Intervention Right to move_Mark Terkessidis: Ausfall der Veranstaltung aus persönlichen Gründen

Mark Terkessidis -

Mi, 25.05.2016

20:00 - 21:00

Goethe-Institut Barcelona

Mark Terkessidis

Deutschland wird sich verändern, hieß es oftmals nach der Einwanderung von über einer Million Geflüchteter im letzten Jahr. Tatsächlich hat sich Deutschland längst verändert. In vielen Städten besitzen zwei Drittel der unter Sechsjährigen einen Migrationshintergrund - die Gesellschaft ist definitiv eine Vielheit. Zudem sind die Menschen eigensinnig wie nie. Viele Menschen verlassen sich nicht mehr auf die öffentlichen Organe der Verwaltung, sondern nehmen – etwa in Fragen der Infrastruktur – die Dinge selbst in die Hand. Über Car Sharing und Crowd Funding hat sich eine selbst organisierte Kultur des Teilens entwickelt. Die Proteste der letzten Jahre zeigen die Unzufriedenheit mit den autoritären Entscheidungen der Expertokratie. Die Reden von „Leitkultur“ und "Integration“ klingen dabei antiquiert. Die Vielheit verlangt nach Zusammenarbeit. Kollaboration hat in Kontinentaleuropa einen schlechten Ruf, aber Kollaboration - verstanden als Vertiefung der demokratischen Prozesse - könnte als ethisches Leitprinzip einer Gesellschaft im Umbruch dienen. Unsicherheit muss dabei als produktiv betrachtet werden. Die Vielheit ist keineswegs nur Belastung, sondern vor allem Herausforderung.

Mark Terkessidis, geboren 1966, Dr. Diplom-Psychologe, von 1992 bis 1994 Redakteur der Zeitschrift „Spex“. Freier Autor. Beiträge zu den Themen Jugend- und Populärkultur, Migration und Rassismus in „tageszeitung“, „Die Zeit“, „Freitag“, „Tagesspiegel“, „Literaturen“, „Texte zur Kunst“, „Freibeuter“ etc. sowie für den „Westdeutschen Rundfunk“ und „Deutschlandfunk“.
Buchveröffentlichungen: „Kulturkampf Volk, Nation, der Westen und die Neue Rechte“ (Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1995), Herausgeber (mit Tom Holert) von „Mainstream der Minderheiten – Pop in der Kontrollgesellschaft“ (Berlin: ID-Verlag, 1996), „Psychologie des Rassismus“ (Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 1998), Herausgeber (mit Ruth Mayer) von „Globalkolorit – Multikulturalismus und Populärkultur“ (St. Andrä-Wörden: Hannibal, 1998), „Migranten“ (Hamburg: Rotbuch, 2000), „Entsichert - Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert“ (Zusammen mit Tom Holert, Köln: Kiepenheuer & Witsch); „Die Banalität des Rassismus. Migranten zweiter Generation entwickeln einen neuen Begriff“ (Bielefeld: Transcript, 2004), „Fliehkraft. Gesellschaft in Bewegung – Von Migranten und Touristen“ (Zusammen mit Tom Holert, Köln: Kiepenheuer & Witsch 2006); „Interkultur“ (Edition Suhrkamp, 2010); „Kollaboration“ (Edition Suhrkamp, 2015).

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