Fotoausstellung Miquel Gonzalez - Memoria Perdida

Ausschnitt von Miquel Gonzalez, Memoria Perdida - Valle de los Caídos III (Cuelgamuros), Madrid © Miquel Gonzalez

Mittwoch, 05.06.2019 - Freitag, 20.09.2019

Goethe-Institut Madrid

c/ Zurbarán, 21
28010 Madrid

im Rahmen der PHotoEspaña 2019 - Internationales Festival für Fotografie und visuelle Künste

die stille

hör, mein sohn, die stille stranden
sie verraunt ist wellenkünftig
ein verstummen
aus dem hall und täler stürzen
und das sich gesichter beugt
der erde zugeborgen


(Federico García Lorca in der Übersetzung von José F.A. Oliver)

Im Rahmen des internationalen Festivals für Fotografie und visuelle Künste PHotoEspaña 2019 beteiligt sich das Goethe-Institut Madrid mit der Ausstellung Memoria Perdida des Fotografen Miquel Gonzalez.

ERÖFFNUNG: Mittwoch, 5. Juni, 19.00 Uhr in Anwesenheit des Fotografen

Die Ausstellung Memoria Perdida umfasst eine Auswahl an Werken von Miquel Gonzalez, die den Umgang der spanischen Gesellschaft mit der Erinnerungskultur aufgreift. Seine Aufnahmen thematisieren die Orte, an denen Opfer und Gefallene des Bürgerkriegs und des Franco-Regimes begraben liegen. Dafür hat der Fotograf drei Jahre lang zahlreiche Massengräber besucht, die die spanische Geographie bis heute teilweise noch versteckt. 

Bis zum heutigen Tag liegen die Überreste von geschätzten 114.000 “Verschwundenen” des spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) und der Franco-Diktatur (1939-1975) in nicht identifizierten Massengräbern, Straßengräben, am Rande von Städten und Dörfern, in Schluchten oder offenen Feldern. Memoria Perdida zeigt Bilder dieser Gräben und Gegenden, an denen die Gräueltaten stattgefunden haben und welche noch nicht freigelegt oder zu Gedenkorten geworden sind. Viele dieser Orte sind vergessen und durch neue Straßen sowie Gebäude verdeckt worden, oder sind schlichtweg ohne jegliches Zeichen ihrer grausamen Vergangenheit zu hinterlassen, verschwunden. Der Mangel an Erinnerungskultur, Gerechtigkeit und Wahrheit veranlassten Miquel Gonzalez dazu, die Gewaltszenarien aufzuarbeiten und Licht in die verborgene Vergangenheit (Erinnerungen) zu bringen: “Ich wollte mich den Orten, an denen diese Grausamkeiten begangen wurden, so neutral wie möglich annähern und auf das reagieren, was ich dort vorfinden und fühlen würde. Anstatt Antworten zu geben, geht es mir vielmehr darum, dass sich die Leute selbst Fragen stellen.”

Miquel Gonzalez hat jeden Ort möglichst zeitnah, zur gleichen Stunde, Tag und Jahreszeit fotografiert, zu der jene Gräueltaten tatsächlich stattgefunden haben. Die meisten der Fotografien wurden zur Abenddämmerung und vor Tagesanbruch aufgenommen, der bevorzugten Zeit, um einen “Spaziergang” zu machen und Menschen umzubringen. Die Leere und Stille dieser Stunden verleihen der Landschaft eine gewisse Ruhe, die im Gegensatz zu den Schrecken steht, die dort geschehen sind.  Obwohl diese Orte voller Spuren von Menschheit sind, ist die Abwesenheit von Menschen das, was Miquel Gonzalez am meisten beeindruckt. Es ließ ihn der Opfer gedenken und er stellte in gewisser Weise ihre Präsenz in diesen verlassenen Landschaften wieder her.

Ein begleitender Ausstellungskatalog steht zur Verfügung und kann während der Ausstellungsdauer käuflich erworben werden.
 

Miquel Gonzalez © Miquel Gonzalez MIQUEL GONZALEZ

Deutscher Fotograf und Künstler, geboren in Deutschland (1964) als Sohn spanischer Auswanderer. In seiner Jugend entdeckt er seine katalanischen Wurzeln und zieht schließlich nach Barcelona (1987-2000), wo er am Instituto de Estudios Fotográficos de Cataluña (IEFC) Fotografie studiert. Seit mehr als 25 Jahren ist er nun als Fotograf tätig und zeigt seine Werke weltweit bei Ausstellungen.

Miquel Gonzalez' Fotografien fokussieren sich auf die sozialen Aspekte von Individuum und Landschaft, welche sich oftmals durch die Zivilisation verletzt sehen. Seine Arbeit zeichnet sich durch eine kontemplative Sicht auf die von ihm fotografierten Räume und Situationen aus, und lädt den Betrachter ein, tiefgreifender über die dargestellten Themen zu reflektieren.

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