Film Ein Freund von mir

Sa u. So, 24./25. April 2010 | 20:00 Uhr

La Casa Encendida | Ronda Valencia 2 | 28012 Madrid

Zeitgenössicher Film - in 35 mm

BRD 2006
Spielfilm
Regie: Sebastian Schipper
Darsteller: Daniel Brühl, Jürgen Vogel, Sabine Timoteo, Peter Kurth, Michael Wittenborn, Oktay Özdemir, Steffen Groth, Jan Ole Gerster, Jens Münchow, Alexander Speck, Alessandro De Tullio
Laufzeit: 84 Min., Farbe

Karl und Hans, das ist wie Feuer und Wasser, oder wie Bremsen und Beschleunigen. Unterschiedlicher jedenfalls können zwei Männer kaum sein.
Karl (Daniel Brühl) ist ein junger, introvertierter Mathematiker. Er arbeitet als Junior-Manager in einer Versicherung und ist auf dem besten Weg, eine glänzende Karriere zu machen. Er ist erfolgsverwöhnt, verdient gutes Geld und hat eine große Wohnung in bester Lage. Doch der gesamte berufliche Erfolg lässt Karl vollkommen kalt, sein Leben ist von einer durchdringenden Langeweile geprägt. Nicht allein auf seine überdurchschnittliche Begabung ist dies zurückzuführen, hinzu kommt eine Unsicherheit gegenüber seinen Kollegen, am liebsten möchte er in Ruhe gelassen werden und nicht mit Dingen wie Vorträgen oder ähnliche unangenehmen Dingen belastet sein.

Sein Chef würde gern mehr Leidenschaft in diesem viel versprechenden jungen Mann wecken – oder zumindest Widerspruch. So schickt er Karl aus heiterem Himmel auf eine provozierende Strafexpedition:
Er soll Versicherungsrisiken abschätzen, die im hart umkämpften Mietwagengeschäft entstehen. Um dieses Milieu heimlich beobachten zu können, lässt sich Karl als Fahrer bei einer Autovermietung anheuern.

Dort trifft er Hans (Jürgen Vogel): Übersprudelnd vor Energie und Unternehmungslust reißt er Karl mit in seine Welt hinein, eine Welt von schnellen Autos, Spaß und Freundschaften, und in die Welt von Stelle (Sabine Timoteo), seiner Königin, der Frau, die er liebt und heiraten will.
Als Hans seinen neuen Freund Karl zu einer wilden Jagd in zwei Porsches animiert, bei der beide völlig nackt sind, spürt Karl endlich so etwas wie Glück und eine tiefe Verbindung zu einem anderen Menschen – allerdings auch so etwas wie Liebe, denn eine Frau wie Stelle ist ihm bisher noch nicht begegnet. Gerade als Karl dabei ist, die Welt und das Glück neu zu erfahren, wird seine Freundschaft zu Hans auf eine harte Probe gestellt. Auch Stelle verliebt sich in Karl. Sie will nach Madrid gehen und hätte auch gar nichts dagegen, wenn Karl mitkommen würde – was allerdings dessen Lebensplan komplett durcheinander wirbeln würde, ganz zu schweigen von den Regeln, die er sich setzt. Karl zögert einen Moment und entscheidet sich dann für sein altes Leben – ohne zu ahnen, dass die Brücke, die dort hin zurückführt, vielleicht gar nicht mehr stabil ist.

Doch einen Freund wie Hans wird man so schnell nicht wieder los, und eine Frau wie Stelle vergisst man nicht so leicht. Die Bilder aus denen sich die Welt des Films herstellt, scheinen ganz auf Karl fokussiert. Sein Lebenskreis ist erst nur ein unscharfer, verschwommener Hintergrund von Schemen und Lichtern. Erst nach und nach erlangen sie Konturen – so als gäbe es eine unmittelbare Entsprechung zur Befreiung dieses jungen Mannes aus seinem emotionalen Wachkoma.
Leise und unaufdringlich haben Regisseur Sebastian Schipper und Kameramann Oliver Bokelmann diesen inneren Wandlungsprozess gestaltet.

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