtlinge und beginnen Befreiungspläne zu schmieden.

Port Trade Portrait, von David Batlle, Spanien, 2014, 36 Min. Originalfassung mit Untertiteln auf Englisch
Der Film ist ein Portrait des alten Frachthafens von Barcelona, der sich inzwischen in einen touristischen Ort des Freizeitvergnügens verwandelt hat. An den selben Docks, an denen früher die Sklavenschiffe festmachten, um die Bourgeoisie der Stadt zu bereichern, flanieren heute Touristen ebenso wie Afrikaner, die versuchen unter dem Druck der Verfolgung und Verhaftung ihre Waren zu verkaufen. Mit Lola López und Kheraba Drame.

OVNI - Observatorio de Vídeo no Identificado



 

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