Ausstellung/Performance Anderswo

Anas © hangar

Do, 31.01.2019 -
Do, 07.02.2019

àngels barcelona Espai 2

C. dels Àngels 16
08001 Barcelona

Anas

Arbeitsergebnisse der Stipendiaten des Künstleraustauschs Baden-Württemberg / Katalonien 2018

At the very least, listening to nothing would
seem to require exquisite attention to every subtle detail.
– Karen Barad.
 
Es gibt Bilder, die nicht von selbst existieren, sondern als Überlagerung von inkompatiblen Bildern, am Zusammenfluss von Netzhaut und Vorstellungskraft. Vorstellungskraft und Erinnerung sind Verdrängungskräfte. Es ist unmöglich, ganz präsent zu bleiben, während man sich etwas vorstellt oder sich an etwas erinnert. Und es spielt keine Rolle, ob ein Ort real oder fiktiv ist (wenn das so eindeutig ist), was zählt, ist die Präsenz, die Besetzung des Raumes, die Beeinflussung der Sinne. Die Fernkommunikationstechnologien (Bildschirm, Headset, Antenne) verhindern das Kommen und Gehen von Erinnerungen, das Versinken, wie beim Einschlafen, oder die plötzliche Rückkehr aus dem imaginären Raum. Vor dem spiegelglatten Bildschirm geschieht das Hier und Jetzt an zwei Stellen gleichzeitig.
Mit diesen Worten erfinde ich keine raffinierte Fiktion, keine kühne Geometrie: Ich beschreibe einen permanenten, alltäglichen, einfachen Mechanismus des gegenwärtigen Zustands. Ich denke nicht an Lewis Carroll, ich denke an Karen Barad. Was ich meine, ist, dass es mir scheint, dass ein möglicher Weg, den Werken von Kenneth Dow, Anas Kahal, Franco Castignani und Ely Daou einen Kontext zu geben, darin besteht, sie in diesen alltäglichen und anormalen Raum zu versetzen: das Bild, das sich aus der Überlagerung von zwei inkompatiblen Bildern, aus dem Zusammenfluss von zwei verschiedenen Raumzeiten ergibt. Aber, wie gesagt, es ist nicht wirklich ein Raum, sondern ein Zustand, ein permanenter Zustand. Der Zustand der Beständigkeit,  wenn das Kommen und Gehen, im Raum zwischen zwei heterogenen Bildern zusammengebrochen ist. Und in diesem Zustand versuchen, die Realität zu beschreiben. Ich möchte sagen, dass mir scheint, dass die Künstler in den hier versammelten Werken Folgendes tun: die Realität zu beschreiben versuchen, indem sie als einziges Werkzeug in greifbarer Nähe eine Geometrie unmöglicher Universen verwenden.
Lluis Nacenta
Director Hangar

Das Stipendienprogramm Baden-Württemberg/Katalonien wurde durch die Initiative des Goethe-Instituts Barcelona in Kooperation mit dem Kunstzentrum Hangar, dem Württembergischen Kunstverein Stuttgart und der Kunststiftung Stuttgart ins Leben gerufen. 
Das Projekt, dessen Ziel die Förderung des Austauschs zwischen den Kunstszenen in Baden-Württemberg und Katalonien ist, bietet Raum für einen Erfahrungsaustausch über unterschiedliche, künstlerische Herangehensweisen, Hintergründe und Produktionsweisen.
Das Stipendium wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg MWK und dem Kulturministerium der katalanischen Landesregierung –Generalitat de Catalunya- gefördert.

Wir präsentieren nun die Ergebnisse dieser Residenzen in einer gemeinsamen Ausstellung in Barcelona

Am 31. Januar 2019 wird die Ausstellung "anderswo" im Espai 2 der Galerie Angels Barcelona eröffnet. Bis zum 7. Februar werden die Arbeiten der Stipendiaten präsentiert, die während ihrer Aufenthalte in Barcelona bzw. Stuttgart entstanden sind. Die Künstler werden in diesem Zeitraum vor Ort sein und in verschiedenen Formaten ihre Kunst vermitteln.

Franco Castignani: "Unfitness Man Theory"
 
Franco Castignani in Stuttgart © Valentin Henning
“With the project Unfitness Man Theory I intend to investigate the performative and existential possible that opens the notion of unfitness, in order to rethink both the construction of non-patriarchal masculinities, open to more empathetic, less cruel and gentile living moods, as well as to take account of the discomforts and diseases that go through these masculinities, in the context of late capitalism. Context in which the imperative of being fit and competent has become almost indisputable dogma to lead a life considered "worthy" and livable.”
 
Ely Daou
: "I...Kognitive Karten Kapitel 1: Vom Kind zum Heranwachsenden"
​Performance: Donnerstag, 31. Januar um 18 Uhr und Dienstag, 05. Februar um 19:30 Uhr 
 
Ely Daou in Stuttgart © Valentin Henning










Der kognitive Abbildungsprozess ist eine mentale Darstellung der räumlichen Informationen. Er besteht aus der Erfassung, Speicherung, Wiederherstellung und Dekodierung von Informationen aus der Umgebung.
Was erinnert man sich von einen Raum, in dem man lebte, und der nicht mehr existiert, oder in den man nie zurückgegangen ist?
In I...Kognitive Karten - Kapitel 1, reise ich in meinem Gedächtnis - und in der Geschichte - durch den Versuch, die verschiedenen Wohnungen und Lebenssituationen zu skizzieren, in die ich  während des libanesischen Bürgerkriegs und in den folgenden Jahren umziehen musste.
Die architektonischen Details - wie sie in Erinnerung bleiben oder vielleicht von meinem Gedächtnis verwandelt werden - sind die Ausgangspunkte, um sowohl die Räume der Wohnungen als auch die Zeit der Vergangenheit wieder zu betreten. Eine Praxis, die Wohnungen baut, die auf Überzeugungen und Erinnerungen basieren.
Zu wissen, wer wir sind und wo wir sind, sind zwei grundlegende Aspekte unserer körperlichen und geistigen Erfahrungen.
BIO
Ely Daou wurde 1986 in Beirut, Libanon, geboren. Er schloss sein Architekturstudium am Libanesischen University-Fine Art Institute 2010 mit dem Master of Architecture ab.
Elys Arbeit ist es ein Anliegen, viele der menschlichen Konflikte und die menschliche Natur der Welt, einschließlich seiner eigenen, zu hinterfragen und gegen sie zu protestieren.
Er arbeitet im politischen, sozialen und persönlichen Kunstbereich so, dass der Betrachter Raum zum Nachdenken hat.
Seitdem er 2012 nach Europa gezogen ist, wird seine Arbeit an verschiedenen Orten ausgestellt, wie z.B. im CCCA (Sant Boi De Llobregat), La Casa Encendida (Madrid), SWAB International Art Fair (Barcelona) und LiveWorks (Dro, Italien).
Ely wohnt und arbeitet derzeit in Barcelona, Spanien.

Anas أﻥﺱ “between war and sea” , “das meer”

Anas © Miriam Wieser Artistic Statement:
Meine Videoarbeiten entstehen durch die künstlerische Forschung zeitbasierter Medien. Meist handelt es sich dabei um Video-Installationen, die auf eine Szene reduziert sind und sich mit dem Wechselspiel von Projektion, Träger und Motiv auseinandersetzen.
Die experimentelle Arbeit im Atelier ist grundlegend für mich, so lasse ich beispielsweise eine Videoprojektion auf unterschiedliche Ebenen im Raum fallen, um im nächsten Schritt die Komposition des Motivs festzulegen. Ich führe gerne zusammen, was noch nicht zueinander gefunden hat und sehe in Anbetracht dessen eine besondere Kraft in der Beziehung von Videoprojektion zu Element/Objekt. So lässt sich sagen, dass meine Zwei-Kanal-Video-Installationen sich durch die Interaktion zweier Teile formen, die das Motiv erst im Zusammentreffen vervollständigen. Licht und Schatten dienen den Arbeiten dabei, umfassender im Raum zu stehen.
Ich begreife die Technik als wichtiges Element meiner Arbeit und versuche daher, die physischen Fähigkeiten meiner Werkzeuge genau wahrzunehmen und Grenzen weiter zu spannen, um neue Möglichkeiten ins Leben zu rufen.
Anas Kahal (Künstlername: Anas), (*1985 in Damaskus) lebt und arbeitet in Karlsruhe, er hat in Damaskus und Karlsruhe Kunst studiert, zahlreiche Preise und Stipendien erhalten, an Gruppenausstellungen teilgenommen, als auch Einzelausstellungen in Deutschland und Frankreich realisiert.
 
Kenneth Dow:
"rm55.5c" Dokumentation einer einmonatigen Rollertour als Zeitraffer-Video auf einem holografischen Bildschirm.
 
Erstaunt über die große Verbreitung von Low-Tech-Lösungen für die Elektrifizierung von kleinen (Nutz-)Einspurfahrzeugen in China, entschied ich mich, meinen eigenen Elektroroller zu bauen und durchquerte mit ihm China .
 
Kenneth Dow © Kenneth Dow LIT
Eine skalierte Annäherung an die Great Chinese Firewall. Als WLAN-Netzwerk im Galeriebereich für die gesamte Dauer der Ausstellung zu präsentieren.
China verfügt über das fortschrittlichste System der Zensur zur Internetüberwachung. Ein Gerät, das für Menschen, die zum ersten Mal das Internet besuchen, sichtbarer wird und sie zwingt, ihre Internetnutzung zu überdenken, da Schlüsseldienste (Alphabet, Facebook, Porn) nicht verfügbar sind oder sich hinter einer illegalen Paywall namens VPN verstecken. Als ich nach Europa zurückkehrte, vermisste ich es, beim Surfen weit außerhalb meiner Komfortzone platziert zu werden, also habe ich eine kleine, unvollkommene Version der GFC nachgebaut.
Diese Abweichung von unserer üblichen Interneterfahrung bringt die unsichtbare, aber alles umfassende nationale und private Governance des globalen Netzwerks von Computern namens "The Web" ins Bewusstsein.
 
Kenneth Dow studierte in Stuttgart, Hamburg und Mailand und schloss sein Studium 2018 nach Abschluss des Studioprogramms Ecole Offshore in Shanghai ab. Für seine künstlerischen Arbeiten leiht er Methoden und Hilfsmittel aus dem Essayfilm aus, um Situationen als "wahrgenommen" zu dokumentieren. Diese oft inneren und präverbalen Geisteszustände werden in Experimenten in Form von Performances oder Skulpturen in der Außenwelt dargestellt.
 
 

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