Film Cineclub Goethe | Dicke Mädchen

Foto: Dicke Mädchen © DIF

Dienstag, 03.03.2020, 19.30 Uhr

Goethe-Institut Madrid

c/ Zurbarán, 21
28010 Madrid

Regie: Axel Ranisch, Farbe, 76 Min., 2011

Aufgeregt verlässt Edeltraut Ritter am Morgen das Ehebett. Sie müsse zur Arbeit, sagt sie. Aus der anderen Hälfte des Betts erhebt sich ihr Sohn Sven und beruhigt sie. Edeltraut könnte gar nicht mehr arbeiten, sie ist an Demenz erkrankt. Aber Sven muss los, er hat einen Job bei einer Bank. Daniel kommt, er wird sich tagsüber um die alte Frau kümmern. Zunächst bringt er sie ins Bad, um sie zu waschen. Daniel kümmert sich rührend um Edeltraut, er tanzt mit ihr und lässt sich Anton nennen, so hieß einst ihr erster Verehrer im Tanzkurs. Auch beim Fensterputzen setzen die beiden ihr Spiel fort, Edeltraut lacht und freut sich – aber dann sperrt sie ihren Betreuer auf den Balkon und macht sich aus dem Staub. Daniel muss warten, bis Sven zurückkehrt und ihn aus der misslichen Lage befreit. Gemeinsam suchen Sven und Daniel nach der Verschwundenen. Das könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein...

Der Titel Dicke Mädchen mag denunziatorisch wirken, der Film ist es nicht. Regisseur und Autor Axel Ranisch geht mit seinen Figuren überaus liebevoll und sensibel um. Gerade die „lustigen“ Szenen evozieren gleichzeitig das Gefühl von Trauer und Vergeblichkeit, ohne dass dies je weinerlich wirken würde. Ranisch hat ohne ausgearbeitetes Drehbuch gearbeitet und vieles einfach improvisieren lassen und mit der Handkamera aufgenommen. Dabei gelingen ihm wunderbare Bilder mit doppeltem Boden: Der auf dem Balkon ausgesperrte Daniel steht auch symbolisch im Regen; Sven und Daniel am See wagen auch im übertragenen Sinn den Sprung ins kalte Wasser und stecken hinterher gemeinsam unter einer Decke.

Regie: Axel Ranisch
Drehbuch: Axel Ranisch
Kamera: Axel Ranisch
Darsteller: Heiko Pinkowski, Peter Trabner, Ruth Bickelhaupt, Paul Pinkowski

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