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eine Retrospektive mit Filmen von Harun Farocki

LABoral Centro de Arte y Creación Industrial, Gijón
07.04. bis 18.06.2015

Die Arbeit des kürzlich verstorbenen Künstlers und Filmemachers Harun Farocki hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Geschichte des politischen Films seit dem Ende der 1960er Jahre. Mit seinen rund 90 Arbeiten gilt Farocki als wichtiger Vertreter des deutschen Experimental- und Dokumentarfilms. Die Bedeutung von Bildern und ihre Entstehung bestimmten Farockis Werk.
 
Als Hommage an seine Arbeit zeigt LABoral Centro de Arte y Creación Industrial zusammen mit dem Goethe-Institut Madrid eine Retrospektive, die das Werk Farockis vom Beginn in den 60er Jahren bis zu seinen letzten Filmen beleuchtet. Ein Mosaik, das in aller Vollkommenheit Farockis Arbeitsweise und seine persönliche Erforschung des Bildes als Machtbeziehung zwischen Sender und Empfänger reflektiert.

Portrait Harun Farocki Farockis Filmkarriere nahm in den 1960er Jahren ihren Anfang – einer Zeit, die von radikaler Avantgarde geprägt war. Internationales Aufsehen erregte er, als die französische Filmzeitschrift Cahiers du Cínema unter dem Titel Wer ist Farocki? 1975 über ihn berichtete.
 
Harun Farocki arbeitete an der Schnittstelle zwischen Film und bildender Kunst: Als Regisseur, Drehbuchautor, Video- und Installationskünstler setzte er sich mit Themen wie Krieg und Frieden auseinander – aber auch mit der von Werbung und Medien bestimmten Alltagswelt. Seine Filme wollen nicht mit schönen Bildern verführen, sondern zum Nachdenken zwingen.
 
Beeinflusst wurde er durch Regisseure wie Robert Bresson, Carl Theodore Dreyer, Jean-Luc Godard, Jean-Marie Straub, Sergei Eisenstein und Dziga Vertov, aber auch durch Schriftsteller wie Walter Benjamin, Bertolt Brecht oder Günther Anders. Vor allem der Einfluss durch Bertolt Brecht wird immer wieder thematisiert: Farocki setzte letztlich die Verfremdungsarbeit Brechts filmisch auf der Leinwand fort. Er will irritieren, dekonstruieren, fokussieren, chaotisieren, verunsichern. Farockis Filme gehören dem Neuen Deutschen Film von Alexander Kluge, Edgar Reitz und Wim Wenders an. Auch Chris Marker und die französische Nouvelle Vague hatten Einfluss auf sein künstlerisches Werk.
 
Neben seiner Tätigkeit als Filmemacher war Farocki zeitlebens Autor und Redakteur der Zeitschrift Filmkritik in München. Er war zudem Kurator und auch als Gastprofessor in Berkeley, Harvard und Wien tätig. Es war ihm durch sein Werk möglich, den Menschen seine Gedanken über die Beziehung zwischen Gesellschaft, Politik und Film näherzubringen. Seine enorme Bedeutung für die bildenden Künste wird in Retrospektiven seiner Filme und in Einzelausstellungen, wie zum Beispiel im Hamburger Bahnhof in Berlin oder im MUMOK in Wien, widergespiegelt. So auch bei der Veranstaltung Convertir(se) en imágen: el cine de Harun Farocki in Gijón, Spanien.

Biografie Harun Farocki