Retrospektive 60 Jahre Deutscher Film

Foto MIGRACIONES ©

SO WEIT, SO NAH: MIGRATIONEN

Seit der Epoche des Expressionismus gibt es ein verengtes und irrtümliches Bild vom deutschen Kino als einem starren Corpus, der fixiert ist auf die Ruhmestaten und Schattenseiten seiner Vergangenheit und seiner Gegenwart.
Die Retrospektive aus Anlass des 60-jährigen Bestehens des Goethe-Instituts Madrid will versuchen, diesem falschen Mythos entgegenzuwirken, indem sie die beständige Faszination für andere, oft genug radikal andersartige geographische und kulturelle Territorien bei deutschen Filmemachern aufzeigt. Wenn bereits im Vorfeld der Naziherrschaft eine beträchtliche Zahl von Filmschaffenden den Weg ins Exil wählte, so wurde nach dem Ende des 2. Weltkriegs der Blick auf ferne Horizonte zu etwas Üblichem und erreichte seinen Höhepunkt mit dem Neuen Deutschen Film der 60er und 70er Jahre. Im 21. Jahrhundert wurde für die Mitglieder der Berliner Schule (ohne Zweifel die in Europa anregendste cineastische Bewegung der letzten 30 Jahre) das Reisen zu einem wesentlichen Thema, ebenso für die Generation der türkisch-deutschen Filmemacher, die seit Mitte der 90er Jahre dem deutschen Kino belebende Impulse geben.
(Javier H. Estrada, Kurator der Retrospektive)
 
Javier H. Estrada ist Filmkritiker, -professor und Programmgestalter. Er ist Mitglied des Redaktionsbeirats der Zeitschriften Caimán. Cuadernos de Cine und Secuencias. Revista de Historia de Cine. Seit 2013 ist er Programmmacher des Festival Internacional Lima Indepentiente (Peru). Er ist Mitbegründer und Programmverantwortlicher von FILMADRID. Festival Internacional de Cine (Spanien). 2017 übernimmt er die Programmleitung beim Festival des Europäischen Films in Sevilla. Er hat Lehraufträge in Institutionen wie ECAM und der Schule für audiovisuelle Gestaltung Master LAV (Madrid), wo er den Jahrgangskurs (R)evoluciones audiovisuales leitet.